Von unserem Mitarbeiter Peter Maier · 12.01.2019

Erinnerungen an das Schloss

Böblingen: Historischer Stadtspaziergang von Bündnis 90/Die Grünen rund um den Schlossberg

In der Pfarrgasse gab es für die 50-köpfige Gruppe um Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz weitere Informationen von Heidrun Behm zur Stadtgeschichte Böblingens. Bild: z

Der Ortsverband Böblingen von Bündnis 90/Die Grünen hatte zum historischen Stadtspaziergang eingeladen. Heidrun Behm konnte fast 50 Interessierte begrüßen, darunter Landtagsabgeordnete Thekla Walker und Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz.

Die Führung von Stadt- und Kreisrätin Heidrun Behm begann am Rosengarten. „Von hier haben wir den besten Blick auf unsere Stadtsilhouette mit Stadtkirche, Altem Rathaus und Zehntscheuer. Sie zeugen sowohl von der Historie im Mittelalter als auch vom Wiederaufbau nach dem Krieg. Das ehemalige Schloss kann nur noch als Fehlstelle geortet werden,“ so Behm. Attila Melzer konnte anhand von Folien immer wieder die historische Einordnung anschaulich zeigen und verschiedene Aufnahmen präsentieren.

Die beiden Seen, aufgestaut durch den Murkenbach, wurden im Mittelalter auch für den Betrieb von drei Mühlen genutzt. Staffelmühle, Rohrmühle und die Obere Mühle verarbeiteten sowohl Öl als auch Getreide. Auch gab es eine sogenannte Badstube, die von der Bevölkerung nicht nur zu Reinigungszwecken aufgesucht wurde. Der Bader zog auch Zähne und schröpfte und trug so zur Gesunderhaltung der Böblinger bei.

Am Elbenplatz, benannt nach einem seiner Ehrenbürger, dem Böblingen im 19. Jahrhundert den Anschluss an die Gäubahn zu verdanken hatte, befand sich im Mittelalter eines der Stadttore. Am Bauernkriegsmuseum streifte Behm kurz die Historie des Aufstandes und die verheerende Niederlage der Bauern.

„Wer weiß, dass es noch heute ein Haus gibt, das auf der alten Stadtmauer steht?“ Auch sie habe es eher zufällig entdeckt, im Zuge der Recherchen für das Buch „Bauern, Bürger, Pioniere. Unterwegs in Böblinger Geschichte“, bei dem sie Mitautorin war. So ist sie immer wieder für Hinweise dankbar, die Böblinger aus ihrer Familiengeschichte beitragen können. So erzählte ein Teilnehmer beispielsweise am Grünen Turm an der Nordseite des Schlossbergs, dass dort nach 1945 kurzzeitig Flüchtlinge untergebracht waren, als Wohnraum dringend benötigt wurde.

Der Grüne Turm, benannt nach seinen ursprünglich ausschließlich grünen Dachziegeln, war bis ins 19. Jahrhundert Gefängnis. Heute im Eigentum der Stadt, steht er derzeit leer. Mit Blick auf Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz wurden gleich mehrere Ideen kundgetan, wie man ihn sinnvoll und angemessen nutzen könne. „Wir sind da dran,“ kommentierte er schmunzelnd und nahm auch diese Anregungen zur Kenntnis.

Oben auf dem Schlossberg angelangt, zeigte Behm die kleine Grünanlage, deren rechteckige Form dem Südflügel des ehemaligen Schlosses nachempfunden ist. Aus dem 10./11. Jahrhundert stammend, hatte das Schloss eine sehr wechselvolle Geschichte und prägte das Böblinger Stadtbild bis 1943, als es beim Bombenangriff fast vollständig zerstört worden war. Die verschiedenen Adelsgeschlechter nutzten das Schloss als Stammsitz, Jagdschloss und Witwensitz. Von zwei dieser Witwen, Barbara Gonzaga aus Mantua und Mechthild von der Pfalz, gingen wesentliche stadt- und kulturprägende Initiativen aus.