Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert · 10.10.2018

A 81: Aus 2026 könnte 2030 werden

Böblingen/Sindelfingen: Der Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau der A 81 steht, doch frühestens 2020 wird mit dem Bau begonnen

Eine Momentaufnahme von der A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen: Nicht immer rollt der Verkehr so reibungslos. Bild: Jung

Für Jürgen Holzwarth, Leiter des für die Straßenplanung zuständigen Referates 44 im Regierungspräsidium Stuttgart, gibt es für den Ausbau der A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen zwei maßgebliche Jahreszahlen: 2020 und 2026. 2020 steht für den Baubeginn und 2026 für die Fertigstellung des 7,1 Kilometer langen Abschnitts zwischen Sindelfingen Ost und der Böblinger Hulb.

Die Erfahrung lehrt etwas anderes. Nicht nur im Kreis Böblingen, wo bei der B 464 zwischen Sindelfingen und Renningen jeder Kilometer ein Jahr gedauert hat.

Dass Bauzeitenpläne dehnbar sind wie Gummi, hat sich inzwischen bis Berlin herumgesprochen. „Wenn wir heute über 2026 reden, wird daraus eher 2030“, sagte der FDP-Abgeordnete Dr. Christian Jung, der dem Verkehrsausschuss des Bundestags angehört, bei einem Besuch beim Magstadter Bürgermeister Florian Glock, als es um die Fertigstellung der A 81 ging.

Holzwarth selbst hat bereits erkennen müssen, dass sein Zeitplan für die A 81 kein Abreißkalender mit einem Blatt für jeden Tag ist. Den sogenannten Planfeststellungsbeschluss, bei einer Immobilie würde man von der Baugenehmigung sprechen, hatte er für Mitte 2018 vorgesehen. Danach hoffte er aufs Jahresende. Jetzt kam der Beschluss immerhin im September.

Planungen vorgezogen

Um keine Zeit zu verlieren, hat er sich schon vorher an Planungen gemacht, die er sonst erst anpackt, wenn die Planfeststellung rechtskräftig ist. „Klagen sollte niemand“, sagte er deshalb bei einem Besichtigungstermin, zu dem die Böblinger CDU-Abgeordneten Marc Biadacz (Bundestag) und Paul Nemeth (Landtag) nicht nur ihn, sondern auch den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Steffen Bilger, sowie Vertreter der Bürgerinitiative Leise A 81 eingeladen hatten (die SZ/BZ berichtete).

Wenn an der Autobahn gebaut wird, werden die Fahrbahnen von derzeit 4 auf 2 reduziert. Zeitweise, etwa wenn die Brücken abgerissen werden, muss die A 81 vollständig gesperrt werden. Bis dahin sollte die Umleitung funktionieren.

Lückenschluss erst hinterher

Derzeit führt ein Stau auf der A 81 zwischen der Hulb und dem Stuttgarter Kreuz oder ein Stau auf der A 8 zwischen dem Stuttgarter Kreuz und dem Leonberger Dreieck dazu, dass auch der Verkehr auf der B 464 und der B 295 nicht mehr rollt. Ein Rückstau auf der B 464 vom Lückenschluss bis über Maichingen hinaus ist dann eher die Regel als die Ausnahme, denn der Knoten, der die beiden Bundesstraßen verbindet, verträgt keinen zusätzlichen Verkehr.

Da die Planung des Knotenpunkts bei Renningen aber hinter der Ausbauplanung für die A 81 hinterherhinkt, wird der Knoten erst dann endgültig hergestellt, wenn die Arbeiten an der A 81 abgeschlossen sind. Bis zum Baubeginn an der Autobahn sollen am Lückenschluss noch kleine Verbesserungen umgesetzt werden.

Daran ändert sich auch dadurch nichts, dass Steffen Bilger (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, sich den Knotenpunkt in diesem Jahr schon zweimal angesehen hat. Bei seinem letzten Besuch in der vergangenen Woche (die SZ/BZ berichtete) sagte Marc Biadacz, der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Böblingen, er hätte sich den Lückenschluss vor dem Ausbau der A 81 gewünscht und nicht erst danach: „Damit bin ich aber bei Landesverkehrsminister Winfried Hermann auf Granit gestoßen.“

Leibnizstraße: Zweifel

Als Ausweichstrecke für die Autobahn sind aber nicht nur B 464 und B 295 gedacht, sondern auch die Leibnizstraße, die auf der Böblinger Seite vom Flugfeld im Westen bis zur alten B 14 (im Osten) parallel zur A 81 verlaufen soll. Auch wenn es die Straße, sie ist als Kreisstraße 1055 Sache des Landkreises, von der Sindelfinger Straße in Richtung Osten längst gibt, bestehen große Zweifel, dass der westliche Teil fertiggestellt sein wird, bis die Sperrungen auf der A 81 beginnen. „Wir brauchen die Leibnizstraße als Ausweichstrecke für die Autobahn nicht unbedingt.“

Städten droht das Chaos

Auf den Rathäusern in Sindelfingen und Böblingen sieht man das offensichtlich anders. So appellierte Böblingens Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger auch im Namen ihrer Sindelfinger Kollegin Dr. Corinna Clemens bei dem Besichtigungstermin mit Staatssekretär Steffen Bilger an die Vertreter von Bund und Land: „Lassen Sie uns während der Bauphase nicht im Stich. Das schaffen die Städte nicht alleine.“

Kraayvanger und Clemens wissen, was Böblingen und Sindelfingen droht, wenn sich der Autobahnverkehr in die Städte ergießt: die Endstation Chaos.