Mittwoch 08.09.2010, 01:24 Uhr

Im Westen werden Träume wahr

09.02.2010 00:00 Uhr -
Von unserem Redakteur Jürgen Wegner

Satzball Nummer eins für Grafenau. Verpatzt. „Oje, ob das noch was wird?“ Trainer Karl Katz schwant Böses. Der TSV hat den Aufstieg in die Faustball-Bundesliga in der Hand. Plötzlich kommt das Zitterhändchen. Nur noch ein Sieg gegen Waibstadt muss her. Doch der erste Satz ist plötzlich futsch – 11:13, es wird eng.

Der Traum von der Rückkehr ins Oberhaus des deutschen Faustballs droht zu platzen. Dabei hatte Karl Katz bei der Abfahrt am Sonntagmorgen noch so ein gutes Gefühl gehabt. „Als ich sah, wie locker die Jungs waren, dachte ich, das könnte heute was werden.“ Denn genau diese Lockerheit hatte tags zuvor gefehlt. Auch bei Schlagmann Markus Katz, „der vor allem gegen Pfungstadt einfach zu viel wollte“, wie sein Coach und Vater beobachtete.

Zweiter Satz gegen Waibstadt, es läuft besser. Die etwa 30 Grafenauer Schlachtenbummler, die sich erneut in den Westen nach Pfungstadt aufgemacht haben, schöpfen neue Hoffnung. Wieder steht es 10:9, doch dieses Mal macht der TSV den Sack zu. Nur noch zwei Sätze gewinnen...

Der Westmeister zeigt Nerven

Das Endspiel um den Aufstieg wurde erst möglich, weil Grafenau tags zuvor den Südzweiten TuS Frammersbach mit 3:1 geschlagen hatte. Beide Teams hatten in der Saison jeweils ein direktes Duell gewonnen. Und wieder stand es 1:1. Dann drehte Grafenau auf, und die Angriffe über Markus und Felix Katz saßen. Der Grundstein war gelegt.

Satz drei gegen Waibstadt. Der Westmeister zeigt Nerven. Deren Spielertrainer und Bundeslehrwart Rainer Frommknecht wechselt munter durch. Der Spielfluss beim Favoriten geht verloren. „Die waren völlig von der Rolle“, sagt Karl Katz (Bild: Photo 5/A). Die Grafenauer Bundesliga-Träume bekommen neue Blüten. 11:1 für den Besten im Süden, das ist eine Hausnummer. Daheim sitzt der erkrankte TSV-Pressesprecher Uwe Wagener auf Kohlen und brennt auf die heiß ersehnte SMS von seinem Sohn Moritz. Doch der bereitet sich mit seiner Mannschaft auf den Schlussakt vor. Der Krimi geht weiter.

Ob es für Liga eins reichen wird? Gegen Pfungstadt hatte es am Samstag noch nicht danach ausgesehen. Die bewährte Abwehr mit Valentin Ulrich, Tobias Kaufhold und Chris Kienle stand immer wieder vor unlösbare Aufgaben. Pfungstadt war einfach nicht zu bezwingen. Vor allem Jugend-Nationalangreifer Patrick Thomas machte gehörig Druck. Zudem hatte sich das Team mit den Fernando-Brüdern aus der Talentschmiede Tiefental verstärkt. Nur im dritten Satz – nun spielte Moritz Wagener für Valentin Ulrich – konnte Grafenau noch ein wenig mithalten. Zum Satzgewinn reichte es aber nicht: 5:11, 4:11, 8:11. Damit war klar: Die Entscheidung fällt gegen Waibstadt, das ebenfalls mit einem Sieg und einer Niederlage den Samstag beendete.

Satz vier gegen Waibstadt, jetzt sollen Aufstiegsträume wahr werden. Die Fans geben alles, Grafenau startet, aber die Kräfte lassen bei Kapitän Markus Katz spürbar nach. Er ist bei fast allen Sätzen für Angabe und Rückschlag die erste Wahl. Jetzt kommt die Zeit des Felix Katz. Er macht den Rückstand wett und im Angriff die entscheidenden Punkte. 11:8, jetzt brechen alle Dämme.

„O, wie ist das schön...“ Spieler und Fans jubeln, Moritz Wagener schickt seinem Vater per Handy die frohe Botschaft. Der TSV Grafenau ist ein Jahr nach dem Abstieg zurück in der Bundesliga. Die Sause geht los, und Karl Katz denkt schon an die Zukunft: „Wir müssen uns verstärken, wenn wir nicht wieder abgeschlachtet werden wollen“, sagt er. Den ein oder anderen Spieler hat der TSV schon im Blick, konkret ist nichts.

Die Gegenwart liegt da schon näher. Die Mannschaft feiert – und wie: erst mit den Fans in einer Pfungstadter Brauereigaststube, dann im Bus, weiter am Frankfurter Flughafen, wo die Jungs ihren Schlagmann Markus Katz in den Flieger nach England setzen und ihm für das Auslandssemester viel Spaß wünschen. Nochmals Bus, dann geht die Party in Grafenau weiter. Christian Kienle hat eingeladen. Ein Prosit auf die Bundesliga.

Die Tabelle:

1. TSV Pfungstadt 6:0 (9:0)

2. TSV Grafenau 4:2 (6:5)

3. TV Waibstadt 2:4 (4:6)

4. TuS Frammersbach 0:6 (1:9)

Damit spielen der TSV Pfungstadt und der TSV Grafenau in der kommenden Hallensaison in der Bundesliga.

Bundesliga, wir kommen: Valentin Ulrich, Tobias Kaufhold, Tim Wegner, Markus Katz (hinten, von links), Felix Katz, Christian Kienle, Moritz Wagener, Tommy Schöffler (vorne, von links). Bild: z