Donnerstag 02.09.2010, 21:38 Uhr

Der Behandlungsstuhl mit Frischluftgarantie

01.12.2007 00:00 Uhr -
Von unserer Mitarbeiterin Ute Neumann

Nein, niemand von uns würde einen Zahnarztbesuch als Sensation bezeichnen. Wenn doch, dann kann er sich allgemeinen Kopfschüttelns sicher sein. Dass das in anderen Ländern bisweilen ganz anders empfunden wird, das hat Monika Proß erlebt. Als Mitglied des Arzt- und Zahnarzthilfe Kenya Vereins (AZK) war sie diesen Sommer in Sachen Zahnmedizin in Afrika. Und möchte am Liebsten gleich wieder hin.

Der Spritzen-Spaziergang

"Dieser Menschenauflauf, wenn wir mit unserem Zahnarztmobil in die Dörfer kamen, das war einfach klasse", freut sich die zahnmedizinische Fachhelferin. "Die warteten regelrecht auf uns." Behandelt wurde da, wo genügend Platz war: In einer Halle, einer Kirche oder auch unter freiem Himmel, quasi mit Frischluftgarantie. Zwischen 90 und 120 Patienten mussten im Schnitt versorgt werden. Da ging das Einspritzen wie am Fließband, reihum gleich zehn auf einmal. "Dann schickten wir die Leute immer zum Spazieren gehen bis die Spritze wirkte, und los ging's", erzählt Monika Proß leichthin.

Zahnlos glücklich

Auf mehreren Stühlen nebeneinander - je nachdem wie viel Ärzte und Helfer mit vor Ort waren - entfernten sie Zahnstein, versorgten Entzündungen und zogen sehr oft Zähne. Aus einem ganz bestimmten Grund. "Die Leute müssen die Behandlung bezahlen", erklärt die Sindelfingerin, "und ziehen lassen ist einfach billiger als füllen." In Zahlen ausgedrückt: zwei Euro für eine Extraktion, wie die Zahnentfernung fachmännisch heißt und etwa drei Euro für eine Füllung. So hieß das Motto bei Jung und Alt: lieber raus damit. Hauptsache, der Schmerz war weg oder kam erst gar nicht. "Aber bei dem jungen Mann, der sich deshalb alle Schneidezähne hat ziehen lassen, da habe ich schon geschluckt", erinnert sich die zweifache Mutter.

Der Einsatzort für Monika Proß als Mitglied des Arzt- und Zahnarzthilfevereins Kenya war vor allem bei der armen Landbevölkerung Westkenias in Nyabondo. Auch den Slumbewohnern von Nairobi hat sie versucht zu helfen. Dabei bestand ihre eigentliche Aufgabe in der Vorsorge-Arbeit an Schulen. "Zähneputzen bei den Kindern ist meist gar nicht das Thema, sondern dass sie sich oftmals eine Zahnbürste mit anderen teilen", erläutert die 53-Jährige. "Und da auch kenianische Kinder gerne Cola trinken und Süßigkeiten essen, ist Karies auf dem Vormarsch. Bei der Bürstenwechselei verbreiten sich die Bakterien natürlich rasant." So war und ist Karies das Hauptproblem, dem sie mit Diashows und Beispielen zu begegnen versuchte. Stets begleitet von einem Dolmetscher, denn "mit Englisch kommt man in diesen Vierteln nicht weit."

Helfen mit Kick

Rund drei Wochen war die engagierte Fachhelferin in Westafrika, "weil ich die Arbeit des Vereins gut finde und ehrlich gesagt: Weil ich mal etwas Neues machen wollte." Dabei hat sie vom Flug bis hin zu den Impfungen alles selber zahlen müssen. Als eingetragener Verein lebt der AZK von ehrenamtlichen Helfern wie Monika Proß, Spenden und Verbindungen. So gibt es eine Kooperation mit Klöstern der Franziskanerinnen in Kenia, wo die angereisten Zahnärzte, Helfer und Techniker übernachten, behandeln und auch afrikanische Helferinnen ausbilden können. In vier Klöstern wurden bisher schon zahnärztliche Praxen eingerichtet, die zum Teil auch von den Ordensschwestern betreut und vom AZK mitfinanziert werden.

Zurück nach Afrika

Monika Proß hat den Verein zufällig im Internet entdeckt und "sofort gewusst, das ist was für mich". Am liebsten möchte sie gleich wieder nach Afrika, wenn sie nicht auch hier noch eine Arbeit hätte. Ganz abgesehen von ihrer Familie, die auch Zeit in Anspruch nimmt. Trotzdem hat die Sindelfingerin schon die nächste Afrikareise fest im Auge: "Nächsten Sommer fliege ich wieder hin. Es macht einfach Spaß, unter afrikanischer Sonne zu arbeiten und etwas Gutes zu tun." Mitnehmen könnte sie auch noch jemanden, allerdings "nicht zum Ferien machen. Wer dort mit hin will, der muss mithelfen." Das ist sie ihrem Verein schuldig.

Nähere Informationen zum AZK unter: www.zahnarzthilfe-kenya.de