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Von Simone Denu · 26.07.2021

Kreis Böblingen: Wohin mit dem Haustier im Urlaub?

Vierbeiner sind in manchen Hotels und an manchen Stränden nicht gestattet. Wohin also mit den Tieren, wenn eine Urlaubsreise ansteht? Bestimmt nicht an den nächsten Laternenmast

Tierschutzorganisationen fürchten, dass Hunde und Katzen, die insbesondere während der Pandemie angeschafft wurden, in der bevorstehenden Ferienzeit nun womöglich ausgesetzt werden. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, falls die neuen Familienmitglieder nicht mitkommen können: Tierheime verfügen über Pensionsplätze, es gibt zertifizierte und spezialisierte private Tierpensionen, Züchter bieten gelegentlich die Urlaubsbetreuung des bei ihnen gekauften Nachwuchses an und natürlich – gerade bei Katzen – ist die Betreuung zu Hause eine Option. Die rechtzeitige Planung ist allerdings relevant.

„Hunde lassen sich in den Urlaub mitnehmen“, sieht die Bondorfer Tierärztin Nadine Dieterle bei einer Reise innerhalb Europas bei diesen Vierbeinern keine Probleme. Katzen werden meist zu Hause betreut, so Dieterle. Sie hält das generell auch als besser für das Tier. Familie, Freunde oder Nachbarn springen oft ein, wenn es ums so genannte "Catsitting" während der Urlaubszeit geht, weiß Dr. Nora Straub, Tierärztin in Bondorf. „Pensionen bedeuten für die Katzen mehr Stress.“

Deutschlandweit agiert der Verein Freundeskreis Katze und Mensch, dessen Prinzip Catsitting auf Gegenseitigkeit lautet. So gibt es innerhalb des Vereins auch die Katzenfreunde Herrenberg mit 92 Mitgliedern, die sich unter anderem auf Gärtringen, Deckenpfronn, und natürlich Herrenberg verteilen. „Katzen sind Gewohnheitstiere“, sagt Herrenbergs Gruppenleiterin Monika Schneider. Der Vorteil des Vereins sei daher, dass die Katzen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und dort versorgt werden. „Ein wahrer First-Class-Service für Minka, Mieze und Schnurri“, heißt es entsprechend auf der Homepage der 1995 gegründeten Katzenfreunde.

Das Prinzip, so Monika Schneider, beruhe auf einem „Geben und Nehmen“. Für das Catsitting werde nicht bezahlt, im Gegenzug betreue man aber die Katzen anderer Mitglieder. „Allerdings muss man selbst in Aktion treten, wenn man eine Betreuung sucht“, erläutert Monika Schneider, die seit fünf Jahren Vereinsmitglied ist und seit Ende 2016 Gruppenleiterin. Es gibt keine Instanz, die eine Betreuung vermittelt. Inzwischen habe sie sich einen Stamm für das Catsitting aufgebaut, erzählt Monika Schneider – und aus den Betreuungsbeziehungen wurden richtige Freundschaften. Offiziell gibt es auch ein Punktesystem, „damit das Prinzip der gegenseitigen Betreuung nicht einseitig missbraucht wird“, wie es auf der Homepage erklärt wird. Monika Schneider äußert überspitzt: „Nicht, dass einer 100 Katzen betreut und ein anderer macht gar nichts.“

Vor kurzem machte die Herrenbergerin Urlaub auf Mallorca und verteilte die zweiwöchige Katzenpflege auf zwei Personen – eine kam immer morgens, eine andere regelmäßig am Abend. Die Betreuer erhalten den Hausschlüssel, sie füttern, bürsten und bespielen nicht nur die Katzen, sie gießen auch die Blumen und leeren den Briefkasten, schildert Monika Schneider. Bedenken hatte sie nie, ihren Haustürschlüssel weiterzugeben, zumal die Mitglieder auch mit ihren Personalausweisen angemeldet sind. „Da gibt es keine Dummies“, so die Gruppenleiterin. „Ich hatte immer ein sehr gutes Gefühl.“

Wegen der Corona-Pandemie sei die Kontaktpflege unter den Mitgliedern allerdings zu kurz gekommen, bedauert Monika Schneider. Die regelmäßigen Treffen fielen aus und damit auch die Chance für Neulinge, beim Stammtisch jemanden kennenzulernen.

Für manche Katzenhalter kann auch eine Pension eine Alternative zum Sitting zu Hause sein – doch Katzenpensionen sind rar. In Nagold zum Beispiel befindet sich ein „Hotel“ mit zehn Plätzen. „Vor Corona waren die Plätze für die Sommerferien immer schon im Februar ausgebucht“, berichtet die Inhaberin, die nicht möchte, dass ihr Name in der Zeitung erscheint – sie fürchtet zu viele Anfragen, die sie nicht befriedigen kann. Zurzeit werden Plätze verhalten und unter Vorbehalt gebucht, erzählt die Betreiberin. Während der Pandemie hatte sie fast keine Katze in Pflege. „Das war der Corona-Effekt, die Leute sind nicht in den Urlaub gefahren.“

Meist ziehen bei ihr „Stammkunden“ ein oder es werden Katzen gebracht, die vom Tierarzt für die Urlaubszeit an sie verwiesen wurden – beispielsweise Diabetiker-Katzen, die eine besondere Versorgung benötigen. Urlaubern, die nach einer Unterkunft für ihr Tier suchen, empfiehlt die Pensionschefin: Das Haustier nie nur an der Haustür abzugeben. „Ich würde nie ein Tier in Pension geben, ohne eine vorherige Besichtigung.“ 

Auch im Böblinger Kreistierheim sind Pensionsgäste willkommen. Durch die geringere Belegung des Tierheims wegen der Corona-Pandemie gibt es hier „in diesem Sommer mehr Luft“, sagt Tierheim-Leiter Torsten Alzinger. „Unser Bestand ist geringer.“ Die Doppelzwinger bei den Hunden würden sich bei großem Interesse auch noch teilen lassen. Nebenan – im Tierschutzheim des Böblinger Tierschutzvereins – werden ebenfalls Feriengäste aufgenommen, sagt Vereinschefin Annette Lehmann, die hier auch die Hundetagesstätte „Hundekörbchen“ leitet.

Soll der Hund mit verreisen, gibt es eventuell vor Ort Möglichkeiten, das Tier betreuen zu lassen – so wie es etwa das Hotel Gasthof Hasen in Herrenberg anbietet. Susanne Kaiser, zuständig für Marketing und Sales, übernimmt bei Bedarf das "Dogsitting", wenn die Hotelgäste nach Stuttgart in die Oper, ins Musical oder einfach nur in die Stadt gehen und der Hund nicht mit kann. Je nachdem, wie lange die Betreuung ausfällt, geht Susanne Kaiser mit den Hunden spazieren und nimmt sie auch mit in ihr Büro. „Das Tier ist dann in der fremden Umgebung nicht allein.“

Hier geht es zum Freundeskreis Katze und Mensch e.V. www.katzenfreunde.de

Und hier geht es zum Böblinger Tierheim: http://www.kreistierheim-bb.de/start/unsere+tiere.html


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