Donnerstag 02.09.2010, 21:41 Uhr

„Der Stadt ein Gesicht geben“

29.07.2010 00:00 Uhr -
Von unserem Redakteur Tim Schweiker

Der Calwer Bogen ist der größte Verkehrsknoten in Sindelfingen. Doch der Calwer Bogen ist noch mehr als ein großer Dreiviertel-Kreisverkehr. Jetzt, wo das Gras sprießt und die Bäume angewachsen sind, wird das neue Gesicht des westlichen Stadteingangs erkennbar.

Die SZ/BZ hat mit Thomas Speer, dem Leiter des Regiebetriebs Stadtgrün im Sindelfinger Rathaus, über die Gestaltung des Calwer Bogens und der anderen neuen Kreisverkehre in der Stadt gesprochen.

Welche Bedeutung hat der Calwer Bogen für Sindelfingen aus Sicht des Grünplaners?

Thomas Speer: „Der Calwer Bogen ist der Endpunkt der westlichen Grünverbindung zur freien Landschaft eines Grünzugs, den die Daimler AG als Ausgleichsfläche für die Erweiterung des Werksgeländes und die Verlegung der Calwer Straße angelegt hat. Er ist sicher ein besonders auffälliger, markanter Stadteingang, der stellvertretend dafür steht, was wir wollen: Orientierung zu schaffen in einem weitgehend normierten Stadtraum.“

Wodurch wird diese Orientierung geschaffen?

Thomas Speer: Der Calwer Bogen setzt am westlichen, neu geschaffenen Stadteingang einen wichtigen Akzent. Er betont den Übergang von der freien Landschaft über das Vorstadtgrün des Mittelpfades mit seinen Obstwiesen und Kleingärten zum architektonisch gestalteten Stadtgrün. Er bildet sozusagen den Fingernagel des Landschaftsfingers am Übergang in den bebauten Stadtraum.“

Der Fingernagel im Landschaftsfinger

Wenn man von Darmsheim auf den Calwer Knoten zufährt, fallen die drei großen Hügel am Straßenrand auf.

Thomas Speer: „Diese Hügel, jeder rund 80 Meter lang, schaffen ganz besondere Blickfänge. Auf jedem dieser künstlich angelegten Hügel wachsen Wildkirschen -- eine Reminiszenz an den alten Obstbaumbestand am Mittelpfad. Die Wildkirschen werden nicht nur noch deutlich wachsen, sondern mehrmals im Jahr unterschiedliche Eindrücke vermitteln: im Frühjahr durch die weißen Blüten, im Herbst mit dem orangenen Laub und zum Winter hin mit den kirschfarbenen Stämmen.“

Wer über den Mittelpfadweg auf den Calwer Bogen kommt, trifft dort außerdem ein paar alte Bekannte ...

Thomas Speer: „Ja, etwa 20 Eichen und Linden, die wir zur Gartenschau 1990 entlang der alten Calwer Straße gepflanzt haben, haben am Mittelpfadweg einen neuen Standort bekommen. Sie begleiten diese alte Wegeverbindung in die Stadt oder aus der Stadt, grenzen die Ausgleichsflächen der Daimler AG von den Kleingartenflächen ab und verdichten den Übergang von der Stadt in die freie Landschaft.“

Auf dem Calwer Bogen selbst ist eine Art Rondell aus Hainbuchen entstanden. Aus einem bestimmten Grund?

Thomas Speer: „Auch dabei ging es uns darum, architektonisches Grün an der Nahtstelle zur Bebauung zu wählen, um am Übergang aus der Landschaft in den Stadtraum ein Zeichen zu setzen. Pappeln wären uns hier schlicht zu hoch gewachsen. Die Hainbuchen werden streng beschnitten und sollen nicht höher als zehn bis zwölf Meter werden. Als Sockel sind immergrüne Eiben gepflanzt worden, vor den Eiben bodendeckende Rosen und auf dem Platz selbst ist ein Schotterrasen angelegt worden, der jetzt langsam wächst.“

Ist der Calwer Bogen ein rein gestalterisches Element, oder können Sie sich auch andere Nutzungen vorstellen?

Thomas Speer: „Mit Strom, Wasser und Abwasser wäre die Logistik für Veranstaltungen durchaus gegeben. Natürlich ist mir klar, dass der Platz zeitweise vom Verkehrslärm beeinträchtigt wird. Aber an Wochenenden wäre da sicher etwas möglich.“

Der Calwer Bogen soll den westlichen Stadteingang markieren. Haben die anderen Kreisverkehre in der Stadt ähnliche Aufgaben?

Thomas Speer: „Ja, wir wollen mit unserer Grünplanung und auch mit der Gestaltung der Kreisverkehre der Stadt ein Gesicht geben. Ob an der Darmsheimer Straße mit dem Kunstwerk von Karl Heger, an der Talstraße mit den Himalaya-Birken oder an der Pfarrwiesenallee mit den Granitsteinen: Jeder Kreisverkehr in dieser Linie hat seinen eigenen Charakter. Das ist nicht nur ansprechend, sondern gibt den Verkehrsteilnehmern auch Orientierung.“

Jeder Kreisverkehr hat seinen eigenen Charakter

Ist dieser Anspruch auch in Zeiten leerer städtischer Kassen vertretbar?

Thomas Speer: „Ein Beispiel: Der neue Kreisverkehr an der Kreuzung Allmendstraße/Konrad-Adenauer-Straße/Pfarrwiesenallee ist mit Granitsteinen belegt, die als ehemalige Randsteine bereits im Besitz der Stadt waren und nicht mehr gebraucht werden. Und in der Mitte wurde pflegeleichtes Schilf gepflanzt. Der Kreisverkehr kostet im Unterhalt rund 600 Euro im Jahr. Mit anderen Worten: Eine vernünftige Grünplanung gibt es zwar nicht zum Nulltarif, aber wir achten darauf, dass der Aufwand vertretbar ist. Dabei geht es eben nicht nur um die Herstellungskosten, sondern auch um einen vertretbaren Aufwand bei der Pflege. Sindelfingen liegt, was die Kosten der Kreisverkehre betrifft, in der Region im Mittelfeld oder darunter.“

Der Calwer Bogen markiert den Übergang aus der freien Landschaft in den bebauten Stadtraum, sagt Thomas Speer, Leiter des Regiebetriebs Stadtgrün. Bild: Stampe