

Sindelfngen. „Keine Fragen, keine Antworten.“ Mit diesem Maulkorb ist eine ganze Menge gesagt. Das Kanzleramt legt mit vier knappen Worten die Spielregeln fest, an die sich die Journalisten zu halten haben, die Olaf Scholz beim Besuch in Sindelfingen begleiten.
Die Gründe sind klar. Auch ohne abgehörte Taurus-Gespräche, die kurz vor der Dienstreise Schlagzeilen machten, stehen explosive Themen auf der Agenda eines jeden Staats-Chefs. Ein Basisbesuch aber könnte zerfleddern bei brisanten Nachfragen im kleinen Kreis, die in großen Pressekonferenzen abgehandelt werden, auf denen die Informationen fair und breit verteilt werden. So weit, so nachvollziehbar. Aber dass es bei vier Stunden Mercedes-Werk und anderthalb weiteren in der Gottlieb-Daimler-Schule keine einzige Minute gibt, um lokale Themen zumindest zu streifen, ist ein Armutszeugnis, so wertschätzend der Besuch an anderer Stelle auch gewesen sein mag.
Es wäre leicht gewesen, die Spielregeln festzuzurren. Vielleicht so: „Treffpunkt 14 Uhr, zehn Minuten: keine Krim, kein Russland, nichts zur Ampel, aber gerne Fragen zum Tag und den Themen, die in Sindelfingen auf dem Tisch liegen.“ Bildung, und Europa in der Schule, Automobil und Antrieb bei Mercedes. Die Antworten darauf hätte sich der Kanzler vorher sogar zurechtlegen können. Das Leben findet an der Basis statt, und Lokaljournalisten haben die wichtigen Aufgabe, ganz nah dran zu sein, die kleinen Themen aufzunehmen und die großen Themen herunterzubrechen. Dafür muss man sie arbeiten lassen. Sie müssen Fragen stellen, die Menschen brauchen Antworten. Der Kanzler hat das nicht zugelassen. Das war ein Fehler.




