Lokales vom 12.11.2016

SZ/BZ-Bürgerbarometer (16): 64 Prozent sind mit der Sanierung der Arena einverstanden, nicht einmal jeder Fünfte stand hinter dem möglichen Abriss

Das Floschenstadion ist Herzenssache

  • Das Floschenstadion ist Herzenssache

 

Die Zukunft des Floschenstadions war eines der ganz großen Sindelfinger Themen der letzten Jahre – und ist es immer noch. Nach dem Salto rückwärts und dem Beschluss, die Arena doch zu sanieren, sind die Bürger gespannt darauf, wann und wie es weitergeht. Verknüpft sind damit Emotionen. Das SZ/BZ-Bürgerbarometer hat diese aufgefangen.

Die Gemeinderatsentscheidung vom 19. Juli sprach den Sindelfingern aus der Seele: Das Floschenstadion bleibt erhalten. Die zahlreichen Reaktionen – auch auf der Facebook-Seite der SZ/BZ – fielen ausgesprochen positiv aus. Dabei war der Abriss eigentlich schon längst beschlossene Sache, was die Menschen damals wiederum überhaupt nicht gut fanden.

Im SZ/BZ-Bürgerbarometer spiegelt sich das wider: Nicht einmal zwei von zehn Befragten standen hinter dem ursprünglichen Plan, das Stadion an der Rosenstraße abzureißen, den Sport auf die Zentren im Allmend und am Glaspalast zu verteilen und das Floschenareal neu zu bebauen. Weiteren 18 Prozent war das egal, aber 64 Prozent unterschrieben ein Bekenntnis zu ihrer altehrwürdigen Sportarena.

Am Ende war es eine klare Sache: Bei nur neun Gegenstimmen beschloss der Gemeinderat die Sanierung des Floschenstadions. CDU, Freie Wähler, SPD und Linke gaben mit großer Mehrheit beziehungsweise einstimmig ihren Segen. Die Grünen blieben beim Standpunkt, dass man auf dem Floschenareal lieber maßvoll Wohnungen bauen und dazwischen einen Park mit freigelegter Schwippe anlegen sollte.

Zur Vorgeschichte: 1951 stampfen US-Streitkräfte ein Spielfeld auf den sumpfigen Boden. Nach wenigen Wochen gibt es erste Trainingseinheiten. Am 8. Mai 1954 gelingt den VfL-Kickern bei der Einweihung ein 3:2-Sieg gegen die Reserve des 1. FC Nürnberg. Ende der 90er Jahre bringt der damalige Abteilungsleiter der VfL-Fußballer, Ewald Höhn, die Idee vom neuen Stadion ins Spiel, das man mit dem Grundstücksverkauf auf dem Floschenareal finanzieren könne. Doch eine Grünzone und ein Gaslager der Stadtwerke werfen den Standort auf dem Acker an der Konrad-Adenauer-Straße aus dem Rennen.

Im Oktober 2008 fällt der Grundsatzbeschluss, das Floschenstadion abzureißen. Der Sport soll sich künftig rund um die beiden Zentren am Glaspalast und ums Allmendstadion verteilen. Als die Kosten davongaloppieren, zieht die Verwaltung im November 2014 die Reißleine. Im März 2015 entscheidet sich der Gemeinderat für ein Gutachten. Fortan arbeitet die Sport Concept GmbH. Im April 2016 liegt das Papier auf dem Tisch mit der Empfehlung, das Floschenstadion zu sanieren und das Hauptgebäude neu zu erstellen.

Das Floschenstadion bekommt somit einen neuen Rasen und eine neue Laufbahn. Das Hauptgebäude mit Umkleide, Kegelbahn, Hausmeisterwohnung, Kraftraum und ehemaliger Stadiongaststätte wird abgerissen und in abgespeckter Form wieder hingestellt. Die Tribüne wird hergerichtet. Hinter dem Marathontor gehen die Arbeiten weiter. Aus dem Hartplatz an der Rosenstraße wird ein Kunstrasen, daneben gibt es weitere Trainingsmöglichkeiten für Leichtathleten. Am Glaspalast und am Allmendstadion entstehen kleinere Funktionsgebäude. Außerdem macht das Maichinger Funktionsgebäude Platz für Neues. Und zwischen Allmend-Tribüne und Gymnasium Unterrieden baut die Stadt einen weiteren Kunstrasen. Insgesamt soll diese Variante nach Berechnungen der Sport Concept GmbH 15,8 Millionen Euro kosten.

Das Bürgerbarometer spricht damit die Sprache der Hauptakteure, die gegenüber der SZ/BZ als Einheit Stellung bezogen. Gerd Klauß bezeichnete als Abteilungsleiter der Maichinger Fußballer die Entscheidung der Stadträte als „Königslösung“, sein VfL-Pendant Ralf Brenner meinte: „Das war immer mein Wunsch.“ Heike Hofmann von den Sindelfinger Fußballerinnen gab zu, „dass ich nicht mehr daran geglaubt hatte“. Ulrich Weber von der Bürgerinitiative Floschenareal verriet, „wir sind super glücklich“ und versprach „wir werden den Umbau begleiten“, genau, wie es Markus Graßmann als Chef der VfL-Leichtathleten tut. Dieser sagte aber auch: „Ein Beschluss ist noch kein Spatenstich.“

Info

In der nächsten Folge geht es am 17. November um die Zukunft des Sindelfinger Badezentrums.

 

 


Von unserem Redakteur Jürgen Wegner