Tim Schweiker · 29.10.2020

Kultur in der Krise: Es wird still

Meine Meinung

Kultur im Corona-Stress: Jetzt ist er da, der so genannte Lockdown light. Wir verwenden diesen Begriff hier nur ein Mal, um zu zeigen, wie höhnisch er in den Ohren der Betroffenen klingen muss.

Das Problem dabei ist nicht der Umstand, dass die Politik Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus trifft. Da wird es immer wieder unterschiedliche Ansichten geben und die Politk wird es nie allen recht machen.

Bedenklich ist, wie diese Maßnahmen zum Teil begründet werden. So sind im November „Veranstaltungen, die der Unterhaltung und der Freizeit dienen“ untersagt. Das ist entlarvend.

Kunst und Kultur gehören also in die Schublade Freizeit und Unterhaltung. Sie sind, wenn man dieser Argumentation folgt, verzichtbarer als etwa der Profifußball und der Rest der Wirtschaft.

Mal völlig abgesehen von dem Umstand, dass Kunst und Kultur nicht im luftleeren Raum stattfinden und selbstverständlich ein bedeutender Wirtschaftszweig sind, von dem viele Menschen leben, es stellt sich hier eine ganz grundsätzliche Frage: Kann es denn wirklich sein, dass Kultur in den Augen vieler Entscheidungsträger immer noch nicht mehr ist, als ein so genannter weicher Standortfaktor? Etwas also, worauf man im Zweifel verzichten kann? Der Verdacht drängt sich leider auf.

Dieser Haltung entgegenzuwirken, liegt nicht nur im im Interesse aller Kulturschaffenden. Wer glaubt, dass ihn Kultur nichts anginge, weil er ja eh nicht ins Theater oder ins Museum geht, der kann ja mal probehalber das heimische Bücherregal leeren. Wer keines hat, schalte einfach Fernseher, Radio und Handy aus, sobald Musik kommt. Es wird still.

tim.schweiker@szbz.de