Nach der Pause reißt der Faden
17.10.2011 - Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer„Es ist natürlich schade, dass wir nach einer 2:0-Führung das Spiel nicht gewonnen haben. Nachdem wir aber das 2:2 kassiert haben, hatte ich sogar die Sorge, dass wir noch verlieren“, sagte Sindelfingens Trainer Thomas Dietsche.
Er habe zwei verschiedene Halbzeiten gesehen, so Dietsche. In der zweiten Halbzeit haben wir den Gegner lange Zeit ungestört machen lassen, was er wollte. Mit der ersten Halbzeit war ich sehr zufrieden, in Sachen Ordnung und Stabilität in der Defensive war das unsere beste Saisonleistung.“
Schrecksekunde zu Beginn
Eine Ausnahme von dieser Aussage ließ Dietsche allerdings gelten: Bereits in der zweiten Minute tankte sich Stefan Schanz auf dem rechten Flügel durch, flankte über VfL-Keeper David Kocyba hinweg auf Valerij Bogdanov, der den Ball aber am kurzen Pfosten neben das Tor setzte.
Anschließend hatten weder die Rottweiler noch die Sindelfinger wirklich nennenswerte Torchancen. Dem VfL gelang es, die Rottweiler zumeist im Mittelfeld zu stellen oder sie zu langen Bällen zu zwingen. Aber auch dem VfL unterliefen viele Fehler im Spielaufbau. „Wir haben zunächst nicht gut nach vorne gespielt. Wir wurden aber von Minute zu Minute besser“, sagte Dietsche. Tatsächlich erspielte sich der VfL Schritt für Schritt ein Übergewicht und in der 29. Minute ging Sindelfingen mit 1:0 in Führung. Nach einer kurzen Ecke flankte der genesene Paul Lubig den Ball halbhoch und mit viel Tempo in den Rottweiler Strafraum. Gekonnt lenkte VfL-Torjäger Andreas Poser den Ball mit der Hacke ins Netz, es war sein elfter Treffer in der laufenden Runde. Nur zwei Minuten später erhöhte Oliver Glotzmann mit einem Flachschuss ins lange Eck auf 2:0, erneut leistete Lubig die Vorarbeit. „Paul hat ein gutes Spiel gemacht. Zum Schluss hat man allerdings gemerkt, dass ihm noch die Kraft fehlt“, sagte Dietsche.
Mit diesen zwei Toren Vorsprung ging der VfL in die Pause. Allerdings wirkten einige Sindelfinger Akteure schon in den letzten Minuten der ersten Hälfte angesichts der Führung nicht mehr voll konzentriert.
Zu Beginn der zweiten Hälfte schlich sich der Schlendrian dann so richtig ein in Sindelfingens Spiel. Die Mannschaft nahm die Zweikämpfe nicht mehr an, Rottweil – Sindelfingens Gegner gab sich niemals geschlagen – gewann die Oberhand, und in der 55. Minute traf Yannick Scheidel per Foulelfmeter zum 2:1. Vorausgegangen war ein Foul von Heiko Schmidt an Rottweils Sascha Mauch. So sah es zumindest Schiedsrichter Andreas Ritter aus Esslingen. Thomas Dietsche empfand die Entscheidung hingegen „als Witz. Das hat auch der Trainer der Gäste gesagt, der Stürmer kam zum Abschluss, das war gar nichts.“
Nach diesem Treffer herrschte beim VfL Unordnung, das Team kam mit diesem Rückschlag nicht zurecht. „Man hat in dieser Phase gemerkt, dass wir noch nicht so stabil sind und eine junge Mannschaft haben. Solche Spiele gehören zur Entwicklung eines Teams dazu“, sagte Dietsche, dessen Team in der 65. Minute den Ausgleich kassierte.
Die Sindelfinger Defensive wehrte einen Ball nur unzulänglich ab, Eric-Julian Heß spielte sich an Soner Özay und Schmidt vorbei und traf aus 16 Metern flach ins lange Eck – Kocyba hatte gegen den genauen Schuss keine Abwehrmöglichkeit. Dietsche: „Wir hatten von der 35. bis zur 75. Minute eine schwache Phase, Rottweil hat das ausgenutzt.“
Etwas mehr Ordnung kam ins Sindelfinger Spiel erst wieder durch die Einwechslung von Daniel Kniesel, der am Samstag nach seiner Knieoperation ab der 70. Minute erstmals wieder mitspielte. „Ich hätte auf seinen Einsatz verzichtet, wenn das Spiel klar gewesen wäre. Es war aber eng, und deswegen habe ich ihn gebracht“, sagte Dietsche, „vielleicht war es sogar etwas zu spät, als ich ihn gebracht habe.“
Glanztat von Kocyba
In der 75. Minute schlug Rottweils Torwart Sebastian Kellner einen Abschlag weit auf Schanz, der direkt nach dem Aufticken des Balles abzog und Kocyba zu einer hervorragenden Reaktion zwang. In der 77. Minute hätte Kniesel sein Comeback mit einem Treffer krönen können. Nach einem Querpass von Mahmut Yorulmaz schob er den Ball aber aus 14 Metern direkt in die Arme von Kellner.
„Das 2:2 nehmen wir mit. Entscheidend ist, dass wir aus den Fehlern lernen“, sagte Thomas Dietsche nach dem Abpfiff im Floschenstadion.
VfL Sindelfingen: Kocyba, Gans, Schmidt, Özay (83. Minute Bayrak), Gonsior, Poser, Lubig, Zöller, Glotzmann, Öztürk (72. Minute Yorulmaz), Schuster (70. Minute Kniesel)
Paul Lubig (rechts) feierte ein starkes Comeback und bereitete gegen den FV Rottweil zwei Treffer vor. Bild: Photo 5




