

„Ich bin begeistert. Wir hatten den kompletten Montag über durchgängig Kundschaft. Alle halten sich konsequent an die Sicherheits- und Hygienevorschriften. Darüber freue ich mich sehr. Meine Mitarbeiterinnen und ich tragen Mundschutz – sowohl zum Schutz der Kunden, als auch um uns selbst vor einer Ansteckungsgefahr zu bewahren. Wir wollen schließlich alle, dass die Infektionszahlen nicht wieder ansteigen“, sagt Carola Klein, Inhaberin von Mode Klein in der Sindelfinger Planiestraße.
Lediglich vier Personen dürfen sich gleichzeitig im Laden aufhalten. „Unsere Kundschaft hat dafür großes Verständnis gezeigt. Ich begrüße es sehr, dass es nun auch in Baden-Württemberg ab dem 27. April eine Maskenpflicht beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr gibt“, sagt Carola Klein.
„Bitte halten Sie während Ihres Aufenthalts in unserem Geschäft 2 Meter Abstand zu Kunden und Mitarbeitern und beachten die allgemein gültigen Hygienevorschriften“, dies steht am Eingang des Fahrradhändlers Sportivo in der Sindelfinger Schwertstraße geschrieben. Bei den Inhabern Jürgen Lindner und Thomas Schlosser herrscht Aufbruchstimmung. „Alleine am Montag hatten wir 200 Reparaturen. Da uns das Ostergeschäft dieses Jahr fehlte, ist dies natürlich Gold wert. Auch der Räderverkauf macht Hoffnung. Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir unser Ladengeschäft wieder öffnen durften, da nun Hauptsaison ist“, sagt Thomas Schlosser.
Online-Handel auf Hochtouren
Die Verkaufsfläche von Elektro Elsässer ist deutlich größer als 800 Quadratmeter. Deutschlands größer Euronics-Händler darf deshalb laut Corona-Verordnung seine Pforten nicht öffnen. „Natürlich wäre es uns anders lieber. Wir können es aber nicht ändern und machen das Beste aus der Situation“, sagt Eberhard Elsässer. Dafür läuft in der Sindelfinger Schwertstraße der Online-Handel auf Hochtouren. „Nun zahlt sich aus, dass mein Sohn Lorenz den Online-Handel auch schon in Vor-Corona-Zeiten forciert hat“, macht Eberhard Elsässer deutlich.
Als einer der wenigen Einzelhändler hat Elektro Elsässer keine Kurzarbeit angemeldet. „Wir sind unseren Mitarbeitern für ihren Einsatz in dieser schwierigen Zeit sehr dankbar. Durch die Weiterzahlung des vollen Lohns möchten wir unseren Dank zum Ausdruck bringen“, so Eberhard Elsässer.
Durch den Erlass der Bundes- und Landesregierung in Sachen Corona haben auch in den Sindelfinger und Böblinger Einkaufszentren viele Läden wieder geöffnet. Auf SZ/BZ-Anfrage antwortet Dennis Reichpietsch, Centermanager im Breuningerland Sindelfingen: „Gemäß der Verordnung der Landesregierung Baden-Württemberg wird der Betrieb im Breuningerland Sindelfingen seit Montag, 20. April, unter Berücksichtigung sämtlicher Schutz- und Hygienemaßnahmen angepasst.“
Aufgrund der relativen Kurzfristigkeit hätten nicht alle Shops bis 800 Quadratmeter Fläche sofort öffnen können und es könne fortlaufend Änderungen geben. „Auf unserer Website findet man einen aktuellen Überblick über alle Shops, die ihren Betrieb zusätzlich zu den Grundversorgern wieder aufnehmen werden“, so Dennis Reichpietsch.
Im Breuningerland Sindelfingen gelten weiterhin die Regelungen zur Kontaktbeschränkung. „Wir bitten darum, nicht in Gruppen ins Center zu kommen und aus Rücksicht auf andere Personen den Besuch so kurz wie möglich zu halten. Wir treffen nochmals verstärkte umfassende Schutz- und Hygienemaßnahmen. Im Fokus stehen insbesondere Abstands- und Zutrittsregeln, Tragen von Mund- und Nasenschutz beim Center- und Sicherheitspersonal (je nach Situation) sowie fortgeführte intensive Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen“, verdeutlicht Dennis Reichpietsch.
