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Dialogwoche vom 13. bis 19. März

Böblingen: Bürgerbeteiligung zur Schlossberg-Bebauung startet im März

Neues zur geplanten Schlossberg-Bebauung: Die Stadt Böblingen lädt vom 13. bis 19. März zur Dialogwoche in den „Treff am See“ ein. Dazu sollen die demnächst beginnenden archäologische Grabungen viele noch offenen Fragen beantworten.
Von Dirk Hamann

Böblingen. Seitdem Verwaltung und Gemeinderat das Thema Schlossberg-Bebauung in Böblingen vor zwei Jahren wieder auf die Agenda gesetzt haben, ist es eines, mit dem sich viele Bürger beschäftigen. Befürwortend, aber auch ablehnend. Ab Mitte März beginnt die nächste Planungsphase des Großprojekts, dann lädt die Stadt im Rahmen einer Dialogwoche im „Treff am See“ die Bürger dazu ein, sich zu informieren und sich mit Anregungen oder Kritik zu beteiligen.

Die Ausgangslage

Seit der Bombennacht im Oktober 1943 klafft auf dem Schlossberg neben der Stadtkirche eine schmerzhafte Lücke. Das Schloss, das bis dahin über der Stadt thronte, wurde in Schutt und Asche gelegt. Pläne und Ideen, das Gelände neu zu bebauen, gab es in den vergangenen Jahrzehnten zur Genüge. Realisiert wurden sie nie.

Verwaltung und Gemeinderat haben 2021 bei zwei Gegenstimmen einen Grundsatzbeschluss gefasst, dass ein erneuter Anlauf gestartet werden soll, auf dem Schlossberg neue Gebäude zu platzieren. Gebaut werden sollen sie nach dem Sieger-Entwurf des Architektenbüros Barkow Leibinger aus dem Jahr 2002. Zuerst sollen die drei Gebäudeteile interimsweise von den Schülern der Paul-Lechler-Schule, die von Grund auf saniert werden muss, genutzt werden, dann soll die Kunst- und Musikschule einziehen.

Der Entwurf

2002 wurde ein Architekten-Wettbewerb ausgerufen, mit dem Ziel, auf dem Schlossberg ein „kulturelles und gesellschaftliches Zentrum“ zu bauen. Der Sieger-Entwurf des Architekturbüros Barkow Leibinger hält sich an die historische Vorlage des einstigen Schlosses mit drei Gebäuden, die neben der Stadtkirche standen. Drei Jahre später verweigerte der Gemeinderat aus finanziellen Gründen seine Zustimmung für das Projekt. Jetzt wurde der Entwurf wieder aus der Schublade gezogen – und hat, trotz geschätzter Kosten von 36 Millionen Euro, gute Chancen, verwirklicht zu werden.

Die Kritik

In Böblingen sind zuletzt einige kritische Stimmen laut geworden, die die geplante Schlossberg-Bebauung kritisieren. Hauptkritikpunkte: die Kosten, der Schlossberg als Musikschul-Standort, eine Zunahme von Verkehr und vor allem die Ausmaße der Gebäude. Dazu wird immer wieder bemängelt, dass die Bürger über den Stand dieses das Stadtbild prägende Großprojekt zu wenig informiert werden würden – und es keinen Beteiligungsprozess geben würde.

Ganz neu ist ein weiterer Punkt: Dass die Bäume, die auf dem Schlossberg stehen, für archäologische Grabungen entfernt werden müssen, stößt auf Missfallen.

Die Bäume auf dem Schlossberg

Bevor das monatelange und rund 100 000 Euro teure Graben beginnt, müssen noch in diesem Monat rund zehn Bäume im Park neben der Stadtkirche weichen. Alte Apfeldorne. Drei dieser Bäume sind in einem so schlechten Zustand, dass man sie in naher Zukunft ohnehin entfernen müsse, so Christine Kraayvanger. Andere verursachten mit ihren Wurzeln Schäden an den Stützmauern. Um für Ersatz zu sorgen, habe man auf dem Schlossberg sechs Standorte ausgemacht, wo im Zuge künftiger Baumaßnahmen neue Bäume, unter anderem Linden und Tulpenbäume, gepflanzt werden sollen.

Die archäologischen Grabungen

Wie groß und ob auf dem Schlossberg überhaupt gebaut werden kann, ist trotz aller Pläne noch unsicher. Denn unter dem Park an der Stadtkirche befinden sich die Kellerräume des ehemaligen Schlosses. Bevor die Bebauung weitergeplant werden kann, müssen deshalb jetzt zuerst die Archäologen ran, schreibt das Landesdenkmalamt vor. „Dadurch erhalten wir Auskunft darüber, wo sich zum Beispiel die Gewölbekeller des ehemaligen Schlosses befinden, erfahren dazu vielleicht auch Neues zur Stadtgeschichte“, erklärt Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger auf Anfrage der SZ/BZ.

Sollten im Untergrund aber zum Beispiel Reste einer alten Römersiedlung auftauchen, die vor einer Neubebauung für viel Geld ausgegraben und woanders wieder aufgebaut werden müssten, hätten sich die Pläne für die Neubespielung des Schlossbergs aus Kostengründen wahrscheinlich bereits erübrigt. Informationen sollen die Grabungen auch über den Zustand der Gemäuer liefern. „Weil wir von außen schon sehen, dass beispielsweise die Stützmauern saniert werden müssen, müssten wir da sowieso ran“, so Christine Kraayvanger.

Bürgerbeteiligung

Über all das, was die Verwaltung zurzeit in Sachen Schlossberg beschäftigt, will sie vom 13. bis 19. März im Rahmen einer Dialogwoche im „Treff am See“ informieren und den Austausch mit Bürgern suchen. „Wie bei Dialogtagen zu anderen Großprojekten gibt es auch hier eine Info-Veranstaltung mit Schautafeln und Bildern, wo wir zu unterschiedlichen Themen mit Interessierten ins Gespräch kommen wollen“, so Christine Kraayvanger. Dazu lädt sie am 18. März zu einem informativen Stadtrundgang ein und versichert zudem, dass die Dialogwoche nur der Auftakt von mehreren Informationsveranstaltungen sein soll.