Donnerstag 02.09.2010, 21:40 Uhr

„Ich sagte trotz großer Ängste zu“

15.12.2009 00:00 Uhr -
Von unserer Mitarbeiterin Simone Denu

Rund 30 Kilometer von Chemnitz, etwa 15 Kilometer von Zwickau entfernt, liegt die Große Kreisstadt Glauchau mit ihren über 25 000 Einwohnern. Von Mai 1990 bis September 1994 war Karl-Otto Stetter (Bild: z) hier Bürgermeister, bis Juli 2008 Oberbürgermeister.

Nach Glauchau kam Karl-Otto Stetter über Umwege: Von 1988 bis 1990 wohnte er mit seiner Familie in Jettingen. Auch im Kreis Böblingen engagierte er sich politisch als Kreisgeschäftsführer der CDU und Wahlkreismitarbeiter des früheren Bundestagsabgeordneten Peter Petersen. Bis zu seiner Tätigkeit bei der CDU war Karl-Otto Stetter hauptamtlicher Ortsvorsteher bei der Stadt Waldkirch im Ortsteil Buchholz.

Ab Dezember 1989 weilte er immer wieder längere Zeit in Karl-Marx-Stadt – dem heutigen Chemnitz: Er war beim dortigen CDU-Bezirksverband als Instruktor tätig, baute verschiedene Kreisverbände auf und schulte Kommunalwahlkandidaten. Seine damalige Frau und seine Kinder kamen im Oktober 1990 nach Glauchau nach.

Schwerer Start in der neuen Heimat

„Zur Kommunalwahl 1990 in der DDR hatte die CDU in Glauchau zunächst keinen Bürgermeisterkandidaten. Sie fragten mich, ob ich mir das vorstellen könne“, sagt Karl-Otto Stetter, heute Pensionär. „Ich hatte Bedenken, weil ich Angst vor den deutsch-deutschen Vorurteilen hatte.“ Falls „alle Stricke reißen“ würden, werde er für das Amt kandidieren, antwortete er damals.

Kurz vor der Wahl musste der Jettinger sein Versprechen einlösen: „Ich sagte trotz großer Ängste zu, da ich den Ressentiments gegen Menschen aus den alten Bundesländern keinen Vorschub leisten wollte.“ Nach einer kurzen Zeit hätten er und seine damalige Frau ihre Bedenken hinten angestellt und zugestimmt. „Danach schaute ich mich in Glauchau um, auch im Rathaus. Hier sah man einen Amtswechsel sehr kritisch“, erinnert sich Karl-Otto Stetter.

Erst der dritte Wahlgang machte den heute 54-Jährigen zum Schultes. Damals sei die Kommunalverfassung der DDR zum Zuge gekommen. Diese besagt: Nur ein Bürgermeister aus der Mitte der Stadtverordnetenversammlung kann gewählt werden. Wenn es nach zwei Wahlgängen kein Ergebnis gibt, kommen andere Bürger zum Zug. „So wurde ich mit einer Stimme Mehrheit zum Bürgermeister der Stadt Glauchau gewählt.“

Die Aufgabe habe ihn dann „insoweit doch gereizt, weil viel Potenzial in dieser Stadt lag und liegt“. Karl-Otto Stetter spürte damals eine „sehr große Zurückhaltung“ ihm gegenüber.

Der SED-Bürgermeister kehrt zurück

„Meine damalige Frau musste sehr unter dieser Situation leiden“, sagt er. „Sie wurde in den Läden von einheimischen Frauen gefragt, ob sie schon was anderes im Leben getan habe, außer Kinder zur Welt zu bringen. Wir sollten wieder dorthin gehen, wo wir hergekommen seien. Sie würde die Struktur der Ostfrauen nur durcheinanderbringen.“ Dennoch hätten sich auch Freundschaften entwickelt, die bis heute halten.

Stetter stand 18 Jahre an der Verwaltungsspitze in Glauchau. In dieser Zeit gab es viel zu tun: „Im Gegensatz zu den alten Bundesländern musste man hier erst eine Struktur aufbauen, die es im Süden seit Jahrzehnten gab.“

Bei der Kommunalwahl am 8. Juni 2008 war Karl-Otto Stetters Zeit als Oberbürgermeister in Glauchau zu Ende. Sein Vorgänger, der ehemalige SED-Bürgermeister wurde wieder zum OB gewählt. Doch der ehemalige Jettinger ist in Glauchau geblieben: „Heute wohne ich mit meiner jetzigen Frau im Stadtteil Niederlungwitz.“

Kommunalpolitisch ist Stetter seit August 2008 Mitglied bei den Freien Wählern in Glauchau und dort Fraktionsgeschäftsführer der Stadtratsfraktion sowie stellvertretender Vorsitzender der Freien Wählergemeinschaft Glauchau. Als Freier Wähler ist Karl-Otto Stetter in der Kreistagsfraktion des Kreises Zwickau vertreten. Auf Landesebene betätigt er sich ehrenamtlich in der Landesgeschäftsstelle bei den „Freien Sachsen – Allianz unabhängiger Wähler.“

18 Jahre lang war Karl-Otto Stetter Oberbürgermeister in Glauchau. Auf dem Bild ist der Marktplatz mit dem historischen Rathausturm (rechts) und dem Ratshof zu sehen. Bild: z



Leser-Kommentar (1)
Thomas Schreiter | 1. Kommentar (schrieb am 04.01.2010 09:52)

Affront gegen Glauchauer Bürger

Auf meinem Kommunalpolitik-blog:
www.4321start.de/blog/kommunalpolitik/affront-gegen-glauchauer-buerger
habe ich heute einige erläuternde Sätze zu Ihrem Artikel verfasst.