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Der Absturz nach dem Höhenflug

13.05.2011 -

Von unserem Mitarbeiter Philipp Gerber

Es ist ein schöner Frühjahrsmorgen. Sonnig und warm. Philipp Pflieger sitzt im Garten seiner Eltern im Sindelfinger Hinterweil und trinkt Kaffee. Oft hat er noch nicht hier gesessen. Erst an Weihnachten sind Roland und Brigitte Pflieger mit Bruder Roman von Ehningen nach Sindelfingen gezogen, Philipp Pfliegers Geburtsstadt. Kaum zwei Steinwürfe sind es bis rüber zum Glaspalast, wo der Leichtathlet etliche Kilometer auf seinem Weg in die deutsche Langstrecken-Spitze gebolzt hat.

Direkt hinter dem neuen Elternhaus verläuft die Trainingsstrecke der VfL-Sportler ins Eichholzer Täle. Für Pflieger sind das Erinnerungen, Vergangenheit eben. Er hat sich aufgemacht zu neuen Ufern – von der Schwippe zur Donau. Seit 2007 wohnt und studiert der 23-Jährige in Regensburg. Nach zehn Jahren im Trikot des VfL Sindelfingen war Pflieger ausgezogen, um bei einem neuen Verein den endgültigen Durchbruch zu schaffen. Als großen Schritt auf die Straße der Sieger. Auf die ist er spätestens mit seinem Titel über 5000 Meter bei den deutschen Juniorenmeisterschaften vor zwei Jahren eingebogen.

Nach diversen gesundheitlichen Beschwerden im Wachstum und Verletzungssorgen schien der Körper endlich mitzuspielen bei den Karrieresprüngen. „Leider wurde ich aber schon damals von Knieproblemen eingeholt“, erzählt Philipp Pflieger. Nach einer Zwangspause im Winter sollte 2010 alles noch besser werden. Und wie das klappte! Es sollte das bisher erfolgreichste Jahr für eine der deutschen Nachwuchshoffnungen werden.

Bronzemedaille über 5000 Meter

Zunächst waren da der nationale Titel mit der Regensburger Staffel über 3x1000 Meter und sein dritter Rang über 5000 Meter bei den Deutschen Meisterschaften. „Das gab mir die nötige Bestätigung“, ist das langjährige deutsche Crosslauf-Ass sicher. Eine Medaille im Männerbereich, das ist noch mal ganz was anderes als bei den Junioren. Das sei „schon geil“ gewesen, unter dem Strich aber mehr „eine Bestätigung, ein Zwischenschritt“.

Es folgten fabulöse Bestzeiten, mit denen Pflieger sich an die erste Liga in Europa heran katapultierte: Als Jahresbester über 3000 Meter führte er 2010 mit 7:55 Minuten die deutsche Rangliste an, war mit 13:46 Minuten zweitbester 5000 Meter-Läufer. Gleichzeitig blieb er über 800 Meter unter 1:51 Minuten und bolzte 10 000 Meter auf der Bahn in 29:13 Minuten. „Da war ich gefühlsmäßig nach der Hälfte der Strecke tot“, erinnert sich der Sindelfinger, der sich selbst noch nicht in der obersten Etage angekommen sieht.

Doch Lohn für die harte Arbeit und die schnellen Zeiten waren Starts bei großen Veranstaltungen mit tausenden an Zuschauern und als Krönung ein Platz im Feld beim ISTAF in Berlin. Einem der Meetings überhaupt. „Das hat mich für die Zukunft motiviert“, sagt Philipp Pflieger trotz des vorletzten Platzes im internationalen Vergleich: „Ich wollte einfach nur nicht ganz zum Schluss ankommen.“

Doch es lief nicht alles rund 2010, an der Kehrseite der Saison knabbert Pflieger noch heute. Zum einen verpasste er bei den Deutschen Meisterschaften mit Bronze noch höher gesteckte Ziele: „Da war ich nicht frisch genug.“ Wahrscheinlich resultierte das aus der Flut an Starts, die der 23-Jährige abgespult hatte: „Ich kann einfach nicht mehr überall mitlaufen.“

Zum anderen hatte er zu wenig auf seinen Körper gehört. Und der beschwerte sich massiv. Zuerst einfach nur mit Schmerzen, doch die wurden beiseitegewischt. Dann allerdings war der Entzündungsherd da – und zwar chronisch. Philipp Pflieger entschied sich gegen eine konservative Behandlung und für einen Eingriff, bei dem im September entzündetes Gewebe an der Patellasehne im Knie entfernt wurde. Was danach kam, bezeichnet Pflieger heute nur noch als „frustrierend“.

Mittelfußbruch in Spanien

Nie hätte er gedacht, dass der Weg zurück so elendig lang sein könnte: „Unfassbar, wie der Muskel abgebaut hat.“ Als alles wieder gut zu werden schien, knickte Pflieger dann beim Training in Spanien Anfang Januar um: „Das war dann ein Mittelfußbruch.“

Die „Schocknachricht“ überbrachte Dr. Ulrich Dobler in Holzgerlingen: „Da war der Fuß schon im Eimer.“ Es folgte die zweite Operation im Februar. Damit ist die Saison 2011 praktisch gelaufen – wobei Philipp Pflieger gerade erst wieder mit dem Laufen beginnt. Erst im Herbst wird eine Schraube im Fuß entfernt. Danach wird man sehen. Das nächste Ziel? „Die Europameisterschaft im Juni 2012.“

Mehr Informationen zu Pflieger findet man unter www.philipp-pflieger.de im Internet.

 



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