Donnerstag 02.09.2010, 21:38 Uhr

Der Libero spielt eine entscheidende Rolle

23.02.2009 00:00 Uhr -
Von unserem Redakteur Tim Schweiker

Als Thomas Grünwald 1992 als erster Schulsozialarbeiter in Sindelfingen begann, rümpften viele noch die Nase. 16 Jahre später gilt die Schulsozialarbeit nicht nur an der Hauptschule am Klostergarten als Qualitätsmerkmal.

Lehrer, die neben ihrer eigentlichen Aufgabe der Wissensvermittlung immer mehr Sozialarbeit leisten mussten. Konflikte, die längst vom Schulhof in die Klassenzimmer eingezogen waren. Als Anfang der 90er-Jahre solche Szenarien immer öfter nicht nur Realität wurden, sondern auch offen debattiert wurden, begann die Idee der Schulsozialarbeit auch in Sindelfingen Fuß zu fassen. Der Grundgedanke: Mitarbeiter an die Schulen zu holen, die sich frei von Zwängen des Lehrplans ausschließlich um die Schwierigkeiten der Schüler kümmern.

Kein Feuerwehrmann

„Ich vergleiche das immer mit der Rolle des Liberos“, sagt Thomas Grünwald: „An den Schulen ist diese Position wertvoller denn je.“ Vor 16 Jahren war der Diplom-Sozialpädagoge an der Hauptschule am Klostergarten der erste Schulsozialarbeiter in Sindelfingen, bis heute hat er die Stelle inne und zog nun im Jugend- und Sozialausschuss eine Zwischenbilanz seiner Arbeit. Von Anfang an hat Thomas Grünwald Wert darauf gelegt, dass seine Arbeit nicht mit der eines Feuerwehrmanns verwechselt wird, der dann zum Einsatz kommt, wenn etwa Gewalt an Schulen überhand nimmt: „Wenn man Schulsozialarbeit so versteht, dann muss sie scheitern.“

Schulsozialarbeit müsse kontinuierlich und langfristig angelegt und betrachtet werde, sagt Thomas Grünwald, dessen Stelle von der Caritas getragen wird: „Ich will Konfliktpotenziale mindern und bessere Bedingungen im Unterrichtsalltag schaffen.“ So berät Thomas Grünwald Schüler, die Probleme mit ihren Eltern oder ihren Freunden haben, er gibt Tipps gegen Langeweile und Leere in der Freizeit und hilft auch in den Fällen, in denen Schüler straffällig geworden sind. Mobbing in der Schulklasse, Ärger zwischen Lehrern und Schülern, Verhaltensauffälligkeiten: Die Baustellen, auf denen Schulsozialarbeiter wie Thomas Grünwald anpacken, sind vielfältig.

Dabei habe sich seine Rolle durchaus gewandelt im Verlauf der letzten Jahre, sagt Grünwald: „Heute spielt die Begleitung der Schüler beim Übergang in den Beruf eine viel größere Rolle.“ Grünwald erarbeitet mit den Schülern Bewerbungsunterlagen, trainiert mit ihnen Vorstellungsgespräche oder hilft bei der Recherche im Internet. „Oft geht es einfach auch darum, aus der unüberschaubaren Fülle an Angeboten, das jeweils richtige herauszufiltern“, sagt Thomas Grünwald.

Für die Unterstützung dieser Arbeit durch ehrenamtliche Paten – allein zehn sind es an der Klostergarten-Hauptschule – ist Thomas Grünwald dankbar: „Anfangs gibt es sicher Berührungsängste, aber mit der Zeit wissen die Jugendlichen zu schätzen, dass sich Erwachsene Zeit für sie nehmen und sie ernst nehmen.“

Zur Schulsozialarbeit gehören zudem auch so genannte präventive Angebote. An der Hauptschule am Klostergarten sind das etwa der Schülertreff „Madhouse“, den die Siebtklässler renoviert haben. Auch das vielfältige Sport-, Musik- und Theaterangebot liegt Thomas Grünwald am Herzen. Wenn der Chor oder die Theater AG erfolgreiche Auftritte absolvieren, dann sind das für den Schulsozialarbeiter mehr als gelungene Abende: „Das sind Gelegenheiten, bei denen sich die Schüler darstellen können, ohne dabei negativ aufzufallen.“

Bild der Hauptschule korrigieren

Das Selbstbewusstsein der Schüler zu stärken ist dabei ein Effekt, ein anderer, vielleicht noch wichtiger, das Bild der Hauptschüler auch nach außen hin zu korrigieren, sagt Thomas Grünwald: „Hauptschüler sind keine hirnlosen, draufhauenden Monster.“ Weil er davon überzeugt ist, betrachtet Grünwald auch die derzeitige Debatte über die Zukunft der Hauptschule sehr skeptisch, davon, die Hauptschule abzuschaffen, hält er nichts: „Keine andere Schulart kümmert sich so intensiv um die Schüler als Menschen.“

Nicht zuletzt wegen des freien Manns im Spiel, dem Libero.

Libero statt Feuerwehrmann: Thomas Grünwald – unser Archivbild zeigt ihn im Jahr 2002 – ist der dienstälteste Schulsozialarbeiter in Sindelfingen. Bild: Stampe/A