Eine Investition in die Zukunft
01.04.2009 - Von unserem Mitarbeiter Christian IgnatziIn Sindelfingen hat das erste feste Einstein-Labor in Baden-Württemberg seinen Platz gefunden. Nachdem die Pläne wegen der Finanznot der Stadt zwischenzeitlich auf der Kippe standen, entschloss sich die Bürgerstiftung, die Kosten für die Einrichtung zu tragen.
Das Einstein-Labor ist nach einer CNC-Maschine für das Gymnasium Unterrieden (die SZ/BZ berichtete) der „zweite nennenswerte Beitrag der Stiftung für die Stadt“, so Professor Jürgen Hubbert, Vorstand der Bürgerstiftung Sindelfingen. 15 000 Euro kostet die Einrichtung, die in der Galerie der Stadt Platz gefunden hat und irgendwann auf das Flugfeld umziehen soll. Die laufenden Kosten werden von der Stadt Sindelfingen getragen. „Es lohnt sich, etwas zu tun und in die Jugend zu investieren“, sagt Jürgen Hubbert, der ausgezeichnete Voraussetzungen für die Region durch engagierte Jugendliche sieht.
Als die in einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats beschlossene Anschaffung des Labors wegen der finanziellen Verhältnisse der Stadt zu scheitern drohte, erklärte sich die Bürgerstiftung sofort bereit die Kosten zu tragen. Die Idee für das Einstein-Labor, das interessierten Nachwuchsforschern die Relativitätstheorie von Albert Einstein und mehr näherbringen soll, hatte Professor Hanns Ruder. „Die Natur wird oft nicht verstanden, muss aber einfach akzeptiert werden“, sagt er.
Falsche Darstellung der Theorie
Dass die Natur von der Landesregierung nicht verstanden wurde, hat ihn im Einstein-Jahr 2005 auf die Idee gebracht, das eigentlich mobile Labor ins Leben zu rufen. „In einigen Anzeigen wurde mit Einstein für das Land Baden-Württemberg geworben, allerdings mit falschen Darstellungen seiner Theorie“, so Hanns Ruder, der daraufhin einen Beschwerdebrief an den Ministerpräsident schrieb. „Herr Oettinger war einfach nur sauer, während Wissenschaftsminister Professor Peter Frankenberg sich höflich entschuldigte.“ Als Hanns Ruder erfuhr, die Anzeigen hätten insgesamt etwa 27 000 Euro gekostet, entwarf er das Einstein-Labor. „Mit diesem Geld hätte man alleine zwei stationäre Labore anschaffen können“, so der Professor.
Gleichzeitig ist das Einstein-Labor Teil der Festlichkeiten der Kepler-Gesellschaft zum 400. Jubiläum der neuzeitlichen Astronomie. Diese begründete Johannes Kepler im Jahr 1609 mit seinem Werk „Astronomia Nova“. Im selben Jahr leitete Galileo Galilei mit ersten Fernrohrbeobachtungen die Teleskop-Astronomie ein.
Für die Gesellschaft ist das Labor in Zusammenarbeit mit den Universitäten Tübingen und Stuttgart Teil einer großen Veranstaltungsreihe. „Kepler hat die Grundlagen für die heutige Raumfahrt gelegt“, so der Vorsitzende der Kepler Gesellschaft Professor Manfred Fischer: „Durch den geplanten Ausbau des Flugfelds zum Luft- und Raumfahrtzentrum kamen wir ins Gespräch und sind jetzt in der glücklichen Situation das Einstein-Labor ständig verfügbar machen zu können.“
„Das Labor passt zu Sindelfingen“
Da Einstein selbst ein Bewunderer Keplers war, sei die Idee entstanden, das Einstein-Labor im Rahmen der Veranstaltungen zu etablieren. „Da die Zahl der naturwissenschaftlichen Studenten vor sich hindümpelt, unser Wohlstand aber von dieser Basis kommt, hoffe ich, dass das Labor viel benutzt wird“, so Professor Manfred Fischer.
Auch Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer ist zuversichtlich, dass die neue Einrichtung ein Erfolg wird und von städtischen Schulklassen häufig besucht wird: „Das Labor passt zu Sindelfingen. Schüler sind die Zukunft, deshalb müssen wir Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben am Standort aktiv zu sein.“ Auch wenn die Finanzkrise weit fortgeschritten sei, wolle man Prioritäten setzen und sich für die Jugend einsetzen um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Am morgigen Donnerstag findet um 18 Uhr in der Sindelfinger Stadthalle die öffentliche Einführung in das Einstein-Labor statt. Wissen über die Relativitätstheorie wird für das Verständnis nicht vorausgesetzt: „Einstein sagte von sich selbst, er habe keine besondere Begabung, er sei nur neugierig“, so Dr. Bernd Vöhringer.
Sindelfingens Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer (rechts) testet, wie es sich anfühlt, mit Lichtgeschwindigkeit durch die Tübinger Altstadt zu radeln. Bild: Stampe


