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Sindelfingen: Gottesdienst und Rückblick zum Jubiläum 40 Jahre Sozialstation und 20 Jahre Ökumenische Sozialstation / Eine der größten Einrichtungen in Baden-Württemberg

Auf jeden Bedarf und jede Lücke reagieren

40 Jahre Sozialstation und 20 Jahre Ökumenische Sozialstation feierten alle Kooperationspartner mit einem Gottesdienst in der Martinskirche und einem Rückblick im Stiftshof.
Von unserer Mitarbeiterin Renate Lück
Pfarrer Jens Junginger, Pfarrer i.R. Walter Bachteler, Geschäftsführer Rolf Schneider, Pflegedienstleiter Thomas Jaskolka, Ingrid Balzer, Oberbürgermeister Dr. Vöhringer und Eberhard Werz (von links) erinnerten an die Anfänge der Sozialstation und die Herausforderungen der Zukunft. Bild: Lück

Pfarrer Jens Junginger, Pfarrer i.R. Walter Bachteler, Geschäftsführer Rolf Schneider, Pflegedienstleiter Thomas Jaskolka, Ingrid Balzer, Oberbürgermeister Dr. Vöhringer und Eberhard Werz (von links) erinnerten an die Anfänge der Sozialstation und die Herausforderungen der Zukunft. Bild: Lück

Pfarrer Jens Junginger ging in seiner ersten offiziellen Predigt auf das Thema „Suchet der Stadt Bestes“ ein, das so passend erschien. Allerdings predigte dies Jeremia den verschleppten Juden in Babylonien circa 500 Jahre vor Christus. Sie sollten sich – da sie vermutlich dort etliche Jahrzehnte leben würden – integrieren und Häuser bauen und für ein friedliches Miteinander sorgen, so wie es die Bürgerschaft in Sindelfingen mit den zugezogenen Gastarbeitern und Flüchtlingen beim Straßenfest zeige. Dabei sollten sie sich nicht verbiegen, sondern bei ihrer Haltung und Religion bleiben.

Babylonische Gefangenschaft

In einer Art Babylonischer Gefangenschaft befinde sich die Sozialstation heute, wenn sie nach den gesetzlichen Vorgaben so wirtschaftlich und billig wie möglich arbeiten soll, um ihre Glaubwürdigkeit und christliche Orientierung zu bewahren. Und das sowohl den Patienten und Kunden gegenüber als auch den Mitarbeitenden, die zu niedrig bezahlt werden.

Eberhard Werz, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, betonte ebenfalls in Richtung der rund 400 Mitarbeitenden: „Sie sind die Sozialstation, die sich von Montag bis Sonntag für die Kunden einsetzt.“ Der Jahresumsatz der Sozialstation betrage zurzeit über elf Millionen Euro, ähnlich sei es bei der Stiftung Innovation und Pflege.

Vor 40 Jahren habe Pfarrer Walter Bachteler die Initiative ergriffen, zusammen mit den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Sindelfingen, den Krankenpflegevereinen in Sindelfingen, Darmsheim, Maichingen und Magstadt sowie der Gemeinde Magstadt die Sozialstation zu gründen. Die Stadt Sindelfingen steht ihr als Berater zur Seite.

Die Änderungen des Sozialgesetzes zur Pflege mache die Verpflichtung nicht immer einfach. Viele Krankenhäuser schließen ihre Entbindungsstationen und die Hebammen könnten die Aufgabe nicht immer stemmen. „Vielleicht muss die Sozialstation dieses Gebiet auch noch übernehmen.“

Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer bescheinigte den Anwesenden: „Die Sozialstation hat eine große Bedeutung für Sindelfingen und den Spagat zwischen menschlicher Zuwendung und Wirtschaftlichkeit haben Sie bisher hervorragend bewältigt.“

Die Sozialstation habe sich toll entwickelt mit der Tagespflege am Marktplatz und der neuen Anlaufstelle in der Böblinger Straße. „Die Sozialstation ist eine der größten in Baden-Württemberg und reagiert auf jeden Bedarf und jede Lücke.“ Auch der Tafelladen gehöre dazu. Er überreichte Eberhard Werz und seiner Stellvertreterin Ingrid Balzer einen Blumenstrauß und dankte für ihr Engagement.

Ingrid Balzer beglückwünschte die Sozialstation im Namen der evangelischen Gesamtgemeinde und hatte doch die Entwicklung hautnah miterlebt. Selbst ihre Mutter wurde in den letzten Jahren gepflegt. Pfarrer Bachteler war der Geburtshelfer der Sozialstation, gebündelt aus „Essen auf Rädern“, Nachbarschaftshilfe und den Krankenpflegevereinen. Er sei dabei geblieben und habe für Kontinuität und Weiterentwicklung gesorgt. „Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen die Zukunft gut entgegenkommt, allen Gesetzen aus Berlin zum Trotz, die uns nicht so bewegen lassen, wie wir gern möchten.“

Anfangs-Schwierigkeiten

Walter Bachteler schob die Initiative auf den damaligen Sozialamtsleiter Helmut Bäuerlein, der 1976 den Anstoß gab. Er selbst habe dann beim Innovationszuschuss des Landes von 300 000 DM zugegriffen. Er erinnerte an die anfänglichen Schwierigkeiten und Enttäuschungen und die Umzüge vom Büro in der Ziegelstraße zum Stiftshof. Rolf Schneider, der anfangs noch Kirchenpfleger war, avancierte zum Geschäftsführer. Die Organisation wurde umstrukturiert. Dann durften auch Personen mitwirken, die keiner Kirche angehörten. Die Satzung wurde geändert in eine Ökumenische Sozialstation gGmbH. Als Vorsitzender des Diakonievereins beobachtete er die Entwicklung seines Babys auch noch nach seiner Pensionierung.

Rolf Schneider freute sich über das Vertrauen, das so viele Menschen der Sozialstation entgegenbringen. Die Mitarbeiterinnen in der Pflege hätten rund vier Millionen Hausbesuche gemacht und viele Gespräche geführt. In Zukunft werde es sicher wieder Veränderungen geben beim Wohnen und in der Pflege.