Das Landratsamt Böblingen lässt Äpfel wachsen
Böblingen. Beim Landratsamt wachsen künftig der Böblinger Straßenapfel, der Rosenapfel vom Schönbuch und der Weilemer Sämling. Diese drei Sorten wurden von der Sortenerhaltungszentrale Baden-Württemberg als die Landkreis-Sorten für den Landkreis Böblingen definiert, ausgewählt unter Betrachtung der ganzen Streuobst-Historie. „Mit dieser Aktion wollen wir die drei Sorten in den Blick rücken und eine Art Landkreis-Patenschaft für sie ausdrücken“, erklärt Martin Wuttke, stellvertretender Landrat und Dezernent für Umwelt und Klima.
Im Februar wurden neben dem Landratsamt einige Streuobstbäume gepflanzt – darunter auch drei Apfelbäume. Diese wurden Anfang Mai umveredelt. „Das Veredeln erfolgt durch Einsatz verschiedener Techniken: Pfropfung, Kopulation und Chipveredelung. Dies sind die seit tatsächlich tausenden von Jahren angewendeten und üblichen Verfahren, um Obstbäume sortenecht zu vermehren“, so Manfred Nuber, Fachberater für Obst- und Gartenbau. „Eine Vermehrung über Samen funktioniert nicht, weil jeder Kern eine neue eigene Sorte wäre. Deshalb setzt man während der Blüte die gewünschte Sorte als Edelreis auf eine sogenannte Unterlage auf und hofft, dass sie anwächst und daraus ein stattlicher Baum wird.“ Genau das kann Nuber zwischenzeitlich bestätigen – nachdem einige Wochen vergangen sind, sind alle Edelreiser angewachsen und treiben aus.
Böblinger Straßenapfel
Der Böblinger Straßenapfel ist ein Saft- und Mostapfel, der Ende September reift und lediglich vier bis sechs Wochen haltbar ist. Die Bäume sind sehr robust und wachsen auch schnell. Der Rosenapfel vom Schönbuch ist rot gefärbt und stammt, wie der Name vermuten lässt, wohl aus dem Schönbuch. Er reift im Oktober und ist bis ins Frühjahr lagerfähig. Auch er wächst schnell und ist für den Streuobstbau sehr gut geeignet. Und der Weilemer Sämling wurde eher zufällig als Sämling entdeckt und ist vielseitig verwendbar, ob zum Verzehr oder als Saft- und Mostapfel.
„In zwei bis drei Jahren könnten von diesen jungen Bäumen die ersten Früchte geerntet werden“, so Manfred Nuber. Es gehe bei der Aktion aber weniger um den erzielbaren Ertrag, sondern darum, diese für den Landkreis Böblingen bedeutsamen alten Regionalsorten wieder ins Bewusstsein zu rücken, wie Martin Wuttke eingangs betont hatte. „Unser Ziel ist, dass diese bewährten und an unsere Standorte angepassten Sorten auch künftig auf Obstwiesen gepflanzt werden“, so Wuttke.
Unterstützung durch Fachberatungsstelle
„Wenn eine entsprechende Nachfrage erzeugt werden kann, werden diese Sorten auch wieder in den regionalen Baumschulen vermehrt“, erklärt Nuber. „Bis man dort solche Jungbäume kaufen kann, muss man andere Bäume als Unterlage nehmen und diese Regionalsorten selbst vor Ort aufveredeln. Dabei unterstützt die Fachberatungsstelle für Obst- und Gartenbau durch Veredelungskurse, die immer im April stattfinden.“
Die anderen Bäume am Landratsamt Böblingen sind Zwetschgenbäume, und zwar die eigens für den Landkreis gezüchteten Sorten Herrenberger Zwetschge und Gäugold-Zwetschge. Auch sie will man durch die Aktion in den Blickpunkt rücken, damit ihr Bestand im Landkreis wächst. Aktuell schätzt man, dass es landkreisweit rund 1000 Bäume gibt. Die Sorten können in den Baumschulen Kienzle in Gäufelden-Tailfingen und Hiller in Mötzingen bezogen werden.

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