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SZ/BZ Blog

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Breitseite gegen die Sportstadt

15.04.2013

Es ist bezeichnend, wenn ein Fußballtrainer bei einer Pressekonferenz 70 Prozent seiner Redezeit in die Sportplatzschelte investiert. Vor allem, wenn es nicht der heimische Trainer ist. Colin Bell ist mit seiner Frauenbundesliga-Mannschaft aus  Bad Neuenahr vier Stunden lang Bus gefahren, „um in Sindelfingen auf einem Acker zu spielen. Wir sind in der höchsten Liga und kommen uns vor wie bei einem Kreisliga-Verein. Diese Rahmenbedingungen sind unwürdig.“

Dabei ahnt er nicht einmal, dass alles noch viel schlimmer ist. Der Platz im Sindelfinger Floschenstadion ist mehr Geläuf als Spielfeld, so weit liegt er richtig. Aber sein Gegenüber, VfL-Trainer Niko Koutroubis, kann da locker einen drauflegen: „Wir sind ja schon froh, wenn wir nicht auf dem Parkplatz spielen müssen.“

Seit Januar trainieren seine Spielerinnen oft bis zu sieben Mal pro Woche und müssen sich vorkommen wie Leichtathleten. Der Kunstrasen ist alles, was der Sindelfinger Fußballfamilie von den Bambinis bis zu den Alten Herren, den Frauen und den Männern, dem VfL und den ausländischen Mannschaften von Ende Oktober bis Mitte April geblieben ist. Die Jugendplätze an der Sportwelt und der Trainingsplatz am Glaspalast waren ein halbes Jahr lang gesperrt. Jetzt, wo die Kicker wieder darauf spielen und trainieren dürfen, sind sie in einem so desolaten Zustand, dass sie jedem Kreisliga-Team unwürdig wären. Das sind die Visitenkarten, die die Sportstadt Sindelfingen verteilt.


In der Radler-Praxis hakt’s gewaltig

02.04.2013

Neue Regeln: Papier ist geduldig. Das galt schon für die Straßenverkehrsnovelle von 1997 und das wird auch für viele Änderungen der Straßenverkehrsordnung gelten, die am 1. April 2013 in Kraft getreten sind. Ausnahmen werden die höheren Strafzahlungen bei Verkehrsverstößen sein.
So besteht die beste Neuerung für Radfahrer wohl darin, dass Autofahrer, die ihre Fahrzeuge auf dem Radweg abstellen, dafür kräftiger zur Kasse gebeten werden – sofern sich jemand die Mühe macht, solche Falschparker anzuzeigen.
Autos auf Radwegen sorgen dafür, dass die Sonderspuren für die Zweiradfahrer nicht attraktiv sind. Doch das ist es nicht allein. Radwege, die kaum mehr als Lenkerbreite haben wie in Böblingen oder wie in Sindelfingen zwischen Wartehäuschen und Busbucht hindurch führen, sind untauglich.
Für gemeinsame Fuß- und Radwege gilt dasselbe, so lange die Gerichte bei Unfällen grundsätzlich den Fußgängern Recht geben, auch dann, wenn diese ihre Spur verlassen und den Radlern in die Quere gekommen sind. Da scheint es für den Radfahrer allemal günstiger, einen Strafzettel wegen Nichtbenutzung des Radweges zu riskieren.
Jetzt soll durch ein Zusatzschild auch noch das Inline-Skaten auf den Radwegen erlaubt werden können. So ein Humbug.
Freilich: Es ist auf der anderen Seite auch nicht alles sinnvoll, was gut für die Radler sein soll. So gehört die 2001 eingeführte Regelung, dass diese bei entsprechender Beschilderung falsch durch die Einbahnstraße fahren dürfen, aufgehoben. Dass nun am Anfang der Einbahnstraße, die für den falschen Radler das Ende ist, rechts vor links gelten soll, wird die Autofahrer vollends überfordern.


Frau Holle bekommts eins auf die Fresse

26.03.2013

Bis Ostern sollte man eigentlich immer mit Schnee und Eis rechnen - da gilt natürlich auch für den Winter 2012/2013. Trotzdem nervt es, wenn man noch Tage nach dem kalendarischen Frühlingsanfang Schnee schippen oder das Auto freikratzen muss. Das gilt vor allem für die Berliner, Brandenburger oder Sachsen, die seit Wochen mit eisigen Temperaturen und Schneebergen kämpfen müssen. Da hilft eigentlich nur noch Galgenhumor wie dieser: "Bald ist Sommerzeit-Umstellung, dann kann man abends eine Stunde länger bei Tageslicht Schnee räumen."

