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Seit 2008 Sozialamtsleiter

Eine Ära geht zu Ende: Klaus Feistauer verabschiedet sich

Nach 18 Jahren an der Spitze des Böblinger Sozialamts wurde Klaus Feistauer feierlich verabschiedet. Die Leitung des Amts für Soziales übernimmt Christian Bergmann.
Klaus Feistauer (rechts) verabschiedet sich nach 18 Jahren an der Spitze des Sozialamts. Offiziell begrüßt wurde sein Nachfolger Christian Bergmann (Mitte) von Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz.

Klaus Feistauer (rechts) verabschiedet sich nach 18 Jahren an der Spitze des Sozialamts. Offiziell begrüßt wurde sein Nachfolger Christian Bergmann (Mitte) von Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz.

Bild: Stadt Böblingen

Böblingen. Der ganze Saal erhebt sich, als Klaus Feistauer in der jüngsten Gemeinderatssitzung verabschiedet wird. Langanhaltender Applaus begleitet den Mann, der 18 Jahre lang an der Spitze des Amts für Soziales der Stadt Böblingen stand. Zum 1. August wechselt er als Sozialdezernent zum Landkreis Reutlingen. Sein Abschied steht für das Ende eines Kapitels der Stadt, deren soziale Entwicklung er in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt hat.

„Wenn ein solch ausgewiesener und erfahrener Verwaltungsbeamter eine wichtige Schlüsselposition verlässt – und das nach fast zwei Jahrzehnten –, dann sprechen wir einerseits von einem Einschnitt“, so Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz bei der feierlichen Verabschiedung. „Wir sprechen andererseits zugleich – um die Medaille umzudrehen – von einer erfolgreichen Ära der Sozialpolitik und der sozialen Entwicklung unserer Stadt.“

In Feistauers Amtszeit fallen herausfordernde Zeiten wie die Flüchtlingskrise 2015 und der Ukraine-Krieg. Doch wie Belz betonte: Was gute Sozialpolitik auszeichne, sei mehr als die Bewältigung aktueller Herausforderungen. „Sie bedeutet vor allem, Perspektiven zu schaffen, Entwicklungen vorauszudenken und die Zukunft aktiv zu gestalten.“

18 Jahre, 18 Kitas

Das spiegelt sich in der Bilanz von Feistauers Amtszeit wider. Unter seiner Leitung wurde die Kinderbetreuung deutlich ausgebaut: In 18 Jahren entstanden 18 neue Kitas, hinzu kamen 14 Krippengruppen durch An- und Umbauten bestehender Einrichtungen. Auch in anderen Bereichen setzte das Sozialamt wichtige Akzente. Seit 2010 gibt es eine Integrationsbeauftragte, zwei Jahre später folgte der Integrationsrat. Neue Stadtteiltreffs im Grund, in der Kernstadt und auf dem Flugfeld stärkten die Quartiersarbeit. Parallel wurden die Unterbringungskapazitäten für Geflüchtete erheblich erweitert. Heute sind in Böblingen zehnmal so viele Menschen untergebracht wie noch 2015. „Deshalb war es folgerichtig, dass ein Integrationsmanagement aufgebaut wurde“, sagte Belz.

Als Leiter des Bereichs Gesundheit im städtischen Verwaltungsstab war Feistauer bei Großschadensereignissen und im Bevölkerungsschutz eine wichtige Stütze – ob während der Corona-Pandemie, bei Kampfmittelfunden oder Trinkwasserverunreinigungen. Sein Credo dabei, so Belz: „Ruhe bewahren, die Lage klar sondieren und bewerten, dann so konsequent wie erforderlich und so nachvollziehbar wie möglich handeln.“