Schrittweise Öffnung
Im Sindelfinger Stern Center ist man ebenfalls auf dem Weg zurück zu einem Stück weit Normalität. „Wir werden den Betrieb im Stern Center unter Berücksichtigung sämtlicher Schutz- und Hygienemaßnahmen schrittweise nach und nach wieder öffnen. Wir bitten unsere Kunden, beim Betreten des Centers die vorgeschriebenen Kontaktregeln zu beachten und das Stern Center ausschließlich zum Zweck des Einkaufs aufzusuchen“, sagt Centermanager Christian Trapmann.
Auch die Mercaden Böblingen laufen noch auf Sparflamme. Aber zumindest haben nun auch neben dem Drogeriemarkt Müller, dem Edeka und der Apotheke die meisten kleineren Läden wieder geöffnet. Und das ebenfalls unter Einhaltung aller gebotenen Hygienemaßnahmen. „50 Prozent unserer Shops sind wieder auf, weitere kommen in den nächsten Tagen dazu“, erklärt Center-Manager Edip Özerol. „Wir sind sehr erleichtert, dass wir endlich wieder Leben im Center haben.“ Damit das auch so bleiben kann und weder Besucher noch Mitarbeiter gefährdet sind, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, habe man ganz eng mit dem Ordnungsamt der Stadt kommuniziert und kooperiert.
So hat man den Ein- und Ausgang voneinander getrennt und mehr Sicherheitspersonal engagiert, das darauf achtet, dass Abstände eingehalten werden und dafür sorgen soll, dass die Besucher die Mercaden nicht als Pausenraum benutzen, sondern in Bewegung bleiben. „Zusätzlich werden wir als Leitlinie Bodensticker anbringen“, so Edip Özerol, der mit allen Maßnahmen auch im Internet geäußerte Kritik zur Wiedereröffnung begegnen will. „Ich verstehe die Sorgen. Aber wir machen alles erdenklich mögliche, um die Sicherheit zu gewährleisten.“ Man dürfe nicht vergessen, dass es auch um viele Arbeitsplätze gehe.
Start nach Maß
Einen Start nach Maß legte der Böblinger Einzelhändler Leder Maurer am Montag in seinem Stammhaus in der Sindelfinger Straße hin, das mit Markierungen und Sicherheitsvorkehrungen aller Art ausgestattet worden ist. „Wir haben bereits in der vergangenen Woche Kundentermine vereinbart. Das hat sehr gut geklappt, unsere Kunden haben sich hervorragend an die Regeln gehalten und vollstes Verständnis gezeigt“, erklärt Inhaber Ralf Maurer. „Der ganze Tag war von 9 bis 19 Uhr durchgetaktet.“
Groß ist die Nachfrage vor allen Dingen nach Schulranzen – zahlreiche Kinder haben nun nachträglich ihr heiß begehrtes Ostergeschenk erhalten, berichtet Ralf Maurer, der trotz guter Frequenz an den ersten zwei Tagen nicht in Euphorie verfallen will. „Die Coronakrise ist noch nicht vorbei“, sagt er. „Wir wissen ja noch nicht, wie sich alles weiterentwickelt.“ Einmal wisse man nicht, wie sich das Einkaufsverhalten in den kommenden Wochen fortsetzt, zumal ein wichtiger Bereich in seinem Segment, Koffer und Reisetaschen, wahrscheinlich diesen Sommer kaum gefragt sein dürfte. Dazu hat Leder Maurer zwei Filialen im Breuningerland und eine in den Mercaden. „Und auch hier müssen wir erst noch sehen, wie die Dinge anlaufen“, sagt er mit Blick auf die strengen Bestimmungen, dass sich in den Filialen aktuell maximal zwei Kunden auf einmal aufhalten dürfen. „Wirtschaftlichkeit ist etwas anderes.“ Insgesamt ist er aber erst einmal froh, dass die Läden wieder offen sind und die Kundschaft Treue zeigt. „Das tut schon unheimlich gut.“
Wieder geöffnet hat auch expert Kröhnke auf der Böblinger Hulb. Der Elektronikspezialist hat sich bestens präpariert, um alle Hygienevorschriften einzuhalten. Schon am Parkplatz vor dem Haus sind unübersehbar Hinweisschilder angebracht, die Ladentür bleibt geschlossen, wenn zu viele Kunden im Laden sind – mit einer Türklingel kann man aber einen Mitarbeiter auf sich aufmerksam machen.
Während der Schließung war der Böblinger Fachhändler zwar mit seinem Serviceangebot und einem eigenen Online-Shop für die Kunden da – doch trotzdem ist man nun froh und motiviert, wieder direkt als Ansprechpartner beratend zur Seite stehen zu können.