Deutlich drastischer hat ein anderer Zeitgenosse im Internet seine Abneigung gegen den Winter formuliert: "Eigentlich bin ich ein friedlicher Mensch, aber bald bekommt Frau Holle eins auf die Fresse."

In Wirklichkeit ist es völlig normal ist, dass an Ostern noch Schnee liegt. Warum sind denn die Ostereier farbig angemalt? Damit man sie im Schnee besser findet.


Ich möchte kein Eisbär sein

21.03.2013

 Kennen Sie noch Grauzone? Das waren die jungen Menschen, die vor über 30 Jahren mit dem Bekenntnis „Ich möchte ein Eisbär sein“ auf der Neuen Deutschen Welle ritten. Im Zuge dieser Stilepoche wurde von „Da da da“ bis „Rote, rote Rose, Rosemarie“ ja so mancher Blödsinn verzapft.

Ein schroffer Höhepunkt dieser textlichen Niederungen gipfelte aber in der Feststellung: „Eisbären können nicht weinen“. Deshalb alles klar am kalten Polar? Dem widerspricht eindeutig die Anekdote von Vater Eisbär und Sohn Eisbär, die dort Hand in hand über einen Eisberg flanierten. Während des gemeinsamen Spazierganges fragte der Junior- Petz erst ob er, dann ob der Vater, die Mutter, Onkel, Tanten und so weiter alles richtige Eisbären wären.
Sie ahnen es: Irgendwann platzte dem Alten der Kragen und fragte unwirsch, warum ihm der Sohn solche Löcher in den Bauch frage, da doch alle in der Familie reinrassige Eisbären wären. Ratlos sagte der Kleine: „Weißt du Papa, ich verstehe das nicht. Wenn alle in der Familie richtige Eisbären sind, warum friere ich dann so?“.

Dies beweist die Leidensfähigkeit der Eisbären. Vielleicht tränenlos, aber immerhin. Deshalb möchte ich kein Eisbär sein, auch wenn in diesem langen Winter die Kälte unter den Pelz kriecht und dieser Frühling in seinen ersten Tagen keine grundlegende Änderung verheißt. Wenn Eisbären ebenfalls von Kälte geplagt sind, dann wird es unser einem doch zumindest warm ums Herz, wenn man darüber jammern kann. Nein, ich möchte kein Eisbär sein.


Alles ist endlich

21.03.2013

Alles ist endlich. Das gilt selbst für die Platze auf den Sindelfinger Friedhöfen. Nach den Zahlen, die Hartmut Knoch, der kammissarische Leiter des Regiebetriebs Stadtgrün, jetzt im Gemeinderat vorlegte, reicht die Fläche in Darmsheim noch locker zehn Jahre.

Eng wird es dagegen auf dem Burghaldenfriedhof in der Kernstadt, was die Erdkaufgräber angeht. Deswegen hat Knochs Vorgänger Thomas Speer vor neun Monaten einen über 800.000 Euro teuren Generalplan für die Erweiterung aufgelegt, aber sich damit im Gemeinderat eine glatte Abfuhr geholt. Hartmut Knoch hat den Plan jetzt abgespeckt und will für rund 250.000 Euro auf der Burghalde 2013 erst einmal 80 statt 600 neue Grabstellen anlegen. "Gebaut wird nur, was wir tatsächlich brauchen", sagt Hartmut Knoch und kassiert im Technik- und Umweltausschuss trotzdem noch drei Enthaltungen.

Weil sich immer mehr Sindelfinger aus den nördlichen Stadtteilen in Maichingen bestatten lassen, ist die Aufnahmekapazität des Waldfriedhofs in spätestens sieben Jahren ausgeschöpft. Die Friedhofsverwaltung will bis zum Jahresende aufzeigen, wie und wo der Friedhof erweitert werden könnte.


