Donnerstag 02.09.2010, 21:40 Uhr

Viel lieber Berge als Gegenwind

23.08.2008 00:00 Uhr -
Von unserem Mitarbeiter Thomas Volkmann

Anders als die Olympiateilnehmer musste die 47-jährige Finanzanalystin jedoch keine Normen erfüllen, sondern Urlaub nehmen. Gut für sie, dass ihr Arbeitgeber es erlaubt, nicht genommenen Urlaub auf einem Langzeitsparkonto zu bunkern. Während die vom Freiburger Radreisespezialisten „Forum anders reisen“ angebotene Tour schon in Athen begann, stieß die aus Hamburg stammende Freizeitsportlerin erst zur Halbzeit zur 17 Köpfe zählenden Reisegruppe mit Teilnehmern im Alter zwischen 41 und 73 Jahren.

Zwischen Athen und Peking kam die Gruppe in 175 Tagen auf gut 14 000 Kilometer und durchreiste zehn Länder. Bei Elisabeth Frost belief sich das Pensum auf auch noch stolze 8000 Kilometer.

Auf den Geschmack gekommen

Auf den Geschmack einer solchen Radtour war die Böblingerin vor vier Jahren gekommen – auch damals auf einer organisierten Reise.

Damit sie sich diesmal besser verständigen konnte, lernte Elisabeth Frost an der Böblinger Volkshochschule sogar Chinesisch. „Es hat gereicht, um etwas besser zurecht zu kommen“, war sie zufrieden mit ihren nun über ein „Guten Tag“ und „Danke“ hinausgehenden Sprachkenntnissen. „Bestaunt worden bin ich allerdings eher wegen meiner Körpergröße.“

Auf ihr neues Trekkingrad stieg die gerne mit dem ADFC Sindelfingen/Böblingen zu kleineren Tagestouren aufbrechende Elisabeth Frost in Usbekistan. Durchschnittlich 100 Kilometer betrug das tägliche Pensum der Seidenstraße entlang. Weil einmal ein ursprünglich gebuchtes Hotel nicht geöffnet hatte, mussten an einem Tag sogar 200 Kilometer gestrampelt werden. „Wer nicht mehr konnte, ist aber immer auch von unserem Begleitfahrzeug mitgenommen worden“, erzählt die Radreisende.

Besonders beeindruckt an der Reise haben Elisabeth Frost die optischen Eindrücke von Land und Leuten. Insbesondere die kirgisische Landschaft sei überwältigend gewesen. „Ich hatte befürchtet, dass wir viel mehr durch Einöde kommen würden. Aber der Übergang von Hochgebirge in enge Täler und Schluchten, das war fantastisch.“ Als einmal in Zelten campiert wurde und des Nachts ein Wolkenbruch sondergleichen niederging und einen Erdrutsch auslöste, fürchtete Elisabeth Frost, mitsamt Zelt in den naheliegenden See gespült zu werden. Ansonsten aber hatte sie Glück bei ihrer 100-tägigen Tour – geradelt werden konnte fast immer bei Trockenheit.

Vorboten von Olympia

Auf dem Weg Richtung Peking mehrten sich in China dann auch die Vorboten der Olympischen Spiele. In Dunhuang, einer 186 000 Einwohner zählenden Oasenstadt in der Provinz Gansu, 3000 Kilometer westlich von Peking, erlebte die Radlergruppe eine Generalprobe für den olympischen Fackellauf mit Militärparaden, jubelnden Schulklassen und einer omnipräsenten Beflaggung.

Zwei Tage vor der Eröffnung der Sommerspiele erreichte die Gruppe schließlich das Ziel ihrer Reise. Beim Empfang im Deutschen Haus, der offiziellen Olympia-Repräsentanz im Pekinger Hotel Kempinski gab es dann seit langem mal wieder ein Käsebrötchen für die Teilnehmer. „Wie hatte ich das vermisst“, freute sich Elisabeth Frost über die kulinarische Abwechslung nach 8000 Radkilometern und 49 000 Höhenmetern Anstieg. „Auch wenn Norddeutsche allgemein mit Bergen zu kämpfen haben: mir sind sie lieber als Gegenwind“, sagt sie.

Die Eröffnungsfeier erlebte die Böblingerin dann beim Public Viewing in einem Einkaufszentrum à la Stuttgarter Königsstraße.

Elisabeth Frost auf dem Weg nach Peking. Bild: z