

Böblingen. Seit dem 24. Februar und dem völkerrechtswidrigen Angriffs Russlands ist Krieg in der Ukraine. Dadurch verändert sich das Leben in Europa tiefgreifend. Das gilt insbesondere für alle, die in Angst um Leib und Leben aus der Ukraine in andere Länder fliehen müssen. Auch in Böblingen kommen viele Menschen aus der Ukraine an, die hier Obdach, Schutz und Hilfe suchen. Dafür ist die Stadtverwaltung auf Unterstützung aus der Bürgerschaft angewiesen. Gleichzeitig stemmt die Verwaltung mit vereinten Kräften seit drei Wochen viele zusätzliche Aufgaben. Dies bringt einen deutlichen Mehraufwand und längere Bearbeitungszeiten mit sich.
Seit vergangenem Freitag, 11. März sind rund 80 Personen in städtischen Unterkünften aufgenommen worden. Die verfügbaren Kapazitäten sind damit bis auf wenige Plätze belegt.
Außerdem sind der Stadtverwaltung rund 450 Personen bekannt, die derzeit noch bei Privatleuten wohnen. Hinzu kommen 73 Kinder und vier Betreuerinnen, die momentan in der Wildermuth-Kaserne untergebracht sind. Damit sind in der Stadt Böblingen offiziell derzeit über 600 Schutzsuchende aus der Ukraine bekannt.
Zusätzlich halten sich weitere Menschen aus der Ukraine in Böblingen auf, haben sich aber noch nicht bei einer Behörde gemeldet: Menschen, die aufgrund von Verwandtschafts- oder Freundschaftsbeziehungen in die Stadt gekommen sind.
Erster Bürgermeister Tobias Heizmann: „Um mehr Kapazitäten bei den Unterkünften zu schaffen, werden wir – also Landkreis und Stadt – zeitnah weitere Lösungen und Standorte prüfen und umsetzen müssen. Dies wird mit der Belegung von Hallen und anderen Räumlichkeiten auch Einschränkungen mit sich bringen: Eine gemeinsame Kraftanstrengung, die wir zusammen schultern werden.“
Erste wichtige Informationen für Geflüchtete sind im Amtsblatt und auf www.boeblingen.de/ukraine zusammengefasst. Sie werden in den kommenden Wochen ergänzt und angepasst.
Grundsätzlich gilt: Wer private Unterkunftsplätze anbieten kann, schreibt bitte eine E-Mail an mietverwaltung@boeblingen.de. Es helfen vor allem eigenständige Einheiten oder größere Gästezimmer, die für einen längeren Zeitraum ab mindestens drei Monaten verfügbar sind.
Für Anfragen zur Betreuung von Kindern unter sechs Jahren steht die Kita-Abteilung unter der E-Mail-Adresse kitaplatz@boeblingen.de zur Verfügung. Alternativ können die Angaben demnächst auch direkt in ein Online-Formular auf www.boeblingen.de/Kinderbetreuung eingegeben werden.
Zusätzlich wird auf mögliche Gefahren für ukrainische Frauen und Kinder bei dubiosen Wohnungsangeboten hingewiesen, die mit Menschenhandel und/oder sexualisierter Gewalt zusammenhängen können.
Für die Koordination des Ehrenamts in der Flüchtlingshilfe ist Mathy De Spiegeleir Ansprechpartner. Er ist unter der E-Mail-Adresse m.despiegeleir@boeblingen.de erreichbar. Aufgrund der Vielzahl der Angebote und Anfragen kann es zu Verzögerungen bei den Antworten kommen, wofür die Stadtverwaltung um Verständnis bittet.
Auch Sachspenden unterstützen die hier angekommenen Geflüchteten. Zur genauen Sammelstelle und zum Abgabezeitraum wird zeitnah informiert.
Benötigt werden vor allem folgende Dinge:
- Kleidung (speziell für Frauen und Kinder)
- Kleinspielzeug
- Hygieneartikel (Morgentoilette, Damenprodukte)
- Textilien wie Handtücher und Bettwäsche
- kleine (!) Haushaltsgeräte (z. B. Föhne, Wasserkocher)
- Geschirr und Küchenzubehör
Bitte die Gegenstände im Vorfeld sortieren und in beschriftete Kartons verpacken. Damit wird den ehrenamtlichen Helfern die Arbeit erleichtert. Lose oder einzelne Artikel können nicht angenommen werden.
Auch die Stadt Böblingen ruft die Bevölkerung zu Geldspenden auf. Diese Spenden kommen Geflüchteten aus der Ukraine direkt hier vor Ort in Böblingen und Dagersheim zugute – beispielsweise für gezielte unmittelbare Bedarfe an Kleidung, Nahrung, Medizin, Pflege oder Ähnliches, die sich nicht sofort aus vorhandenen Sachspenden abdecken lassen.
Bitte hierfür die bekannten städtischen Konten nutzen und den Verwendungszweck „Ukrainehilfe“ angeben:
Stadtverwaltung Böblingen – Kreissparkasse Böblingen, IBAN: DE82 6035 0130 0000 0000 31 oder Vereinigte Volksbanken eG, IBAN: DE52 6039 0000 0100 7000 04.
Nach zwei Jahren Krisenarbeit zur Bewältigung der Corona-Pandemie ist die Stadtverwaltung infolge des Ukraine-Krieges vom „normalen“ Arbeitsalltag nach wie vor weit entfernt. Die geschilderten Zahlen und Entwicklungen bringen etliche zusätzliche Aufgaben mit sich, die viele Ämter aktuell an ihre Kapazitätsgrenzen bringen. Dadurch kann sich die Bearbeitungszeit einzelner Anfragen und Anliegen aus der Bürgerschaft deutlich verlängern.
Abschließend unterstreicht OB Dr. Stefan Belz: „Wir in Böblingen und Dagersheim sind eine starke Gemeinschaft, die bereit zu Solidarität und Hilfe ist, wenn es darauf ankommt. Das haben wir bereits 2015 und auch während der Corona-Pandemie bewiesen. Rücken wir gerade jetzt zusammen und unterstützen wir gemeinsam die vom Krieg betroffenen Menschen.“



