Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 28.10.2020

Corona-Sorgen beim Kalender-Verkauf

Sindelfingen/Böblingen/Altdorf: Bild "Die letzte Chance" von Hans Bäurle schmückt Kunst-Adventskalender 2020 des Kinderschutzbundes / Wegen Corona fällt wichtige Verkaufsstelle Messehalle weg

Hinter den Masken stecken (von links): Kinderschutzbund-Geschäftsführer Thomas Kowoll, Künstler Hans Bäurle und Kinderschutzbund-Schatzmeisterin Judith Kuntze. Bild: Heiden

Er ist schon ein von vielen erwarteter Klassiker zur Vorweihnachtszeit, der Kunst-Adventskalender des Kinderschutzbundes Kreisverband Böblingen (KSB). Mit einer Auflage von 3000 Stück startet am 2. November der Verkauf. Das Motiv für den nach 2009 nun schon 12. Kalender hat der Altdorfer Künstler Hans Bäurle gestiftet.

Ex-Kanzler Kohl hätte vielleicht gesagt, bei einem Adventskalender sei ausnahmsweise nicht entscheidend, was hinten rauskommt. Sondern was hinterm Türchen vorkommt. Beim KSB-Adventskalender allerdings wäre er damit auf Einspruch gestoßen, da bei dem ganz entscheidend ist, was auf der Rückseite unten rechts draufsteht: Eine Ziffernfolge.

Während Vorderseite und Türchenunterseite jeweils gleich sind, hat so jeder der 3000 Kalender eine individuelle Nummer. Denn alle sind gleichzeitig auch ein Los, das an einer Tombola teilnimmt. Dafür wurden 113 Gewinne von 49 Sponsoren gestiftet. Hinter jedem der 24 Kalendertürchen schlummert die Nennung der Gewinne, die am jeweiligen Tag winken.

Die Nummer des Gewinn-Kalenders wird täglich in der SZ/BZ und auf der KSB-Homepage (www.dksb-bb.de) veröffentlicht. Die Gewinne liegen bis zum 31. Januar 2021 im Kinder- und Familienzentrum des KSB im Alten Maichinger Rathaus zur Abholung bereit. Es warten Gutscheine für Einkauf oder Kerzenlicht-Dinner im Sternerestaurant bis zum Golf-Schnupperkurs und einem SZ/BZ-Digital-Jahresabo.

"Eigentlich hat sich nicht viel großartig geändert", sagt KSB-Geschäftsführer Thomas Kowoll zu seiner von ihm maßgeblich organisierten KSB-Kunst-Adventskalender-Aktion. Eigentlich: Denn auch er blickt mit Sorge auf die Auswirkungen der Pandemie. So fällt eine der wichtigsten Kalender-Verkaufsstellen der Vorjahre nun weg, der Wintermarkt in der Messehalle. "Dort haben wir immer ein Drittel abgesetzt", erzählt er.

Dort seien am Verkaufsstand sogar Interessenten aus Stuttgart aufgetaucht, die eigens wegen des Kalenders in die Messehalle gekommen seien. "Das reißt ein Riesenloch", so Kowoll, der andererseits mit Kaufland Calwer Straße und Möbel-Hofmeister zwei neue mobile Verkaufsstellen aufgetan hat. "Ob wir die Einnahmen kompensieren können, müssen wir abwarten", gibt sich Thomas Kowoll indes skeptisch.

Aus gutem Grund. Zwar wurden stets alle Exemplare des Kalenders verkauft, der bereits im Debut-Jahr mit der 3000er-Auflage startete. Aber als der KSB zwei Jahre auf die Schnapszahl 3333 erhöhte, wurde es knapp. "Die letzten 333 haben richtig weh getan", erzählt Thomas Kowoll über die überproportional großen Anstrengungen, um dieses nur rund ein Zehntel ausmachende Zusatz-Kontingent zu verkaufen.

Geändert hat sich auch die Aufmachung des Kalenders. Bislang bedeckte das Motiv stets die ganze Vorderseite und wurde damit peu à peu durch jedes Türchenöffnen zerpflückt. Erstmals sind die Türchen nun wie auf einem Passepartout um das abgebildete Kunstwerk herum verteilt, das nun unbeschadet aller Türchenspicksereien bis zum 24. als Ganzes erhalten bleibt.

Das war eine Anregung des Künstlers selbst, der freilich bereits KSB-Kalender-Erfahrung hat. Bereits 2013 schmückte ein Motiv des Altdorfers Hans Bäurle den Kalender. Für die diesjährige Ausgabe liefert Bäurles mittelformatiges Ölbild "Die letzte Chance" die Vorlage. "Bei mir ist alles Fantasie", weist der 89-Jährige darauf hin, dass die dargestellte Landschaft in seinem Kopf im Atelier geboren wurde. Der Bildtitel scheint zunächst schlecht zur pittoresken Anmutung des Bildes zu passen.

Allerdings gibt Hans Bäurle einen Fingerzeig: Durch sein mittlerweile rund 3000 Stücke umfangreiches Bildwerk zögen sich Umweltthemen. So zeigt "Die letzte Chance" in Zeiten der Klimaerwärmung zwar eine beruhigende, mild abstrahierte Schneelandschaft, zu der sich dazu noch hoffnungsvoll saftiges Pflanzengrün gesellt. An der Horizontlinie aber tobt ein alles versengender Weltenbrand.

Motivdiskussionen kennt Thomas Kowoll derweil nach 11 Jahren KSB-Kalender zur Genüge, zumal die üblichen Kandidaten von Nikolaus bis Rentierschlitten keinen Zutritt zur Kalenderfront haben und hatten. Als regelmäßigen Höhepunkt der etwa beim Kalender-Verkauf auf dem Sindelfinger Marktplatz geführten Kunst-Debatten erwartet er allerdings auch dieses Jahr wieder eine eher kunstferne Kritik, die da lautet: Wo sind denn hier die Schoklädle?

Der Erlös aus dem Verkauf des KSB-Kunst-Adventskalenders zu 5 Euro pro Stück fließt in die Arbeit des KSB ein.

Ständige Verkaufsstellen sind in Sindelfingen bei Röhm-Buch am Marktplatz, im i-Punkt und bei Irene Georgii Mode-Schuhe-Accessoires am Marktplatz; in Maichingen das KSB Kinder- und Familienzentrum im Alten Rathaus, Messners Bauernladen, Vietz Frischemarkt und Behandelbar (Schlüsseläckerplatz und Talstraße); in Böblingen im Foyer des Landratsamts, im Café Frech und der KSB-Geschäftsstelle am Schlossberg.

Mobiler Verkauf: 6./7., 13./14.,20./21.,27./28 November Möbel-Hofmeister Sindelfingen; 7./14./21./28. November Sindelfinger Wochenmarkt; 13./14. Nov. Kaufland Sindelfingen Calwer Straße. Verkauf ist auch geplant zur Gruppenausstellung mit Bäuerle-Werken im Altdorfer Bürgerhaus 20./21. November.

Signierstunde mit Hans Bäurle am Samstag, 14. November ab 11 Uhr auf dem Sindelfinger Marktplatz.