Samstag 11.09.2010, 01:57 Uhr

Eintauchen in eine völlig fremde Welt

08.03.2010 00:00 Uhr -
Von unserem Mitarbeiter Klaus Heimer

Bis Mitte Juni unterstützt sie noch ehrenamtlich die Arbeit des Projektes „Antseranantsoa“ (bedeutet „Der sichere Hafen“) des deutsch-madagassischen Vereins „Ny Hary“ aus Kirchheim/Teck auf der Afrika vorgelagerten Tropeninsel Madagaskar.

Der Kirchheimer Stefan Büschelberger und sein Team betreuen dort seit rund fünf Jahren gut 220 Mädchen und Jungen aus zumeist bedürftigen Familien. Knapp 80 junge Leute aus der weiteren Umgebung sind in einem Wohnheim untergebracht, damit sie ihren Schulabschluss in Miarinarivo, 90 Kilometer westlich der Hauptstadt Antananarivo, machen können.

120 Kinder, zumeist Grundschüler, die früher nie eine warme Mittagsmahlzeit erhielten und daher dem Nachmittagsunterricht kaum noch folgen konnten, erhalten in der Speisung täglich eine ausgewogene Mahlzeit. Zudem wird für sie in der unterrichtsfreien Zeit vom angegliederten Bildungszentrum ein abwechslungsreiches Spiel- und Lernprogramm angeboten.

Sophia Stampfer, die schnell in die für sie völlig fremde Welt eingetaucht ist, kann dabei all ihre Fähig- und Fertigkeiten gut einbringen. Die gebürtige Freiburgerin, die bis zur zehnten Klasse das Mörike-Gymnasium in Stuttgart besuchte, engagierte sich im evangelischen Jugendwerk auf der Böblinger Diezenhalde, betreute in der evangelischen Jugend Stuttgart eine Mädchenjungschar in der Markus-Gemeinde und war zwei Jahre stellvertretende Vorsitzende.

Seit dem achten Lebensjahr spielt sie Block- und Querflöte, gehörte dem Schulorchester in Stuttgart an und sang bis zum Abitur im Böblinger Schulchor. Zudem nahm sie ab dem 18. Lebensjahr in Sindelfingen bei der Volkshochschule Ballettstunden. „Musik macht ein Land aus, sie ist etwas Typisches und öffnet Türen“, schwärmt die junge Frau 8 000 Kilometer von zu Hause entfernt über die kulturelle Vielfalt in der Heimat von Pfeffer und Vanille.

Arbeit für das Flugticket

Vor dem Abflug hat Sophia zwei Monate in Vaihingen in dem gemeindepsychiatrischen Zentrum der evangelischen Gesellschaft Stuttgart gearbeitet, zudem über einen längeren Zeitraum in der Stuttgarter Stiftskirche bei der „Stunde der Kirchenmusik“ Eintrittskarten verkauft, um sich das Geld für das Flugticket auf die viertgrößte Insel der Welt zu erwirtschaften. Per Rundmails und SMS wird der Kontakt in die ferne deutsche Heimat aufrecht erhalten.

Gemeinsam mit Lena Weingärtner aus Rottenburg hat Sophia Stampfer ein abwechslungsreiches Spiel- und Lernprogramm ausgearbeitet. Hygiene, Ernährung, sauberes Trinkwasser, Umweltschutz, Anlegen eines Pflanzgartens oder auch Rechte des Kindes und Drogen sind Themen, die altersgemäß und vor allem spielerisch vermittelt werden.

Gut eingeschlagen sei die Aufarbeitung von Themen in Liedern.

Poster und Anschauungsmaterial im angegliederten Bildungszentrum und eine stattliche Bibliothek tragen auch dazu bei, das Wissen zu vertiefen und stets wieder in Erinnerung zu rufen. Alle Kinder haben eine Zahnbürste erhalten, putzen sich nach den Mahlzeiten die Zähne, waschen sich vor dem Essen mit Seife die Hände und auch das Mitführen des Taschentuches wird regelmäßig kontrolliert.

Sprachlich ist die junge Frau fit: Englisch und Französisch hat sie in der Schule gelernt und im fernen Madagaskar kommen ihr die ersten Brocken in der Landessprache Malagasy bereits flott über die Lippen. Die Mädchen und Jungen haben die Deutsche schnell in ihr Herz geschlossen haben – und umgekehrt. Sophia hilft, wo Not am Mann ist. Gerne kommen ihre Schützlinge, um Briefe an die deutschen Patenfamilien oder Gleichaltrige in Kirchheim und Umgebung korrigieren zu lassen.

In den nächsten Wochen ist neben der Projektarbeit per Internet die Suche nach einem Studienplatz angesagt. „Der Bereich Soziale Arbeit interessiert mich sehr, ebenso der Bereich der Entwicklungshilfe.“

Die Ferien nutzt sie, die Heimat auf Zeit mit ihrer einzigartigen Fauna und Flora per Buschtaxi zu bereisen. Erfreulicherweise sei in Miarinarivo kaum etwas von dem seit einem Putsch Mitte März 2009 durch einen 35-jährigen Ex-Discjockey verursachten Politchaos zu spüren, der das Land in seiner Entwicklung um Jahre zurückgeworfen hat.

Sophia Stampfer aus Böblingen führt junge Madagassen in einer bestens ausgestatteten Bibliothek an den Buchbestand heran und motiviert zum Lesen. Bild: Heimer