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Darmsheim: Nach elf Jahren als Leiterin des Jugendtreffs Geko hat Madeleine Nitsche am 16. März dort ihren letzten Arbeitstag

„Das Privatleben leidet darunter“

Am 16. März hat Madeleine Nitsche ihren letzten Arbeitstag im Darmsheimer Jugendtreff Geko, den sie seit 2006 geleitet hat. Denn am 1. April tritt Nitsche eine neue Stelle als Jugendsozialarbeiterin bei der Verbandsschule im Biet in Steinegg an, einer Gemeinde im Enzkreis zwischen Leonberg und Pforzheim.
Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber

Die SZ/BZ hat sich mit der 36-jährigen Diplom-Sozialpädagogin über ihren Abschied vom 2002 eröffneten Darmsheimer Jugendtreff unterhalten.

Warum hören Sie als Leiterin des Darmsheimer Jugendtreffs auf?

Madeleine Nitsche: „Diese Entscheidung ist mir sehr schwergefallen. Für mich war schon immer klar, dass ich spätestens mit 45 Jahren mit der offenen Jugendarbeit aufhören möchte. Irgendwann ist man zu weit weg von der Lebenswelt Jugendlicher. Wenn ich nicht mehr verstehe, was Jugendliche fühlen und denken, kann ich mich nicht fair verhalten, wenn es um das Ziehen von Grenzen geht – und das ist wichtiger Aspekt der Arbeit mit Jugendlichen.“

Was unterscheidet in dieser Hinsicht die offene Jugendarbeit von anderen Formen der Jugendsozialarbeit?

Madeleine Nitsche: „In der offenen Jugendarbeit muss ich die Jugendlichen immer wieder neu abholen und für die von mir entwickelten Angebote motivieren und begeistern. Nehmen Sie zum Beispiel die Wiedereröffnung des Geko nach der Wasserschaden-Sanierung im Januar 2015: Ich musste praktisch von vorne anfangen, um die zuvor gewachsenen Strukturen wieder zu etablieren. Damit dies gelingt, muss man sehr genau an die Lebenswelt Jugendlicher andocken können. In der Schulsozialarbeit habe ich hingegen Strukturen, in denen sich Jugendliche ohnehin bewegen. Um es salopp zu formulieren: Ich muss den Jugendlichen nicht hinterherrennen. Das ist ein essenzieller Unterschied.“

Von der selbst gesetzten Grenze sind Sie mit 36 Jahren allerdings noch weit entfernt.

Madeleine Nitsche: „Das ist richtig, aber wenn ich nach zwölf Jahren keine neue Herausforderung suche, wann denn dann? Die Stelle als Jugendsozialarbeiterin in der Verbandsschule im Biet, die seit Kurzem eine Gemeinschaftsschule ist, wurde vor sechs Jahren geschaffen und mir bereits damals angeboten. Ich war damals noch nicht bereit, Darmsheim zu verlassen, sah aber schon, wie cool die Stelle in Steinegg ist. Die Schuldirektorin Helga Schuhmacher geht mit vollem Elan neue pädagogische Wege und begeistert damit ihr Umfeld. Es gibt tolle Projekte, unter anderem im musischen Bereich. Schüler werden dort auf ihrem individuellen Level abgeholt.“

Wie sieht Ihre neue Stelle aus?

Madeleine Nitsche: „Ich mache zu zwei Drittel Schulsozialarbeit und zu einem Drittel Jugendarbeit, allerdings keine offene.“

Eine Familie mit Kindern kann man dort vergessen

Welche Impulse möchten Sie dort setzen?

Madeleine Nitsche: „Ich werde auf jeden Fall meine medienpädagogischen Konzepte einbringen, mit Film und Fotografie arbeiten. Ob ich meine Begeisterung für den Hip-Hop einbringen kann, werde ich schauen müssen.“

Gibt es auch private Gründe, die Sie nach Steinegg ziehen?

Madeleine Nitsche: „Mit der offenen Jugendarbeit im Geko habe ich zu meinem Ehemann genau entgegengesetzte Arbeitszeiten. Dadurch sehen wir einander eine halbe Stunde pro Tag. So sehr ich persönlich die offene Jugendarbeit liebe: Das Privatleben leidet darunter, und nach elfeinhalb Jahren freue ich mich darauf, Zeit mit meinem Mann verbringen zu können und am Wochenende freizuhaben. Dies ist übrigens auch der Grund, warum Stellen in der offenen Jugendarbeit nicht einfach zu besetzen sind: Der Arbeitsmarkt ist so gut wie leer gefegt, und nicht jeder Sozialpädagoge teilt meine Begeisterung für die offene Jugendarbeit, wenn dies heißt, dafür das Privatleben zu opfern. Eine Familie mit Kindern kann man dort vergessen.“

Was passiert mit den von Ihnen entwickelten Hip-Hop-Formaten „Jam it“ und „Cypher Soulution“, die großen Anklang in der Szene gefunden haben?

Madeleine Nitsche: „Der Nachfolger von Robert Wassen im ‘Treffpunkt für Jugendkultur – das Süd’, Chris Sluiter, wird diese Formate in Zukunft betreuen. Darüber bin ich sehr froh: Diese Veranstaltungen sind meine Babys, und es hätte mir in der Seele wehgetan, wenn es sie nicht mehr geben würde. ‘Cypher Soulution’ steigt am 14. Juli im ‘Süd’, ‘Jam it’ am 20. Oktober – die Jury steht schon.“

Wird man Sie bei dort treffen?

Madeleine Nitsche. „Selbstverständlich.“

Wird es Tränen geben bei Ihrem Abschied?

Madeleine Nitsche: „Die gab es schon, Und weitere werden folgen.“

Auf zu neuen Ufern: Madeleine Nitsche verlässt den Darmsheimer Jugendtreff Geko. Bild: Staber