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Neue Installation

Böblingen: Die Brücken sind nicht nur Übergänge

Neuerdings schmücken drei Bobby Cars die Alba-Brücke in Böblingen.
Von Peter Maier
Mit diesem Schild wird für die 20 Brücken geworben. Bild: z

Mit diesem Schild wird für die 20 Brücken geworben. Bild: z

Böblingen. Sie gehören zum Dat Art Audio Walk „Über Brücken“ der Dance Art Theater Kunstschule Böblingen. Das ist ein für vier Monate künstlerisch gestalteter Stadtspaziergang, den die Kunstschule jetzt eröffnet hat.Die Sonne meint es fast schon zu gut an diesem späten Nachmittag, sie brezelt in die Wandelhalle, der Himmel über den Seen ist bilderbuchblau.

Dort warten kunstbeflissene Gäste, hauptsächlich im Schatten der Säulen und die Schüler der Dat Dance Company sind in den letzten Zügen mit dem Üben für ihren Auftritt. Kurz darauf läutet der Gong, der an diesem Abend noch öfter zu hören sein wird. „Diese Eröffnung gehört euch, euch allen“, sagt die Kunstschulleiterin Prisca Maier-Nieden zu den Geschichtenerzählern, dem „Dat-Team“, den „Art-KünstlerInnen“ und Videokünstlern, Stadträten, kurzum: zu den Beteiligten des Projekts, im engeren und weiteren Sinne, inklusive der Förderer, die sie allesamt als „VIP“ bezeichnet. „Ohne euch würde es diesen Walk nicht geben.“

Der neue Böblinger Kulturamtsleiter Sven Reisch eröffnet die Veranstaltung mit einem Zitat des Malers Erich Heckels aus der Künstlervereinigung „Die Brücke“, die vor über 100 Jahren gegründet worden war. Wo „Die Brücke“ als Wegbereiter des 20. Jahrhunderts gelte, sieht er „Über Brücken“ als Wegbereiter der musisch-künstlerischen Bildung hier im Jahr 2023. „Go ahead, Dat-Kunstschule“, meint er schließlich.

Den Zuhörern stehen jetzt 20 Brücken um die Seen bevor, „tatsächliche Brücken, sowie brückenähnliche Übergänge zu einem Strom von Geschichten, Gedanken und Assoziationen rund um das Thema Veränderung“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Dort werden Brücken bezeichnet als „Übergänge und damit Symbol für Phasen des Umbruchs, der Veränderung und der Transformation“.

Es ist erstaunlich, was sich dem Spaziergänger alles an Brücken auftut. Die paar tatsächlichen Brücken oder Übergänge sind künstlerisch aufgewertet worden, verändern sich, wie die Alba-Brücke mit ihren Bobby-Cars zur Hochzeitsbrücke wird, aber insbesondere kommen viele neue Brücken unterschiedlichster Art hinzu. Offizieller Startschuss des Walks, der überall starten und auch nur zu einer Brücke führen kann, ist das „Brückenallerlei“, erzählt von Mitgliedern des Theaterkinderclubs, wo es bunt zugeht.

Es folgt eine „Generationenbrücke“, aber da ist auch eine „Brücke über den Abgrund“ und eine „Bridge to be(e)“. Zu jeder Station gibt es ein kurzes Video, das über den QR-Code eingelesen werden kann. „Es war einmal ein kleines Mächen mit einem großen, roten Luftballon“, beginnt eine Sequenz. Es sind berührende Geschichten zu hören, von Zugezogenen mit Migrationshintergrund, von einem Rabbi, von einer Ukrainerin. Die Erzählungen vermengen sich mit den Bildern im Video und der künstlerischen Gestaltung vor Ort. Am Wegesrand blühen Rosen, Familien, die Eis essen, kommen vorbei, ein leichter Wind frischt auf.

Der liebevolle Aufwand hinter dem Walk, an dem auch Senioren mitgearbeitet haben, ist spürbar. Gesammelt hat die Geschichten Sabine Altenburger, finanziell beteiligt haben sich neben der Städtischen Galerie BB der Förderverein der Kunstschule und der BBG.