Kalte Füße vor der OB-Wahl
15.01.2010 - Von unserer Redakteurin Carmen WeissWolfgang Lützner (CDU/FW) rüstet sich für seinen nächsten Termin. Der Kandidat für die Böblinger Oberbürgermeisterwahl steigt in seine Stiefel, zieht seinen wärmsten Mantel an und schwingt sich einen orangeroten Schal um. Darauf prangt ein großes Herz mit der Aufschrift „Böblingen“.
Zusammen mit seiner Wahlhelferin, der Böblinger CDU-Gemeinderätin Daniela Braun, stapft er durch den Schnee in Richtung Schwabstraße und klingelt an einer der ersten Haustüren. Seit Wahlkampfbeginn ist es seine zweite Tour durch die Wohngebiete der Stadt. Die Hausbesuche sind gängige Praxis. Auf dem Weg zum Oberbürgermeister nehmen Wolfgang Lützner und sein Mitbewerber Andreas Paust kalte Füße in Kauf. „Ich stelle mich den Bürgern persönlich vor. Der Winterwahlkampf ist eine harte Nuss. Aber da muss man durch“, sagt Wolfgang Lützner.
Es geht nicht immer freundlich zu
„Ich weiß, wer sie sind. Ihre Plakate hängen überall in der Stadt“, sagt eine alte Dame, als sie die Tür öffnet. Wolfgang Lützner plaudert ein wenig, reicht der Frau sein Werbe-Flugblatt. „Mit ganzem Herzen“, steht darauf und neben der Schrift klebt ein rot eingewickeltes Schoko-Herz. „Das Symbol steht für meinen Wahlkampf. Wenn man irgendwo mit ganzem Herzen dabei ist, klappt es auch“, sagt er.
So freundlich geht es an der Haustür allerdings nicht immer zu. „Manche sind skeptisch oder sagen, sie gehen nicht zur Wahl“, so Wolfgang Lützner. Bei einer Wahlbeteiligung von teilweise unter 50 Prozent sei das kein Wunder. „Da muss man jede Möglichkeit nutzen, um zu mobilisieren. Am Ende hofft man, dass die eigenen Befürworter zu Wahl gehen und nicht die des Gegners.“
Seine Chancen schätzt der Kandidat gut ein, „sonst würde ich den Wahlkampf nicht machen“. Vor allem bei den Hausbesuchen müsse man durchhalten: „In der Mehrzahl der Fälle erreiche ich die Bürger nicht persönlich. Dann hinterlasse ich eine Nachricht.“
Zur gleichen Zeit kämpft Kandidat Dr. Andreas Paust (SPD/Grüne) gegen die Kälte an. Er hat sich das Wohngebiet Diezenhalde vorgenommen – weniger dick eingepackt. Schließlich arbeitet er sich von Mehrfamilienhaus zu Mehrfamilienhaus durch. „Da hört man manchmal die schrägsten Klingeltöne“, sagt er. Seit 11. Dezember wohnt der Kandidat mit seiner Frau auf der Diezenhalde.
Kritische Stimmen beim Klingelputz
Ist er erst einmal im Haus, geht der Klingelputz recht schnell – vorausgesetzt es ist jemand zuhause. Eine kurze Begrüßung mit Bitte um die Stimme am 7. Februar, dann überreicht Andreas Paust seine Werbekarte mit der Stadtansicht von Böblingen. „Ihr neuer Oberbürgermeister“, steht auf der Rückseite. Für ihn ist es bereits der sechste Rundgang nach dem Wahlkampfauftakt. Am Rauhen Kapf verbrachte er einen ganzen Tag.
Auch auf seiner Tour sind die Reaktionen gemischt: „Manche freuen sich und bitten mich auf einen Kaffee herein. Andere wehren ab und sagen, dass sie Zeugen Jehovas und Versicherungsvertreter nicht rein lassen – da hat man noch nicht einmal erklärt, um was es eigentlich geht.“
Es gibt auch Anwohner, die das Gespräch als Gelegenheit zur politischen Diskussion nutzen. Eine Frau führt Andreas Paust durch den Flur ins Wohnzimmer, um ihm das Hochhaus im Garten zu zeigen, das die Sicht versperrt. Ob die Kongresshalle, die abgerissene Sporthalle oder die Einkaufssituation in der Innenstadt, „an der Haustür sagen die Bürger, was ihnen stinkt. Da bekomme ich einen guten Einblick“, so Andreas Paust.
Auch mit kritischen Stimmen müssen die Kandidaten rechnen. Die Internetseite von Wolfgang Lützner sei ihnen zu allgemein, sagt ein Ehepaar, das den Kandidaten beim Spazierengehen in der Schwabstraße trifft. Sie fühlen dem OB-Anwärter auf den Zahn, wollen seine Meinung zur gemeinsamen Stadt und zum Schießlärm an der Böblinger Panzerkaserne hören.
Rund 20 Häuser hat Wolfgang Lützner in einer Stunde abgeklappert. Vergebene Liebesmüh? „Mitzählen sollte man tatsächlich nicht. Allerdings ist der persönliche Draht zu den Bürgern wichtig, nicht nur vor der Wahl“, sagt er. Sein Mitbewerber Andreas Paust ist da der gleichen Meinung. Einfach nur eine Mitteilung in den Briefkasten werfen oder gar einwerfen lassen, kommt für beide nicht in Frage.
Andreas Paust und Wolfgang Lützner informieren die Bürger am Samstag, 16. Januar, zwischen 8 und 11 Uhr auf dem Wochenmarkt im Schulhof der Pestalozzi-Schule Böblingen. Am Sonntag, 17. Januar, lädt Andreas Paust von 13 bis 14.30 Uhr zum Bürgergespräch ins Bootshaus bei der Kongresshalle Böblingen ein.
Bei seinem Rundgang durch die Böblinger Schwabstraße diskutieren die CDU-Gemeinderätin Daniela Braun und Kandidat Wolfgang Lützner mit Spaziergängern (von links).
In den Mehrfamilienhäusern auf der Diezenhalde kommt Andreas Paust mit den Bewohnern ins Gespräch.
Die OB-Kandidaten Dr. Andreas Paust (links) und Wolfgang Lützner machen in den Böblinger Wohngebieten Wahlkampf an der Haustür. Bilder: Weiss


