Pralle Musikgeschichtentüte
16.02.2012 - Von unserem Mitarbeiter Bernd HeidenDabei offenbart Bunk, der nach Zusammenarbeit mit etlichen Szenestars bei den Insidern längst über den Geheimtippstatus hinausgewachsen ist, im Böblinger AWO-Haus über die reine Gitarrenkunst ein weiteres Talent, das allerdings auch unabdingbar ist, will Mann oder Frau im solistisch auf Stahlsaiteninstrumenten gepflegten Akustik-Gitarremetier bestehen: das Geschichtenerzählen. Für das steht indes längst wie beim englischen „Singer-Songwriter“ statt dem deutschen „Liedermacher“ auch eine international parkettfähige Berufsbezeichnung parat, „Storyteller“.
Gefühlt gibt es bei Bunk (Bild: z) auch einen deutlichen Story-Überhang im Konzert mit vielleicht 25 Prozent Musik und dem großen Geschichtenrest. Die schweifen durch Bunks eigenes, dank etlicher abgeleisteter Reisekilometer mit bizarren Anekdoten angereichertes Leben. Als da wäre ein grauer Schwan auf der deutschen Autobahn. Oder der Friseur in San Francisco, bei dem sich der Dresdner zwecks Werbe-Fotoaufnahmen den Bart stutzen lässt und der sich später erschießt.
Oder der schweren Erkrankung eines Freundes, dem friedlichen Tod seines Gitarrenbauers beim Kirschenpflücken oder meditativen Momenten im kalifornischen Baumpark. Oder schlicht kaum bekannte Histörchen aus der Musikhistorie wie den Klassik-Instrumentalisten, die die Beatles für die Studioaufnahmen von „Hey Jude“ verpflichteten und gegen Zusatzhonorar gleich noch als Backgroundchor einsetzten, wogegen sich nur einer sperrte, der Gewerkschaftsmitglied war.
So bunt Bunks Storys sind, so vielseitig ist seine Musik. Er serviert mit hartem Anschlag auf metallischen Funk getrimmte Stücke für und im Stil eines Don Ross, zimmert zwischendurch im besten Heavy-Metal-Stil, gibt sich zum Auftakt mit einem simpel-frugalen Sting-Stück dagegen wie der naive Wandervogelklampfer, zeigt später aber auch spieltechnisch sehr Anspruchsvolles, bei dem er selbst mächtig zu kämpfen hat. Seine Klasse als Arrangeur verdeutlicht mit am besten seine „Hey Jude“-Bearbeitung. Die bildet den Mordsaufwand, den die Pilzköpfe bei der Aufnahme einst betrieben, frappierend ab. Vor allem aber lässt sich dieser mittlerweile in allen erdenklichen Kitschsümpfen versackte Klassiker so von allem Schleim befreit nochmals unverbraucht hören.
Dass Bunk zudem sich als fröhlicher Undogmatiker gibt, der mit Hall- und Echoeffekten – für Spezialisten: Delay – den geheiligten Akustikton elektrisch mitunter verfremdet, macht ihn stilistisch allerdings noch weniger greifbar. Wie auch ein nach einminütiger, schweigender Versenkung mit schalkhaftem Augenaufschlag beendetes Meditationsstück alle Spekulationen beendet, er würde sich der New Age-Gemeinde andienen. So mag der Gitarrist und Story-Teller im Osten verwurzelt sein, seine Musik zieht ihren Nährstoff aus allerlei Folk- und Pop-Spielarten, die heuer international beheimatet sind.