Neues Rezept für den Marktplatz

14.03.2013

Sindelfinger Wochenmarkt: Die Einen sind glücklich über die Weite des Platzes, die Anderen klagen über den Charme eines Exerzierplatzes. Nach den ersten drei Monaten ist das Echo auf den Sindelfinger Wochenmarkt gespalten.
Wahrscheinlich liegt das richtige Rezept irgendwo in der Mitte. Es ist kein Wunder, dass das, was in einem Büro auf dem Papier ausgetüftelt wird, in der Praxis manchmal mit Kinderkrankheiten behaftet ist. Das ist bei (fast) jedem neuen Auto und (fast) jedem neuen Haus so.
Weil der Wochenmarkt in Sindelfingen aber eine der schönsten Perlen der Stadt ist, muss bei jeder Veränderung Vorsicht wie bei einem rohen Ei geübt werden. Immerhin haben es Händler und Rathaus seit Dezember geschafft, den neu gestalteten Platz ordentlich zu bespielen.
Das Grundprinzip mit mehr Platz zwischen den Ständen ist ja in Ordnung und wenn erst einmal die Sonne scheint und die Leute ihren Cappuccino draußen schlürfen, sieht nicht nur der Sindelfinger Marktplatz, sondern die ganze Welt gleich anders aus. Wahrscheinlich zeigt der Wochenmarkt dann ganz automatisch, warum er in allen Umfragen wie dem SZ/BZ-Bürgerbarometer oder dem Zukunftsprojekt 2025 so hoch gehandelt wird.
Nichts dagegen, wenn jetzt ein paar Stände zusammengerückt werden. Wunder sind bei der Wetterprognose für den Donnerstagsmarkt heute nicht zu erwarten. Wenn es lausig kalt und windig ist, entbehrt selbst ein Markt im südfranzösischen Aix-en-Provence nicht einer gewissen Tristesse.


Lieber Toncar als Homburger

11.03.2013

Birgit Homburger ist nicht mehr stellvertretende Vorsitzende der FDP. Das mag so mancher FDP-Parteigänger bedauern (oder auch nicht). Für den Wähler jedenfalls ist das eine gute Nachricht, denn die liberale Frontfrau in Baden-Württemberg nervt zu oft und redet zu oft altklug daher. Und da sie ansonsten mit politischen Aktivitäten auch nicht besonders aufgefallen ist, können wir den Verlust verschmerzen.

Zumal die Delegierten des FDP-Bundesparteitags in Berlin klug genug waren, den Böblinger Bundestagsabgeordneten Florian Toncar zum ersten Mal in den Bundesvorstand zu wählen. Der hat zuletzt nicht nur seinen Doktor gemacht, sondern sich auch als Finanzpolitiker einen Namen gemacht. Bei einer Volksbank-Veranstaltung zum Euro in der Sindelfinger Stadthalle hat der junge Liberale aus Sicht des Publikums sogar einem Finanz-Professor die Schau gestohlen.


Freie Fahrt für Radler - wir schütten den Kessel zu!

14.02.2013

 

Der nächste Skandal sucht die Landeshauptstadt heim. Nach dem Aufstand der Generation 60 plus bei S21 erschüttert jetzt der Fahrrad-Klima-Test das einstmals beschauliche Stuttgart (über die Bezeichnung Fahrrad-Klima-Test könnte man eigentlich eine eigenen Abhandlung schreiben, aber die erspare ich ihnen).

Unter den 38 deutschen Großstädten belegt die nun grün regierte Schwabenmetropole einen schockierend schlechten 30. Platz in Sachen Fahrrad-Freundlichkeit. Das allein wäre schon Grund genug für tiefe Betroffenheit, Empörung, Bürgebegehren, wütende Proteste engagierter Einwohner und selbstverständlich ein berechtigter Anlass für an Fahrradwegschilder gekettete Velo-Aktivisten.

Doch bewahren wir kühlen Kopf und machen uns auf die Suche nach den Gründen. Sicher stecken wieder korrupte Politiker hinter diesen Missständen, oder unfähige Planer, womöglich ist die Wurzel des Übels eine geheime Verschwörung von Wirtschaft, Politik und Verwaltung: Alte Seilschaften versuchen gemeinsam mit der großen Lobbyistenschar der Automobilindustrie die Entwicklung der fahrradfreundlichen Stadt Stuttgart zu torpedieren......

...... soweit die Mainstream-These, jetzt wage ich mich auf dünnes Eis und versuche mich im Querdenken. Hierzu schauen wir uns zunächst die drei Sieger der Fahrrad-Studie an: sie heißen Münster, Freiburg und Karlsruhe.

Was haben sie gemeinsam?
Eine weitsichtige und nachhaltige Verkehrspolitik, gemacht von verantwortungsvollen Politikern? Nicht unbedingt! An fehlender Industrie kann es auch nur in Münster und Freiburg liegen. Was kann es also sonst sein?

