Kommunale Trägerschaft stärken
08.12.2009 00:00 Uhr - Von unserer Mitarbeiterin Sybille SchurrDie Ammertal-Schönbuchgruppe ist ein kleiner Wasserversorgungsverband. Für den Verbandsvorsitzenden, Böblingens OB Alexander Vogelgsang hat dies eine politische Dimension: „Wir treten für kommunale Wasserversorgung ein, weil wir wissen, dass nur dann eine nachhaltige Ressourcenpflege möglich ist“.
14 Städte und Gemeinden aus den Landkreisen Böblingen, Tübingen, Reutlingen und Esslingen sind unterm Dach des Wasserversorgers zusammengeschlossen. Die Ammertal-Schönbuchgruppe hat ein Anlagevermögen von rund 200 Millionen Euro, zu dem das Wasserwerk in Poltringen und mehr als 40 Hochbehälter und das Wasserwerk Poltringen gehören. Das größte Gut des Verbands liegt in Form von über 200 Kilometern Wasserleitungen unter der Erde.
Ins Leitungsnetz investieren
Im Geschäftsbericht 2008, der von der Verbandsversammlung einstimmig angenommen wurde, machten Zinsen und Abschreibungen etwa 50 Prozent der Ausgaben aus bei einer Gesamtumlage von 5,82 Millionen Euro. Die Lage habe sich entschärft. Nach einer Konsolidierungsphase, in der Schulden abgebaut wurden, soll ab 2010 wieder in erster Linie in den Erhalt des Leitungsnetzes investiert werden, rund zwei Millionen Euro sind dafür im kommenden Jahr vorgesehen. Die Jahresumlage für das Jahr 2010 wurde von der Verbandversammlung auf vorläufig 6,1 Millionen Euro festgesetzt.
Trotz mancher Turbulenzen bleibt der Wasserpreis relativ stabil, für das kommende Jahr habe man eine Erhöhung von durchschnittlich 2,5 Cent eingeplant, so der Verbandsvorsitzende. Rund 80 Prozent Wasser erhält die Ammertal-Schönbuchgruppe vom Vorlieferanten Bodenseewasserversorgung, der hat seine Bezugspreise bereits 2008 kräftig angehoben.
Wirtschaftliche und demografische Entwicklung treffen auch den kommunalen Wasserversorger. Lange schon wird nicht mehr so viel Wasser verbraucht, wie vorgesehen. Aus ökologischer Sicht sei der sparsame Umgang mit dem kostbaren Lebensmittel Wasser zwar zu begrüßen, so Vogelgsang, für die Wasserversorgung hat das jedoch auch durchaus negative Auswirkungen: „Als der Verband seine Anlagen in den siebziger und achtziger Jahren in einer großen Investitionswelle ausgebaut hat, ging man von einem Verbrauch von rund 200 Litern am Tag aus“, so Vogelgsang.
124 Liter pro Person
Heute rechne man mit 124 Litern pro Person und Tag. Im Wirtschaftsjahr 2008 lag der Wasserabsatz mit 6,357 Millionen Kubik rund sechs Prozent unter den Mengen des Vorjahrs und erstmals seit 1988 unter dem langjährigen Mittel von rund 6,5 Millionen Kubik. Der Grund dafür war die Schließung des NXP-Werks in Böblingen. Ein Verlust, der noch nicht völlig kompensiert ist.
„Die Wasserversorgung ist trotz liberalisierter Energiemärkte in Deutschland weitgehend in kommunaler Trägerschaft“, und dies solle auch so bleiben, wünscht sich Verbandsvorsitzender Vogelgsang. Mit einer Satzungsänderung wehrt die Ammertal-Schönbuchgruppe vorsichtshalber alle Übernahmeversuche von außen ab: Einstimmig wurde beschlossen, dass nur kommunale Verbände Mitglieder werden können. Damit umgeht der Wasserversorger die EU-Vorschrift, dass bei Konzessionsverlängerungen europaweite Ausschreibungen durchgeführt werden müssen. Geschäftsführerin Astrid Stepanek wurde für weitere acht Jahre im Amt bestätigt.
(siehe auch Kommentar, Seite 7)
Nicht mehr so üppig wie eingeplant fließt das Wasser aus dem Hahn. Bild: z


