07.06.2019

Die Schatten sind sehr lang

Standpunkt: Traditions-Restaurants

  • Pächtersuche Gasthof Hirsch Sindelfingen

Gastronomie: Erst der „Hirsch“ und jetzt „Mannes Bierstadel“, in Sindelfingen schließen binnen 2 Jahren gleich 2 Restaurants mit über 30-jähriger Familientradition. Im März 2018 sperrte die Familie Giffhorn den Hirsch zu. Kurz vor Weihnachten ist Schluss für die Familie Hämmerle in ihrem Bierstadel.


Ein Verlust für die Stadt. Der Chef kochte jeweils selbst, die Chefin kam zu den Gästen an die Tische. Doch damit nicht genug. Beide Gastronomen-Familien prägten jahrzehntelang kulinarische Ereignisse der Stadt wie den Schlemmermarkt. Da wird der Schatten sehr lang für mögliche Nachfolger.


Zudem ringt die Stadt als Eigentümerin des Gasthofs Hirsch (Bild: Bausch) seit Monaten um ein Konzept für die Sanierung und sucht einen Pächter. Und auch für den Bierstadel muss erst noch ein Wirt gefunden werden.


Keine Köche, kein Service-Personal, keine Aushilfen – viele Gastronomen klagen über extrem schwierige Zeiten bei der Suche nach Personal. Vor allem die Arbeitszeiten sind ein großes Problem. Nun fehlt es zunehmend auch an kompetenten Wirtsleuten. Nicht immer wird der Kochlöffel in der Familie weitergegeben. Wer aus einer Gastronomenfamilie stammt, der kennt wenigstens die harten Anforderungen, die dieser Beruf mit sich bringt. Restaurants mit solcher Tradition zu führen, ist kein Job, sondern muss Berufung sein, gekoppelt mit einer guten Ausbildung und idealerweise Erfahrung im Metier. Hoffentlich gelingt es, die Geschichte der beiden Sindelfinger Traditionshäuser fortzuschreiben.




hans-joerg.zuern@szbz.de