Donnerstag 02.09.2010, 21:55 Uhr

„Der Sport spricht eine Sprache“

31.01.2009 00:00 Uhr -
Von unserem Mitarbeiter Benjamin Post

„Brücken für eine gemeinsame Zukunft“ wollen Polizeibeamte und Vertreter des Landessportverbandes (LSV) zusammen mit Muslimen bauen. Der Sport bildet dabei das Fundament für die Pfeiler. Über 350 Muslime, Polizisten und Funktionäre kamen zur Bereitschaftspolizei in die Böblinger Wildermuth-Kaserne, um sich vom Stand und Fortschritt des ehrgeizigen Projekts zu überzeugen.

„Der interkulturelle Dialog ist ein richtiger und zukunftsweisender Weg“, sagte Landespolizeipräsident Erwin Hetger bei der Veranstaltung, der auch Böblingens Oberbürgermeister Alexander Vogelgsang beiwohnte. Der Weg begann vor drei Jahren. Damals ergriff die Polizei die Initiative für einen zielgerichteten, intensiven Dialog mit Moscheenvereinen und muslimischen Kultur- und Sportvereinen.

Mittlerweile sitzen zahlreiche muslimische Organisationen, der Landessportverband sowie die Polizei in einem Boot. Es sei unvermeidbar, dass jeder seinen Beitrag zur Integration leiste, sagte Erwin Hetger und verwies darauf, dass in Baden-Württemberg gut ein Viertel der Einwohner Migranten sind, davon derzeit circa 600 000 Muslime. „Einander verstehen wollen, einander verstehen können ist entscheidend“, so der Polizeipräsident.

„Ein großer Tag für uns“

Respekt, Toleranz und Akzeptanz sind die Schlagwörter. „Bringen sie sich vor Ort ein“, richtete er sich an die Teilnehmer. Bekir Alboga, Dialogbeauftragter der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), sagte: „Es ist ein großer Tag für uns, wir sind stolz, was wir bisher erreicht haben.“ Die Ditib bildet seit Herbst 2007 junge Muslime in ihrer Freizeit zu Dialog- und Integrationsbeauftragen sowie zu Moscheeführern aus. „Ich setze meine Hoffnung auf diese junge Generation“, sagte Alboga.

Dass Sport einen Beitrag zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund leisten kann, ist ein weiterer Baustein in der Kooperation. „Sportvereine haben ein besonderes Potenzial für Integration“, hob Erwin Hetger hervor. In seinem Vortrag erklärte der LSV-Präsident Dieter Schmidt-Volkmar, dass die Angebote der Sportvereine eine für unsere Gesellschaft wichtige integrative Funktion erfüllen. Menschen mit Migrationshintergrund seien im Sport nach wie vor unterrepräsentiert, die Dialogbeauftragten sollen den Betroffenen den Zugang zum Sport erleichtern.

„In Mannschaften redet man, die Anerkennung der Leistung der Mit- und Gegenspieler ist wichtig, sowie Toleranz. Der Sport vermittelt Werte“, erklärte Schmidt-Volkmar. Nicht nur mit dem Verweis auf Regeln im Sport verdeutlichte er: „Der Sport spricht eine Sprache.“

Spannung unterm Korb

Das Programm „Integration durch Sport“ des Landessportverbandes leistet einen Beitrag zur Integration. So wurde das Projekt „Sport-Dialog-Integration“ aus Heidelberg vorgestellt. Hier werden speziell Frauen mit muslimischen Hintergrund an den Sport und seine vielfältigen Projekte herangeführt. Zudem wurde bei der Veranstaltung das Projekt „Spannung unterm Korb – Basketball gegen Gewalt“, ein Gewaltpräventions-Programm für Fünft- bis Neuntklässler in Stuttgart, bei dem die Bundesliga-Basketballer der EnBW Ludwigsburg als Vorbilder dienen, präsentiert.

„Hand in Hand – Für die Zukunft unserer Kinder“ heißt ein Projekt aus Reutlingen, bei dem die Polizei und weitere Behörden und Institutionen mit muslimischen Vereinen kooperieren. Ein Präventionsprojekt mit Migranten gibt es in Böblingen. „Mixed Reality“, so der Projektname, befasst sich mit der Gewaltprävention an Schulen, Kinder- und Jugenddelinquenz und Medienkompetenz. Beteiligt sind die Polizei, das Landratsamt, das Amt für Schule und Bildung, Filmemacher und Theaterpädagogen.

Die Polizei Baden-Württemberg, der Landessportverband Baden-Württemberg und muslimische Organisationen (Moscheenvereine und muslimische Kultur- und Sportvereine) kooperieren in Baden-Württemberg. Über 100 gemeinsame Projekte und Veranstaltungen sind begonnen worden oder haben bereits stattgefunden. „Integration durch Sport“ ist ein bundesweites Programm des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Seit 1989 besteht dieses Programm, in Baden-Württemberg wird es vom Landessportverband umgesetzt. Ziel des Programms ist die Integration von Zugewanderten und von sozial benachteiligten deutschen Kindern und Jugendlichen in die Gesellschaft und in den organisierten Sport.

Weitere Informationen gibt es unter www.lsvbw.de und www.integration-durch-sport.de, zu den Kooperationspartnern unter www.polizei-bw.de und www.ditib.de im Internet.

Der aus der Türkei stammende Yalcin Sahin, Fußballer des VfL Sindelfingen, und sein ehemaliger Trainer Willi Zimmermann bei der etwas anderen Art des interkulturellen Dialogs. Bild: Eibner/A

Polizei-Inspektor Dieter Schneider, LSV-Präsident Dieter Schmidt-Volkmar, Bekir Alboga (Türkisch-Islamische Union) und Polizeipräsident Erwin Hetger (von links). Bild: Post