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Künstlerpaar Nathalie Wolff und Matthias Bumiller

Böblingen: Deutsch-französische Skurrilitäten rund ums Fleischerhandwerk

Die Ausstellung „La Belle Bouchère – Die schöne Metzgerin“ ist mindestens zwei Jahre im Treppenhaus des Deutschen Fleischermuseums Böblingen zu sehen.
Matthias Bumiller und Nathalie Wolff

Matthias Bumiller und Nathalie Wolff.

Bild: Bild: Staber

Böblingen. Um kuriose Fundstücke rund ums Metzgerhandwerk dreht sich die gut 50 Exponate umfassende Ausstellung „La Belle Bouchère – Die schöne Metzgerin“, die mindestens zwei Jahre lang im Treppenhaus des Deutschen Fleischermuseums Böblingen zu sehen ist. Ein Jahr lang recherchierte das Künstlerpaar Nathalie Wolff und Matthias Bumiller für das deutsch-französische Projekt.

Schon immer eine eher mäßige Fleisch-Esserin, ist es dem Deutschen Fleischermuseum zu verdanken, dass sich die aus Straßburg stammende und seit vielen Jahren in Paris lebende Nathalie Wolff inzwischen konsequent vegetarisch ernährt: „Ich kann keine Wurst mehr riechen, es ekelt mich regelrecht“, erzählt die Pariser Künstlerin von dem Effekt, den die Arbeit an der Ausstellung „Darf‘s vom Guten etwas mehr sein?“ im Jahr 2020 hatte. Nathalie Wolff malte unzählige „Wurstaquarelle nach der Natur“ für die Böblinger Ausstellung, also mit Wurst vor der Nase. Das dabei entstandene „Wurst-Memory“ entwickelte sich zum Bestseller des Fleischermuseums, mit zwei so gut wie vollständig vergriffenen Auflagen.

Nicht die Schnauze voll

Vom Fleischermuseum hatte Nathalie Wolff dennoch nicht die Schnauze voll: Ebenfalls mit ihrem Partner, dem Grafiker Matthias Bumiller, konzipierte die Malerin die Jubiläumsausstellung der Böblinger Einrichtung, „Dein Fleischermuseum“. Für die Ausstellung „La Belle Bouchère“ kehrt das seit wenigen Wochen verlobte Paar also zum dritten Mal in das Böblinger Museum unter der Leitung von Dr. Christian Baudisch zurück. „Christian fragte uns vor einem Jahr, ob wir im Rahmen der ‚Französischen Wochen‘ vom Institut français Stuttgart eine deutsch-französische Ausstellung konzipieren könnten, die thematisch zum Fleischermuseum passt“, erzählt Matthias Bumiller, der aus Jungingen auf der Schwäbischen Alb stammt und seit 30 Jahren in Stuttgart lebt: „Also begannen wir zu recherchieren.“

Fündig wurde das Paar auf Streifzügen durch Frankreich und Deutschland, unter anderem in Paris, Lyon, Nantes und Stuttgart, im Internet sowie im Archiv des Fleischermuseums. Fotos, unter anderem von einer Salami namens „Jesus“, Papiere, die Metzger zum Einwickeln ihrer Ware verwenden, Postkarten mit französischen Fleisch-Rezepten, Historisches und Aktuelles: Allerhand Kurioses und Skurriles rund ums Fleischerhandwerk haben Nathalie Wolff und Matthias Bumiller mit ihrem künstlerischen Blick zusammengetragen. Auch ein originales Filmplakat von Claude Chabrols Film „Le boucher – Der Schlachter“ findet sich unter den gut 50 Exponaten. „Das habe ich auf Ebay gefunden“, so Matthias Bumiller, „das war nicht ganz billig.“

Deutsch-französischer Blick

Die Ausstellung im Böblinger Fleischermuseum schließt an die „22. Französischen Wochen im Großraum Stuttgart“ an, die vom Institut français Stuttgart veranstaltet werden, das in diesem Jahr sein 75. Jubiläum feiert. Die Jubiläumsausstellung „75 Jahre deutsch-französische Jubiläumsausstellung“, die bis zum 31. Juli im Institut français zu sehen ist, wurde ebenfalls von Nathalie Wolff und Matthias Bumiller gestaltet. Für ihr langjähriges Bemühen um die deutsch-französische Freundschaft wurde das Paar zudem vom französischen Kulturminister mit dem Orden „Traité de l’Élysée – Élysée-Vertrag“ ausgezeichnet.

„Dazu passt wunderbar, dass Nathalie Wolff und Matthias Bumiller seit letzter Woche miteinander verlobt sind, und dass wir jüngst den Europatag gefeiert haben“, so Böblingens Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz bei der Ausstellungseröffnung. Mit ihrem humorvollen, deutsch-französischen Blick auf „Alltägliches und Skurriles“ leiste die Ausstellung „La Belle Bouchère“ einen wunderbaren Beitrag zur europäischen Idee, so der OB.

Dass Böblingen in diesem Jahr 70 Jahre Städtepartnerschaft mit Pontoise feiere, zeige, wie lebendig die deutsch-französische Freundschaft hier sei, sagt Gaël de Maisonneuve, französischer Generalkonsul in Stuttgart, der zur Ausstellungseröffnung ins Fleischermuseum gekommen ist.

Dokumentation der Eröffnung

Mit der Ausstellung gehört Böblingen, neben Fellbach, Gerlingen, Leonberg, Ditzingen, Bietigheim-Bissingen und Nürtingen, zu einem der Orte, die Nina Kormann im Auftrag des Institut français Stuttgart für einen Video-Blog rund um deutsch-französische Orte im Großraum Stuttgart dokumentiert. „Zum 75. Jubiläum des Instituts schließen wir damit an einen Audio-Blog über deutsch-französische Orte in Stuttgart an“, so Natalie Kormann, die zur Dokumentation der Ausstellungseröffnung ins Böblinger Fleischermuseum gekommen ist.

„Ich freue mich sehr, dass wir mit unserer Einrichtung Teil der Französischen Wochen sind“, sagt der Leiter des Fleischermuseums Christian Baudisch. „La Belle Bouchère“ werde voraussichtlich zwei Jahre lang im Treppenhaus des Vogtshauses, also des vorderen Teils des Museums am Böblinger Marktplatz, zu sehen sein: „Bis uns etwas anderes einfällt.“

Info

Das Deutsche Fleischermuseum Böblingen ist unter www.fleischermuseum.boeblingen.de im Internet zu finden.

Die Video-Dokumentation zu deutsch-französischen Orten wird auf dem Instagram-Profil des Institut français Stuttgart unter www.instagram.com/institut.francais.stuttgart zu finden sein.