Ihr Browser ist leider zu alt für diese Seite.
Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser bzw. wechseln auf einen Browser, der für das heutige Web geeignet ist.
Aus der unüberschaubaren Fülle der Neuerscheinungen haben wir zehn bemerkenswerte ausgewählt. Welche das sind, erfahren Sie in unserer Bildergalerie.
Von Stefan Kister
Juli Zeh, Simon Urban: Zwischen Welten. Roman, Luchterhand. 448 Seiten, 24 Euro. Früher haben sich Theresa und Stefan eine Studenten-WG geteilt, heute bewirtschaftet sie in der ostdeutschen Provinz einen Bauernhof, während er in Hamburg als Kulturjournalist Karriere gemacht hat. Nach langer Zeit sehen sie sich wieder und fangen in diesem zeitgenössischen Briefroman erst einmal zu streiten an – auf allen Kanälen. In zwei Bestsellern hat Juli Zeh die Gräben zwischen Stadt und Land, Ost und West zu überbrücken versucht. Für den dritten Streich hat sie sich ihren einstigen Schüler am Leipziger Literaturinstitut, den Schriftsteller Simon Urban, ins verständigungstherapeutische Boot geholt. Alles, wirklich alles, über was gerade getalkt oder gesprochen wird, kommt hier vor. Fraglich allerdings, ob die didaktischen Zuspitzungen der Handlungsführung nicht eher Öl in das Erregungsfeuer gießen, das dieses belletristische Kommunikationsexempel zu löschen vorgibt.
Foto: (c) Penguin Random House..
John Irving: Der letzte Sessellift. Roman. Aus dem Amerikanischen von Anna-Nina Kroll und Peter Torberg. Diogenes Verlag. 1088 Seiten, 36 Euro. John Irving krönt sein Schaffen mit einer monumentalen Fahrt durch ein winterlich verschneites Literaturmassiv, queere Lebenswelten und amerikanische Zeitgeschichte. Mehr als ein Roman ist dieser „Letzte Sessellift“ ein Medium, durchaus mit spiritistischem Nebensinn. Er beschwört noch einmal alles herauf, was in einem Schriftstellerleben Bedeutung hatte. In einem dichten Netz aus Motiven, Träumen, Wiederholungen verfangen sich schillernde Charaktere, auch solche, die durch extravagante Todesarten aus dem Leben geschieden sind und als Gespenster wiederkehren. Das hat in seiner Fülle, in seinem grobschlächtigen Humor wie dem mäandernden enzyklopädischen Gestus durchaus auch etwas Erschlagendes. Aber wer durchhält, will die Figuren dieses Lebensabenteuers nicht mehr missen. Und was lässt sich schöneres über ein Buch sagen, als dass nach seinem Ende die Sehnsucht bleibt.
Foto: Verlag/Verlag
Eugen Ruge: Pompeji. DTV. 368 Seiten, 25 Euro. In der antiken Stadt Pompeji mehren sich die Anzeichen für eine bevorstehende Katastrophe, doch das Leben geht weiter. Eugen Ruge erzählt vom Tanz auf einem sich immer weiter erhitzenden Vulkan, dessen Gefahren wegen kurzsichtiger Interessen nur allzu gerne aus den Augen verloren werden. Je tiefer hier die Geschichte ausgegraben wird, desto mehr Gegenwart kommt dabei ans Licht. Die Hauptfigur, ein gewisser Jowna alias Josephus, durchläuft eine Karriere vom Straßenkämpfer in höchste politische Ämter – wie ein früherer deutschen Außenminister. Eugen Ruge hat mit seinem Debüt „In Zeiten abnehmenden Lichts“ schon einmal einen großen Geschichtsroman über ein untergehendes Gemeinwesen geschrieben. Damals waren es die letzten Tage der DDR, jetzt sind es die Pompejis – oder etwa unsere eigenen?
Foto: Verlag/Verlag
Judith Hermann: Wir hätten uns alles gesagt. Fischer Verlag. 192 Seiten, 23 Euro. Wie schlau, die Verpuppung eines Lebensromans als Poetikvorlesung zu tarnen. Im Dunkeln einer Berliner Nacht begegnet die Ich-Erzählerin ihrem Psychoanalytiker. Am Ende erhält man nicht nur Zutritt zum Sommerhaus der Familie, sondern auch zu einigen Geheimnissen, die ihr Schreiben verhüllt. Man ahnt danach, woran es liegen könnte, dass das Lebensgefühl eines Augenblicks 25 Jahre später nichts von seinem Zauber verloren hat. Mit den Erzählbänden „Sommerhaus, später“ und „Nichts als Gespenster“ wurde die 1970 geborene Judith Hermann einst zur Stimme ihrer Generation. Sie ist es immer noch.
Foto: Verlag/Verlag
Benjamin von Stuckrad-Barre: Noch wach? Kiepenheuer&Witsch. 384 Seiten, 25 Euro. Nicht das beste, aber mit Sicherheit das lauteste Buch des Frühjahrs. Seit seinem ersten Roman „Soloalbum“ von 1998 drehen sich die Bücher Benjamin von Stuckrad-Barres im Wesentlichen um ihn selbst. Und nun soll es plötzlich um andere gehen? Das wäre einmal etwas Neues. In „Noch wach?“ hat der langjährige Springer-Autor die Metoo-Affäre um den früheren „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt vertextet. Sein Buch hat nicht nur als Marketing-Kampagne Maßstäbe gesetzt, sondern auch was die Vermischung von Beruflichem und Privaten angeht.
Foto: Verlag/Verlag
Bald beginnen die Pfingstferien. Doch was nützt das, wenn man nicht das richtige Buch zur Hand hat. Unsere Auswahl führt sie in die symbiotische Unschuld einer bunten Gegenwelt zur schrulligen Normalität. ...