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Das BVB-Modell im VfL-Gewand

19.09.2011 -

Von unserem Redakteur Jürgen Wegner

Dieses war der sechste Streich: Der VfL Sindelfingen hat in der Fußball-Landesliga bisher immer nur gewonnen. Dieses Mal gab es für die blau-weiße Rasselbande ein überzeugendes 3:0 beim VfL Pfullingen. VfL-Trainer Thomas Dietsche spricht trotzdem gebetsmühlenartig von „Platz fünf aufwärts“ und scheut das Wörtchen Meisterschaft. Das erinnert alles schwer an Dortmunds Husarenritt durch die Bundesliga letztes Jahr.

Parallelen zu den Schwarz-Gelben der vergangenen Saison gibt es auch sonst noch jede Menge. Die Laufbereitschaft in der Mannschaft ist so groß wie die Lust auf das Toreschießen. Auf Fehler folgen schnelle Ballgewinne. Die Räume sind für den Gegner eng, der deshalb kaum zum Luftholen kommt. Und wenn sich doch Lücken auftun, räumt der Kindergarten in der Abwehr so gut wie alles ab. Auch dieses Mal, wo der 21-jährige Daniel Zöller Pfullingens Sturmtank Moritz Krasser den Schneid abkaufte. Den Rest in der Innenverteidigung erledigten bis zu seiner Auswechslung der 22-jährige Heiko Schmidt und danach der 19-jährige Kevin Schuster.

Noch etwas erinnert an das Dortmunder Meisterstück: Wenn der VfL auswechselt, geht die Post erst recht ab. Dieses Mal brachten Denis Gonsior, Mahmut Yorulmaz und Samet Durak frischen Wind, der vor allem den Sturm antrieb. „Eine ordentliche Vorstellung in der ersten Halbzeit, die zweite war exzellent“, analysiert Thomas Dietsche. Und weiter: „Sicher muss man das eine oder andere Tor mehr machen. Aber wichtig ist, dass wir uns zahlreiche Chancen erspielen.“ Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor.

Schwieriger Spagat

Das taktische Konzept ging in Pfullingen wieder einmal auf. Bei einer konterstarken Mannschaft, gegen die die Dietsche-Elf in schöner Regelmäßigkeit immer mal wieder eins auf die Mütze bekam, war die Devise klar: bloß nicht in Rückstand geraten und trotzdem nach vorne spielen. Ein schwieriger Spagat. 45 Minuten lang war die Defensive sehr gut organisiert. Aber nach vorne blieb Sindelfingen zu statisch sind und versuchte es zu oft mit langen Bällen.

Chancen gab es auf beiden Seiten. Mathias Zubers Schuss wurde zum Rohrkrepierer, sein zweiter Versuch pfiff am Tor vorbei. In der 38.Minute dann die erste dicke Möglichkeit für Pfullingen, als Torhüter David Kocyba einen Freistoß nach vorne abklatschte und Heiko Schmidt gerade noch vor dem einschussbereiten Moritz Krasser klärte. Dann verzog Pfullingens Adhanom Semere aus 17 Metern knapp.

Kurz nach dem Wechsel verletzte sich Heiko Schmidt am Oberschenkel. Kevin Schuster rückte nach hinten, Denis Gonsior kam als zweite Sturmspitze. Jetzt flutschte es. Zum Türöffner wurde in der 56. Minute Samet Öztürk, der sich rechts durchsetzte und scharf zu Andreas Poser passte. Pfullingens Benjamin Link ging dazwischen und drosch den Ball ins eigene Netz. 1:0 für Sindelfingen, jetzt nahm der blau-weiße Express so richtig Fahrt auf.

Feine Aktion

Auf Markus Hirlinger im Pfullinger Kasten bekam jetzt eine Menge zu. Erst tauchte Andreas Poser alleine vor ihm auf, schloss aber zu schwach ab. Dann soll Patrick Maiers Treffer nach einem Querpass von Denis Gonsior abseits gewesen sein. Schließlich scheiterte Denis Gonsior mit Links an Hirrlinger. Chancen im Minutentakt, Sekunden später schlug es ein – und wie: Patrick Maier stand nach feinem Pass von Paul Lubig vor den beiden Pfullinger Innenverteidigern. Weil es so am leichtesten war, ging er einfach mittendurch und hob den Ball ins Tor.

Der Rest war ein Sindelfinger Sturmlauf mit zig Chancen, aber nur noch mit einem Treffer. In der 89. Minute flankte Patrick Maier von rechts, Andreas Poser köpfte am langen Pfosten ein. Und in der Nachspielzeit gönnte Daniel Zöller den Pfullingern nicht einmal den Ehrentreffer und blockte Moritz Krasser gerade noch ab.

Sechs Spiele, sechs Siege, das lässt sich vor den Knallerwochen gut an. Ab dem 1. Oktober geht es gegen Gärtringen, Bösingen, Rottweil, Nagold und Metzingen. Doch ganz klar, in dieser Verfassung ist dem VfL noch einiges zuzutrauen. Was sagt Thomas Dietsche dazu? „Uns ist zuzutrauen, dass wir auch das nächste Spiel in Dornstetten gewinnen können. Wir haben uns jeden Sieg hart erarbeitet und das wollen wir wieder tun.“ Keine schlechte Idee. Auch der BVB ist damit gut gefahren.

VfL Sindelfingen: Kocyba, Baur, Schmidt (53. Minute Gonsior), Zöller, Lubig, Öztürk (69. Minute Yorulmaz), Maier, Schuster, Glotzmann, Zuber (84. Minute Durak), Poser

Beim VfL läuft es wie geschmiert. Andreas Poser (rechts) machte in Pfullingen mit dem 3:0 den Deckel drauf. Bild: Photo 5/A

 



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