Ganz einfach: Münster, Karlsruhe und auch das Zentrum Freiburgs sind platt wie eine Flunder, ohne Hügel, ohne Berge, einfach flach - eben eben. Stuttgart eignet sich in den meisten Stadtteilen wegen seiner Topographie dagegen allenfalls zum Mountainbiken. 

So bleiben zwei Möglichkeiten: entweder wir akzeptieren, dass Stuttgart nie eine Fahrradstadt wird - wie Hamburg sich in sein Schicksal ergeben hat, keine Metropole des alpinen Skisports zu werden - oder wir schütten den Kessel einfach zu.

Dieser Schritt hätte gleich mehrere Vorteile: die Radler könnten wunderbar radeln und die sinnlose Feinstaub-Diskussion hätte sich ebenso erledigt, wie das Theater um Stuttgart 21.

 


Ab in den Süden

13.02.2013

Mensch, unseren Frauen hätte ich echt mehr zugetraut. Der Internet-Reise-Riese Expedia.de hatte zusammen mit den Rabattern von Payback gefragt, mit welchem Promi die Herren und Damen der Nation am liebsten ihre Ferien verbringen würden. Erfolg macht sexy, Macht macht schön: Den Platz an der Sonne teilen sich George Clooney und Barack Obama. Mannomann, wie langweilig. Es geht eben doch immer nur ums Eine.

Die geschlossene Liste der Männerwelt bietet dafür so manches Aha-Erlebnis. Keine Chance für Schlauchbootlippe Angelina Jolie. Auch Bikini-Model Gisele Bündchen landet unter ferner liefen. Superweib Veronica Ferres? Abgeschlagen. Nein, die Nummer eins ist die intellektuelle Quasselstrippe Barbara Schöneberger. Vergeben, Mutter, schlau und mit Witz.

Was sagt uns das? Sicher, dass Männer am liebsten nur reden. Vielleicht liegt aber auch ein gewisses Maß an Kalkül dahinter. Mit einer Schöneberger an der Seite muss man sich schon keine Gedanken um die Tagesplanung machen. Das nimmt die Frau schon selbst in die Hand. Mit einem Säugling an der Backe muss sie früh nach Hause, und Alkohol ist für sie tabu. Welche Vorteile das bringt, kann jeder für sich selbst entscheiden. Okay, sie sieht auch spitze aus, aber bei Barbara Schöneberger zählen die innere Werte. Jedenfalls liegt sie um Welten vor dem Schlusslicht: der seit Jahrzehnten erotisierenden Madonna.

Den letzten Platz auf der Frauen-Wunschliste belegt übrigens Roberto Blanco. Ein bisschen Spaß muss sein, aber hier ist Schluss mit lustig.


Lasst Blumen stecken

12.02.2013

Noch einmal und dann: aus, vorbei, Feierabend. Der Ernst des Lebens hat uns wieder im Schwitzkasten. Ab morgen kreuzen keine Nonnen in Nylons den Weg zur Pilsbar. Es tanzen keine Matrosen mit Fröschen den Ententanz. Cowboys und Indianer schunkeln nicht mehr miteinander, während ein Pferd auf dem Flur steht. Ab Mittwoch regiert der schmale Hans. Es ist Fastenzeit.
Der Brauch will es so, auch wenn kirchliche Hintergründe nur noch selten Rollen spielen. Gewinn durch Verzicht, das will man uns vermitteln und führt schon übermorgen alles ad absurdum: Valentinstag. Lasst Blumen und Pralinen sprechen. Da passt doch was nicht zusammen. Einmal kurz geschüttelt, schon wird klar: Es gibt doch keine bessere Gelegenheit zu zeigen, dass der Verzicht mehr als ein Lippenbekenntnis ist. Also lassen wir es doch einfach sein mit den duftenden Pflanzen und den leckeren Süßigkeiten. Wir verzichten auf die kalendarisch angeordneten Aufmerksamkeiten und auch auf deren süße Folgen. Wir verzichten auf das nette Lächeln und das Dankeschön und gewinnen dadurch, dass wir wahre Stärke zeigen.
Am besten: Wir gehen dorthin, wo es wirklich wehtut. Nichts da mit Schmusekurs und Gaumenfreuden im trauten Heim, das wäre in der Fastenzeit nicht angemessen. Nein, wenn wahre Größe erst aus großen Niederlagen entsteht, dann ist der glorreiche VfB Stuttgart die erste Adresse. Gegen Genk, Europapokal, da kann es doch wieder nur Magerkost geben. Es gibt keine bessere Zeit dafür. Und lasst die Blumen stecken.


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