Lokales vom 02.04.2016

Böblingen/Sindelfingen: 30-Jähriger kommt nach Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß

Bewährungsstrafe für Zuhälter

  • Bewährungsstrafe für Zuhälter

Wegen versuchten Menschenhandels sowie wegen Zuhälterei ist ein 30 Jahre alter Böblinger vom hiesigen Amtsgericht zu der Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden. Eine heute 24 Jahre alte Rumänin arbeitete für ihn von Mai 2011 bis August 2012 vorwiegend in einem Bordell in Böblingen.

In einem Großbordell in Stuttgart hat das Landeskriminalamt Ende 2014 eine Razzia durchgeführt. Im Raum standen unter anderem der Verdacht des Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und der Verdacht der Zuhälterei. Im Zuge der Ermittlungen fanden die Beamten Belegungslisten, aus denen hervorgeht, welche Frau an welchem Tag in dem Bordell anschaffen ging. Über diese Listen stießen die Beamten auch auf eine heute 24 Jahre alte Frau aus Rumänien.

Sie wurde im Frühjahr 2011 von einem rumänischen Ehepaar unter einem Vorwand dazu gebracht, mit ihm nach Österreich zu reisen. Die Frau erzählte ihr, in Österreich würde sie eine Person pflegen und bräuchte dafür Hilfe. Zudem ginge sie am Wochenende einem gut bezahlten Job als Tänzerin in einer Bar nach. „Meine finanzielle Lage und die meiner Familie war schlecht. Daher habe ich zugesagt“, sagte die 24-Jährige.

In Österreich angekommen, erfuhr sie, worum es dem Ehepaar tatsächlich ging: um Prostitution. „Ich sah den Club und habe dann bemerkt, in welchem Schlamassel ich gelandet bin“, sagte die 24-Jährige. Da sie Schulden bei dem Ehepaar hatte, willigte sie ein, als Prostituierte so lange zu arbeiten, bis die Schulden bezahlt sind. Nach wenigen Wochen kehrte sie mit dem Ehepaar in ihr Heimatland zurück.

Etwa 14 Tage später meldete sich die Frau erneut. „Sie sagte, sie würden nach Deutschland fahren und ich müsse mitkommen. Ich wollte nicht. Sie sagten, sie wüssten, wo ich wohne und würden alles meinen Eltern erzählen. Aus Angst vor der Schande bin ich mitgegangen“, schilderte die 24-Jährige, die als Beruf Studentin vorgibt, die aber in einer Fabrik arbeitet.

In einem Böblinger Bordell lernte sie die Freundin des 30 Jahre alten Angeklagten kennen, die ebenfalls als Prostituierte arbeitete. „Ich habe ihr von dem Ehepaar erzählt und davon, dass ich schlecht behandelt werde“, sagt die 24-Jährige. Die Freundin des Angeklagten erzählte, dass ihr Freund helfen könne. Sie stellte den Kontakt her, alle drei trafen sich in der Sindelfinger Wohnung des Angeklagten.

„Ich habe ihr gesagt, dass ich helfen kann. Ich habe aber gesagt, dass ich das nicht umsonst mache“, so der Angeklagte, der als Schutzgeld 200 Euro wöchentlich forderte. Die 24-Jährige willigte


Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer