

Böblingen. Der neu gewählte Böblinger Jugendgemeinderat (JGR) traf sich am 14. und 15. Februar zu seiner zweitägigen Auftaktklausur im städtischen Jugendhaus Casa nostra. Begleitet von Frank Kienzler, dem Leiter des städtischen Jugendreferats, und Betreuerin Anna Streshnyeva nutzten die Jugendlichen das Wochenende, um sich kennenzulernen, Grundlagen der kommunalen Arbeit zu erlernen und erste Projekte anzuschieben.
Ziel der Klausur war es, den Mitgliedern Orientierung zu geben und sie in ihrer neuen Rolle zu stärken. Dazu gehörte ein Überblick über Strukturen, Abläufe und Mitwirkungsmöglichkeiten innerhalb der Stadt. „Viele Jugendliche starten hochmotiviert, aber auch mit vielen Fragen. Die Klausur schafft Klarheit und stärkt das Gemeinschaftsgefühl“, betont JGR-Betreuerin Anna Streshnyeva.
Der Samstag stand im Zeichen von Grundlagenwissen: Gremien, Zuständigkeiten, Satzung und der Weg eines Antrags wurden praxisnah vermittelt. In einem Workshop lernten die Jugendlichen anschließend, wie aus einer Idee ein konkretes Projekt wird. Für Amanda Gutierrez, die bereits ihre zweite Amtszeit antritt und erstmals in ein Sprecheramt gewählt wurde, war das Wochenende ein besonderer Moment: „Vor zwei Jahren war vieles neu und überwältigend. Dieses Mal kann ich mein Wissen gezielt einbringen und auch den neuen Mitgliedern Sicherheit geben. Es macht Freude zu sehen, wie schnell unser Team zusammenwächst.“
In intensiver Gruppenarbeit sammelte der JGR über 50 Projektideen – von Kultur- und Freizeitprojekten über Präventions- und Mental‑Health‑Angebote bis hin zu Mobilität und Stadtentwicklung. Um zügig sichtbare Ergebnisse zu erzielen, hat sich der Jugendgemeinderat für die erste Phase der Amtszeit auf die vier Themenbereiche Kultur, Landtagswahl, Workshops und Öffentlichkeitsarbeit verständigt. Vincent Koch, erstmals im JGR und frisch in ein Sprecheramt gewählt, beschreibt seine Eindrücke so: „Ich war überrascht, wie offen und konstruktiv die Atmosphäre ist. Man wird ernst genommen, und die eigenen Ideen finden wirklich Gehör. Der klare Fokus auf vier Themen hilft uns, schnell ins Tun zu kommen.“
Die übrigen Themen aus der Ideensammlung werden nicht fallen gelassen: Spätestens zur Halbzeit‑Klausur in einem Jahr möchte der JGR sie erneut bündeln, auf Aktualität prüfen und – wo sinnvoll – in die zweite Jahreshälfte übernehmen.
Aus Sicht der erfahrenen Mitglieder ist die Mischung aus Fokus und Weitblick entscheidend. Ilias Baumann, mittlerweile in seiner dritten Amtszeit, sagt: „Wir haben in den letzten Jahren schon einiges erreicht. Jetzt sehe ich viel weiteren Schwung, neue Blickwinkel und große Motivation. Mit den klaren Schwerpunkten starten wir handlungsfähig – und behalten trotzdem die vielen weiteren Ideen im Blick.“
Zum Abschluss der Klausur wählte der Jugendgemeinderat seinen neuen Vorstand und legte erste gemeinsame Schritte für die kommenden Monate fest. Für die gewählten Sprecher und Verantwortlichen folgte anschließend ein Kennenlerngespräch mit den politischen Paten. Stadtjugendreferent Frank Kienzler resümiert: „Die Ernsthaftigkeit und der Gestaltungswille der Jugendlichen sind beeindruckend. Jugendliche brauchen Raum, Resonanz und Resultate – und mit diesem neuen JGR sehe ich beste Voraussetzungen, in den kommenden zwei Jahren sichtbare Veränderungen anzustoßen.“
Der Böblinger Jugendgemeinderat ist ein demokratisch gewähltes Gremium junger Menschen, das die Interessen der Jugendlichen gegenüber Stadtverwaltung, Gemeinderat und Öffentlichkeit vertritt. Mit eigenem Antragsrecht und gesetzlich verbrieften Beteiligungsrechten leistet er seit mittlerweile 20 Jahren einen wichtigen Beitrag für eine jugendfreundliche Stadtentwicklung.
Für eben diese jugendgerechte Weiterentwicklung der Stadt Böblingen spielt das Jugendgremium insgesamt eine zentrale Rolle. Es dient als feste Beteiligungsstruktur, über die Jugendliche ihre Anliegen einbringen und kommunale Entscheidungen aktiv mitgestalten können. Die Sitzungen finden zumeist im städtischen Jugendhaus casa nostra statt, wo das Gremium fachlich begleitet wird und über ein eigenes Budget zur Umsetzung eigener Projekte verfügt.
Neben seinem Antrags-, Anhörungs- und Rederecht im Gemeinderat wird der Jugendgemeinderat bei jugendrelevanten Themen frühzeitig in Verwaltungsprozesse eingebunden. Parteipolitik spielt hierbei keine Rolle; es gibt keine Fraktionen. Im Mittelpunkt stehen ausschließlich die Interessen der jungen Menschen in Böblingen.
Durch die vielfältige Zusammensetzung der Jugendgemeinderäte ergaben sich über die Jahre sehr unterschiedliche Schwerpunkte: Von jugendpolitischen Projekten über praxisorientierte Arbeit bis hin zu Initiativen, die Freizeitinteressen in den Fokus stellten. Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunal-, Landes- und Bundespolitik sowie aus der Verwaltung nahmen regelmäßig an Veranstaltungen des Jugendgremiums teil und suchten dabei den direkten Dialog mit den Jugendlichen.




