

Sindelfingen. Sie haben unterschiedliche Lebensgeschichten, verschiedene Herkunftsländer, individuelle familiäre Situationen und berufliche Wege. Eines aber haben die 17 Frauen gemeinsam: Sie sind in Sindelfingen angekommen – hier fühlen sie sich zuhause. Das wird in der Ausstellung „Vielfältige Frauen in Sindelfingen“ deutlich, die aktuell im Rahmen der Biennale im Stern-Center zu sehen ist.
An den Wänden des Kunstraums im Erdgeschoss des Stern-Centers hängen Stoff-Bahnen, auf denen die Frauen abgebildet sind. Jedes Banner ist zwei Meter hoch und einen Meter breit. Auch ein kleiner Ausschnitt ihrer Biographie ist abgedruckt. Eine der Frauen, die an dem Projekt des SmF-Sozialdiensts muslimischer Frauen in Sindelfingen teilnehmen, ist Hatice Kesginlikimiloglu. Die 53-Jährige ist in Ankara geboren und kam 1989 nach Deutschland, seit 1995 lebt sie in Sindelfingen.
Ihr Lieblingsplatz ist der Klostersee, an dem sie zur Ruhe kommen kann. „Ich engagiere mich ehrenamtlich als Patin beim SmF, helfe beispielsweise alten Leuten beim Einkaufen oder beim Arztbesuch und bastele mit Kindern“, sagt Hatice Kesginlikimiloglu im Gespräch mit der SZ/BZ. „Ich bin jederzeit bereit, neue Wege zu gehen“, ist auf der Stoffbahn mit ihrem Porträt zu lesen. Und das möchte sie in der Öffentlichkeit deutlich machen.

„Wenn Menschen eine Frau mit Kopftuch sehen, haben sie oft Vorurteile und denken, dass diese Frau kein Deutsch kann und nur zu hause sitzt“, sagt Hatice Kesginlikimiloglu. Sie möchte mit solchen Vorurteilen aufräumen.
Für den Sozialdienst muslimischer Frauen ist die Ausstellung etwas ganz besonders: Denn es ist der erste öffentliche Auftritt des SmF in Sindelfingen. Der SmF-Bundesverband wurde 2016 von sozial engagierten muslimischen Frauen gegründet. Es handelt sich um eine gemeinnützige Organisation, die in der freien Wohlfahrtspflege tätig ist. Seit 2019 gibt es den SmF-Verein auch in Sindelfingen. „Wir übernehmen soziale Dienste und unterstützen Familien“, erklärt die Sindelfinger Vorsitzende Melek Kaya. Das Aufgabengebiet ist breit gefächert: Die rund 30 Mitglieder in Sindelfingen begleiten Familien wie auch ältere Frauen im Alltag – unter anderem bei Behördengängen. Auch bei schulischen Problemen von Kindern stehen die Mitglieder beratend zur Seite.
„Schon im ersten Jahr haben wir knapp 90 Patenschaften zusammenbekommen“, blickt Melek Kaya zurück. „Uns ist es wichtig, immer auf die Bedürfnisse der Familien einzugehen. Dabei richten wir uns nicht nur an muslimische Frauen, sondern an alle.“
Bei dem Ausstellungs-Projekt wirken sowohl muslimische als auch christliche Frauen mit. Sie stammen ursprünglich unter anderem aus der Ukraine, Syrien, Kasachstan, der Türkei, Marokko, aber auch aus Deutschland.
Jede Teilnehmerin wurde an ihrem Lieblingsort in Sindelfingen fotografiert, darunter der Marktplatz, der Goldbachsee, die Martinskirche, das Eichholz-Wohngebiet, die Stadtbibliothek und der Sindelfinger Wald. „Das sind Orte, an denen sie sich wohl und zuhause fühlen“, betont Sindelfingens Kulturamtsleiter Markus Nau und ergänzt: „Diese persönlichen Einblicke sind ein schönes Zeichen für uns als Stadt.“
In Sindelfingen gibt es eine Vielfalt an Kulturen und Sprachen – Menschen aus 130 Nationen leben hier. Die Ausstellung lade dazu ein „neugierig zu sein, nachzudenken“ und biete die Möglichkeit, Neues kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen, so Christiane Mayer, stellvertretende Leiterin des städtischen Amts für Soziale Dienste. Der SmF trete für gleichberechtigte Teilhabe und Förderung eines gleichberechtigten, offenen Zusammenlebens ein – „ganz im Sinne unseres Konzepts für Vielfalt, Teilhaben und Dialog“, erläutert Christiane Mayer. Eigens aus Köln ist Ayten Kilicarslan angereist: Der Bundesvorsitzenden des Sozialdiensts muslimischer Frauen ist es wichtig, bei der Ausstellungs-Eröffnung dabei zu sein. „Wir haben in Deutschland eine Vielfalt, die gelebt wird“, sagt sie. Diese Vielfalt werde durch die Ausstellung bestätigt.
Die Bilder erzählen gezielt Frauengeschichten. Denn bei den Wohlfahrts-Strukturen stünden immer Frauen im Hintergrund, aber nicht im Vordergrund, so Ayten Kilicarslan. Das will der Sozialdienst muslimischer Frauen ändern.
Die Ausstellung im Stern-Center ist bis Ende Juli zu sehen. Der Eintritt ist frei. Im Rahmen der Biennale gibt es im Juli (1., 8., 15., 22., und 29. Juli) öffentliche Wochenendführungen zwischen 13 und 15 Uhr an. Anmeldung unter 01 74/2 75 38 75. Die Schau wird als Wanderausstellung über Buchungen fortgesetzt.