Leiter des größten Amts der Stadtverwaltung

Seit 2008 leitete Feistauer das mit rund 550 Mitarbeitenden größte Amt der Stadtverwaltung. Zuvor war der Diplom-Verwaltungswirt in Metzingen als Leiter der Ausländerbehörde tätig, bevor er nach Schwäbisch Gmünd wechselte. Dort arbeitete er ab 1999 als Integrationsbeauftragter, später als Leiter der Abteilung Kindertagesbetreuung und schließlich als stellvertretender Leiter des Sozialamts. Nun verlässt er Böblingen. Im Reutlinger Landratsamt übernimmt er die Leitung des Sozialdezernats. Dort verantwortet er das Kreissozial-, Kreisjugend- und Kreisgesundheitsamt sowie die Planung, Steuerung und Umsetzung sozialer Leistungen. Wie Feistauer selbst gesagt habe, wechsle er die Perspektive, nicht die Leidenschaft.

Belz würdigte insbesondere die Bandbreite der Aufgaben, die Feistauer verantwortete – von Kindertagesbetreuung über Integration und Pflege bis hin zu Wohnen, Obdach und Rente. Diese Themen fachlich stark, menschlich verbindend und mit kommunalpolitischem Gespür weiterzuentwickeln, sei eine besondere Leistung. „Eine Leistung, die Sie mit Bravour und in meinen Augen ausgezeichnet vollbracht haben – dank fundierter Expertise, großer Weitsicht und Ihrer ebenso herzlich-humorvollen wie verbindlichen Art“, sagte der Oberbürgermeister. Zum Abschied überreichte er Klaus Feistauer einen Böblinger Meterstab – als Werkzeug für seine weiteren „Vermessungen des Sozialen“ im Landratsamt Reutlingen.

Bei aller Anerkennung wollte Feistauer den Erfolg nicht für sich allein beanspruchen. Die lange Liste der Projekte habe nur entstehen können, weil viele mitgewirkt hätten. Er bedankte sich bei den Mitgliedern des derzeitigen Gemeinderats sowie den Mitgliedern vergangener Wahlperioden, die die Arbeit des Sozialamts mitgetragen hätten. Zum Abschied gab er der Stadt noch mit auf den Weg, bei allem „das richtige Maß“ anzuwenden und nichts kaputt zu sparen. „Sie werden es zusammen hinkriegen“, zeigte er sich überzeugt. Er jedenfalls werde aus der Ferne ein bisschen spicken, kündigte er an.

Nachfolger mit breiter Erfahrung

Als sein Nachfolger wurde Christian Bergmann begrüßt. Als symbolischen Staffelstab überreichte OB Belz dem neuen Amtsleiter einen „echten Meter“ regionaler Schokolade. „Gerade die sozialen Dinge im Leben sind wie ein Staffellauf“, sagte der OB dazu. „Sehen Sie diesen Meter als Zeichen für die Stärke Ihres Teams: gemeinsam anpacken, sich austauschen und vorankommen.“

Belz sieht den neuen Amtsleiter gut gerüstet für die anstehenden Aufgaben. „Mit Christian Bergmann setzen wir unseren bewährten Weg einer sozial verlässlichen, solidarischen und zukunftsgerichteten Stadtgesellschaft fort“, sagte der OB. Bergmann verfüge über breite Erfahrung in der kommunalen Sozialverwaltung und bringe zugleich wertvolle Perspektiven aus Wissenschaft und freier Trägerlandschaft mit. Damit sei er gut aufgestellt, um das Amt für Soziales in einer Zeit wachsender sozialer Aufgaben und angespannter finanzieller Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln.

Der Diplom-Sozialpädagoge und Politikwissenschaftler war seit 2017 Leiter des Fachbereichs Familie und Soziales der Stadt Schorndorf. Zuvor leitete er bei der Stadt Esslingen unter anderem das Amt für Soziales und Sport sowie die Stabsstelle Sozialplanung. Weitere Stationen am Deutschen Jugendinstitut in München und bei freien Trägern ergänzen seine kommunale Erfahrung um wissenschaftliche Perspektiven.