„40 Prozent – das ist bedenklich“
08.02.2010 00:00 Uhr - Von Hans-Jörg Zürn, Carmen Weiss und Hansjörg JungWolfgang Lützner ist mit seinem Ergebnis „sehr zufrieden. Für mich ist das ein klarer Vertrauensbeweis.“ Ausruhen will er sich auf seinem Vorsprung aber nicht: „Ich werde in den nächsten zwei Wochen um jede Stimme kämpfen.“ Er ist überzeugt davon, noch zulegen zu können. Und die Verlängerung stellt ihn auch nicht vor Probleme mit seinem Job als amtierender Bürgermeister von Süßen: „Jetzt gebe ich halt noch zwei weitere Wochen meines Jahresurlaubs dran. Das mache ich gerne für Böblingen.“
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„Ein bisschen mehr an Stimmen hatte ich schon erwartet, wir haben einen pfiffigen Wahlkampf gemacht“, sagte Dr. Andreas Paust, „Johannes Söhner hat doch sehr viel Stimmen gezogen. Mehr als ich erwartet habe“. Dennoch gibt der Dortmunder noch lange nicht auf, schließlich sei vor dem zweiten Wahlgang noch nichts entschieden. Zu Johannes Söhner, dem Dr. Paust zu seinem guten Ergebnis gratuliert, frotzelte er: „Wir könnten ja Job-Sharing machen – Sie ein Drittel, ich zwei.“
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Der Herrenberger Johannes Söhner hat mit 17 Prozent der Stimmen seine Wähler wohl am besten mobilisiert, denn ein so hohes Wahlergebnis hatte ihm kaum einer vorher zugetraut. „Ein geniales Ergebnis“, freute sich Johannes Söhner. Die Entscheidung, ob er in zwei Wochen noch einmal antreten wird, möchte er zunächst einmal überschlafen, „Ich definiere mich als Koordinator, nicht als Alleinentscheider“, sagte er – und will das Thema zunächst noch mit seinen Unterstützern besprechen. „Doch jetzt wird erst einmal gefeiert.“
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Mahmoud Schlather bleibt am Ende des Abends mit 179 Stimmen das Schlusslicht. Gegen 19.30 Uhr trifft er im großen Sitzungssaal des Rathauses ein, um seine Kontrahenten zu begrüßen. Zum Wahlergebnis sagt er: „Das ist Demokratie. Jeder wählt, was er will oder er wählt gar nicht. Ich sehe alles positiv.“ Ob er zur Neuwahl antritt, habe er noch nicht entschieden.
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Paul Nemeth, Landtagsabgeordneter der CDU und Stadtverbandsvorsitzender der Partei in Böblingen, freut sich ebenfalls über den Vorsprung von Wolfgang Lützner, den die Böblinger CDU zusammen mit den Freien Wählern unterstützt hat. „Die Böblinger setzen ganz offensichtlich auf Kompetenz und Erfahrung“, so Paul Nemeth. Er sieht das Wählerpotenzial noch längst nicht ausgeschöpft: „Wir können noch zulegen.“
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Darauf hofft auch der SPD-Landtagsabgeordnete Stephan Braun. Die Sozialdemokraten und die Grünen haben Dr. Paust im Wahlkampf unterstützt. „Nach diesem Ergebnis rechne ich mir sehr gute Chancen für unseren Kandidaten aus“, so Stephan Braun. Überrascht war er vom hohen Stimmanteil für Johannes Söhner: „Das hat Dr. Paust Prozente gekostet.“
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„40 Prozent Wahlbeteiligung, das ist bedenklich. Das müssen die Kandidaten schauen, dass sie ihre Wähler wenigsten im zweiten Wahlgang zur Urne bringen. Diese Chance besteht ja noch“, haderte auch OB Alexander Vogelgsang mit der schwachen Wahlbeteiligung.
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„Frustrierend“ nannte Christine Kraayvanger die Wahlbeteiligung der Böblinger von rund 40 Prozent. „Ein Oberbürgermeister ist der Kandidat, der am meisten am Umfeld der Bürger mitbestimmt“, sagt die Böblinger Baubürgermeisterin. Warum so wenige Menschen an die Urne gegangen sind, kann sie sich nicht erklären: „Die Kandidaten waren sehr präsent im Wahlkampf. Es gab keine zähe Anfangsphase.“
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Mit einem zweiten Wahlgang rechnete Erster Bürgermeister Ulrich Schwarz von Anfang an. Doch die schwache Wahlbeteiligung hatte auch er nicht erwartet: „Jeder Bürgermeister hat es verdient, dass mindestens 50 Prozent der Wahlberechtigten wählen.“
Die beiden Führenden: Dr. Andreas Paust (links) und Wolfgang Lützner. Bilder: Stampe
Wahlergebnisse
Also ich bin von den 40% negativ beeindruckt. Ich wohne erst seit 1,5 jahren in BB und fand es wichtig zur Wahl zu gehen, weil ich unabhängig von meiner Beziehung zur Stadt, meinen Lebensraum nicht in die Hände eines Fremdentschiedenen Ergebnisses legen wollte.
Das Ergebniss war jedoch fast so wie ich es eingeschätzt hatte. Das der Herr Unternehmer aus der Gastronomie nicht einmal die 2% erhalten hat, ist ja auch wohl nicht weiter verwunderlich. Es liegt wohl weniger an der Stärke der beiden Großparteikandidaten als mehr an seinem lachhaften Wahlkampf. Ich habe seinen Kampf verfolgt und frage mich immer noch, ob er Werbung für sein Lokal machen wollte oder eine Wette verloren hat. Aber de Entscheidungsmotive zu seiner Kandidatur seien mal dahingestellt...
Alles in Allem hoffe ich auf eine höhere Wahlbeteiligung am 21.2.!!!
40 % ?!
40% Wahlbeteiligung? Also hat die allgemeinen Politikverdrossenheit auch ihren Tribut bei der Bürgermeisterwahl gefordert. Wohl eher nicht, weil die Kandidaten sich "schlecht verkauft" oder unredlich scheinen, vielmehr, weil im fernen Berlin der Eindruck entsteht, dass Politiker viel versprechen und fast nichts halten und man entgegen aller Aussagen nicht Politik fürs Volk macht, sondern vielmehr der Eindruck von Machtmenschen und Marionetten entsteht deren Fäden von der Industrie, Banken und anderen Lobbyisten gezogen werden. Aber in Böblingen, ist das hier genauso? Ich glaube kaum. Auch wenn von bekannten Parteien unterstützt, denke ich, dass wir hier Personen wählen, die ihre Erfahrungen, Vorstellungen, auch Wertevorstellungen miteinbringen und nicht einfach nur Parteiprogramme umsetzen. Auch ich habe bereits nicht gewählt, nach fast 24 Jahren Wahlberechtigung, die ich bisher immer wahrgenommen habe und fast mehr als Wahlpflicht, denn Wahlrecht empfunden habe: 2009 zur Bundestagswahl habe ich quasi "verweigert"! Aber hier wird nicht über Bundespolitik entschieden, sondern darüber, wer die nächsten Jahre das "Stadtbild" Böblingen prägt und damit unseren unmittelbaren "Lebensraum". Also bin ich wählen gegangen und werde in 2 Wochen wieder meine Stimme abgeben. Berlin ist weit weg, aber in Böblingen bin ich zu Hause.


