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Von Thomas Holzapfel · 14.09.2021

Hochwasser-Katastrophe: Ein Helfer-Bus aus Gärtringen rollt ins Ahrtal

Tina Posedi aus Gärtringen organisiert die Fahrt für Samstag, 18. September

  • Bilder der Zerstörung, aber auch der Dankbarkeit für die Hilfe hat Tina Posedi aus dem Ahrtal mitgebracht. Bilder: z

  • Bilder der Zerstörung, aber auch der Dankbarkeit für die Hilfe hat Tina Posedi aus dem Ahrtal mitgebracht. Bilder:z

Gärtringen - Untätigkeit ist nicht das Ding von Tina Posedi. „Mir war schnell klar, dass ich ins Ahrtal fahren wollte, um im Katastrophengebiet mitzuhelfen“, sagt die Gärtringerin, die mittlerweile einige Tage vorort verbrachte, um mit anzupacken. Beim Entsorgen von Schlamm und Dreck, beim Entkernen von Gebäuden oder bei der Essenausgabe für die immer noch zahllosen Helfer in den betroffenen Gemeinden. Nun hat die 43-jährige zusammen mit ihrer Freundin einen Helferbus ins Hochwassergebiet organisiert.

„Anfang dieser Woche war ich nochmal im Ahrtal“, erzählt Tina Posedi von ihrem anstrengenden Tagestrip nach Dernau, den sie mit drei weiteren Personen im Privat-PKW unternahm. „Die Hochwasserkatastrophe ist in den Medien etwas in den Hintergrund gerückt. Wenn allerdings irgendwo geschrieben wurde, dass vor Ort keine Hilfe mehr benötigt werde, so ist das definitiv falsch“, stellt sie klar, „an dem Bedarf an Helfern hat sich im Prinzip nichts geändert.“ Bereits zu Beginn der Sommerferien machte sich Tina Posedi intensiv Gedanken darüber, wie sie sich im Hochwassergebiet sinnvoll einbringen könnte. Seit sie die schrecklichen Videos im Fernsehen und im Internet, dort vor allem von dem Kölner Markus Wipperfürth, gesehen hatte, ließ sie der Gedanke an die dramatische Situation im Ahrtal nicht los. „Über die Ahrhelp-Community im Internet habe ich dann Kontakt zum Helfershuttle aufgenommen“, so Posedi. Bis zu eintausend Menschen aus ganz Deutschland strömen täglich auf den riesigen Parkplatz des Innovationsparks in Grafschaft-Ringen. Von dort werden die hilfswilligen Personen mit Shuttlebussen im Minutentakt in die zerstörten Orte rund um Bad Neuenahr-Ahrweiler verteilt. 

„Ich bin Ende August einfach mal hochgefahren, habe zwei Mal im Auto übernachtet. Der erste Tag in Walporzheim war richtig anstrengend. In einem Privathaus wurde der Estrich herausgerissen, Wände wurden abgeklopft. Männer mit Stemmhämmern bereiteten alles vor und wir haben dann Steine geschleppt. Als wir mal eine Pause hatten, wurde uns von einem Ortskundigen die Gegend kurz gezeigt. Es war sehr deprimierend, das Ausmaß der Katastrophe zu sehen.“ Am zweiten Tag half Tina Posedi bei der Entschlammung eines Kellers, am dritten wurde mit dem Hochdruckreiniger ein Vereinsheim von der stinkenden Mischung aus Schlamm, Öl und Wasser befreit. „Alle acht Hallen des großen Vereins TuS Ahrweiler sind dem Hochwasser zum Opfer gefallen“, sagt Tina Posedi. 

Schon auf der Heimfahrt drehte sich in Tina Posedi’s Kopf das Gedankenkarussell. „Das kann’s nicht gewesen sein, ich muss noch etwas unternehmen. Und das möglichst nicht allein, sondern mit anderen.“ So nahm die Personal-Fitness-Trainerin und Sportlehrerin an einer Jettinger Schule Kontakt mit dem Deckenpfronner Busunternehmen Däuble auf, das sich bereit erklärte, einen Helferbus zu chartern. „Dieses Entgegenkommen fand ich richtig klasse“, so Posedi. Zusammen mit ihrer Freundin Isabell Santi organisiert sie die Tagesfahrt am 18. September – und die beiden hoffen auf eine gute Belegung des Busses. „Das findet natürlich alles corona-konform statt“, nimmt sie Bedenkenträgern schon mal den Wind aus den Segeln. Auch, was den Arbeitseinsatz im Ahrtal anbetrifft. „Nicht jeder bekommt da gleich einen Spaten oder sonstiges Gerät in die Hand gedrückt, jeder arbeitet nach seinen Präferenzen. Es werden auch Helfer für leichtere Arbeiten gesucht wie beispielsweise bei der Essensausgabe. Auch die Winzer in den Weinbergen benötigen viel Hilfe.“

Wer die betroffene Region finanziell unterstützen möchte, kann sich über Facebook beim ortsansässigen „Baustoffzelt Kaiser Walporzheim“ nach aktuellem Materialbedarf erkundigen. Dies ist auf ähnliche Weise auch möglich über die Internet-Seite www.helfer-shuttle.de. Über die gängigen Online-Händler kann dabei Ware bestellt und direkt an den großen zentralen Zeltbereich in Walporzheim geliefert werden.

Die Busfahrt mit Däuble-Reisen bietet Platz für 57 Personen. Abfahrt ist am 18. September um 4:45 Uhr am Rathaus Deckenpfronn, eine Viertelstunde später ist der Bus am Rathaus in Gärtringen. „Wir würden uns natürlich freuen, wenn der Bus voll werden würde“, sagen Tina Posedi und Isabell Santi, die für Anmeldungen und Rückfragen jederzeit zur Verfügung stehen (0174/9207805, E-Mail  tina@gesundheit-bewegt.de oder 0173/3647803, E-Mail info@isabell-santi.de)


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