Auf der 81er Maico zählt der Fahrer
22.02.2012 - Von unserem Mitarbeiter Thomas OberdorferDie Brüder Alfons und Wolfgang Schrade aus Altdorf, beide starten für den KFV Kalteneck, gehören zu den besten Fahrern im Classic Motocross Cup. Wolfgang Schrade belegte im vergangenen Jahr den zweiten Patz der deutschen Meisterschaft, Alfons Schrade gewann in der Altersklasse Ü50 den Titel. Dass Alfons Schrade wieder auf der Maschine sitzt, ist nicht selbstverständlich. Bei einem schweren Sturz 2001 brach er sich einen Wirbel.
Alfons Schrade erinnert sich noch genau an seinen Sturz im Jahr 2001. „Ich bin bei einem langen Sprung nicht vom Gashebel weggekommen, 30 Meter durch die Luft geflogen und brutal auf den Boden aufgeschlagen“, sagt der 55-Jährige, der sich bei dem Unfall den siebten Brustwirbel gebrochen hatte, „Ich habe Glück gehabt, dass ich nicht gelähmt bin“, sagt Schrade. Zehn Jahre lang pausierte er danach. Er habe sich selber gefragt, ob er wieder fahren werde. „Ich konnte damals keine Antwort geben“, sagt der Groß- und Außenhandelskaufmann.
Die richtige Antwort
Im vergangenen Jahr hat er die Antwort gegeben: Er setzte sich wieder auf seine Maico. Zuvor aber absolvierte er ein Konditionstraining, um die nötige Fitness zu erlangen. „Ich war im Wald laufen, bin Fahrrad gefahren und habe Krafttraining gemacht“, erzählt Alfons Schrade. Anfangs habe er auf der Maschine etwas Probleme mit dem Timing gehabt, Probleme damit, die richtigen Bremspunkte zu finden und zu erkennen, wann er „das Gas stehen lassen muss“. Sehr schnell aber fand er sich wieder zurecht auf seinem Motorrad, auf den verschiedenen Strecken – und war schnell unterwegs, sehr schnell: Er gewann im vergangenen Jahr die Deutsche Meisterschaft im Classic Motocross Cup in der Altersklasse Ü50.
Beinahe hätten er und sein Bruder Wolfgang gemeinsam einen Titel feiern können. Am Ende fehlten dem 41 Jahre alten Wolfgang Schrade ein paar Punkte zu Platz eins, er wurde Deutscher Vizemeister im Classic Motocross Cup. Für ihre Erfolge wurden beide von der Gemeinde Altdorf geehrt.
Alfons Schrade begann 1975 mit 18 Jahren seine Karriere im Motocross. Damals war ein früherer Einstieg nicht möglich, die Fahrer benötigten einen Führerschein. Von Anfang an fuhr er immer wieder aufs Treppchen, bei nationalen Rennen wie auch bei Läufen mit internationalem Starterfeld. Sein größter Erfolg war die Twinshock-Weltmeisterschaft in der Altersklasse Ü 40.
Bei Wolfgang Schrade war das anders. Er saß mit zwölf Jahren auf einer 80 Kubikzentimeter starken Kawasaki und belegte bei der deutschen Jugendmeisterschaft Platz fünf. „Ich war als Bub immer bei den Rennen von meinem Bruder dabei“, sagt Wolfgang Schrade, der anschließend in zahlreichen Wettbewerben an den Start ging, der auch an WM-Läufen teilnahm. Im Jahr 2002 belegte er bei der Twinshock-Weltmeisterschaft in England den dritten Platz. Beides war und ist Alfons und Wolfgang Schrade gemeinsam: Sie waren immer als Privatfahrer unterwegs, und sie gehörten stets zu den besten Fahrern, die nicht von einem Werk unterstützt wurden.
Die Altdorfer Schrade-Brüder bestreiten ihre Rennen auf Maschinen der Marke Maico Baujahr 1981. Diese Maschinen haben noch Trommelbremsen, zwei Stoßdämpfer – daher der Begriff Twinshock – sowie Luft- statt Wasserkühlung. „Körperlich muss man auf diesen Maschinen viel mehr arbeiten“, sagt Wolfgang Schrade, der eine Firma für Fahrzeugpflege betreibt und von Beruf KFZ-Mechaniker und Karosseriebauer ist. „Grundvoraussetzung, um auf diesen Motorrädern schnell zu sein, ist eine gute Fitness“, ergänzt Alfons Schrade. Das Schöne bei den Twinshock-Wettbewerben sei, dass alle Fahrer mit einem ähnlichen Material an den Start gehen. Wolfgang Schrade: „Nur aufgrund des Materials hat kein Fahrer einen entscheidenden Vorteil. Wirklich entscheidend ist das fahrerische Können.“
Alfons und Wolfgang Schrade fahren stets gemeinsam zu den Rennen. Geben sich vor Ort Tipps, wenn sich neue Fahrrillen im Boden abzeichnen oder bezüglich der Fahrwerksabstimmung, sie sagen aber auch: „Am Startgatter ist jeder auf sich alleine gestellt. Wir diskutieren natürlich über die Rennen, aber nicht von morgens bis abends. Es gibt auch viele andere Themen, über die wir uns unterhalten“, sagt Alfons Schrade, der seinen Sturz immer noch „irgendwo im Nacken hat. Wenn man mit der Sorge fährt, dass hoffentlich nichts passiert, muss man es bleiben lassen. Ich fahre mit Respekt Motorrad.“ Wolfgang Schrade hat den Unfall seines Bruders erlebt, er sagt: „Ich fokussiere mich ganz auf ein Rennen, dem gehört meine gesamte Konzentration.“
Altdorf Bürgermeister Erwin Heller ehrt Alfons (links) und Wolfgang Schrade (rechts) für ihre Erfolge. Bild: Photo 5




