

Noch in diesem Monat sollen nach einem Zufallsprinzip 3000 Bürger im Alter von über 16 Jahren in der Gesamtgemeinde einen achtseitigen Fragebogen zugeschickt bekommen. Mit dem Ergebnis geht der Gemeinderat im Juli in Klausur und im Herbst werden die Bürger in Workshops beteiligt. Anfang nächsten Jahres könnte dann der Gemeinderat über die Leitlinien für die nächsten Jahre entscheiden.
Im Fragebogen geht es um Leben, Wohnen und Arbeiten, aber auch um Kultur, Freizeit, Kommunalpolitik und Verwaltung. Wie zufrieden sind die Bürger mit dem, was vorhanden ist, und was soll sich ändern, was fehlt? Wer mitmacht, kann umfassend an der Zukunftsentwicklung seiner Heimatgemeinde teilnehmen und das ohne Erfassung des Namens. Jeder Dritte hat die Möglichkeit dazu.
Prognostiziert wird, dass bis 2035 die Einwohnerzahl Aidlingens von derzeit 8639 auf 7322 zurückgeht. Als der erste Gemeindeentwicklungsplan 2004 entstand, rechnete man noch mit über 9000 Einwohnern. „Das Werk soll als roter Faden Aidlingen bis 2035 begleiten“, sagte Bürgermeister Ekkehard Fauth bei einem Pressegespräch mit Fachleuten der Reschl-Stadtentwicklung aus Stuttgart, welche die Vorbereitungen zum Gemeindeentwicklungsplan begleiten.
Es geht beim Gemeindeentwicklungsplan um „realistische Ziele“, wie Philipp König vom Public-Management des Büro Reschl sagt. Die Einwohnerentwicklung wird miteinbezogen, der Status des Gewerbestandortes, und es geht um die bauliche Entwicklung und um Flächenreserven.
„Es geht um Wohnen, Arbeitsplätze, Kultur und Soziales mit Kinderbetreuung, Schulen, Senioren, das Vereinsleben und um Freizeiteinrichtungen“, betont Stadtplaner Adrian Schwake vom Büro Reschl. „Themen, die sich durch die gesamte Gemeinde ziehen“, fügt er hinzu, „ebenso die Auswirkungen der demografischen Entwicklung“. Ökologie ist ein Thema, wenn es um Flächen geht und die Digitalisierung steht mit im Vordergrund.
„Eine Bürgerbeteiligung ist nie repräsentativ“, gibt Philipp König zu. Deshalb sollen die dort unterrepräsentierten Gruppen wie Migranten, Jugendliche und Unternehmer in anderen Ebenen hinzugezogen werden.
Vom Rücklauf der verschickten Fragebogen hängt dessen Wertigkeit ab. „Wir haben gute Erfahrungen damit und rechnen mit 30 bis 50 Prozent“, hofft Philipp König. Die Gesamtkosten für den Gemeindeentwicklungsplan dürften bei knapp 70.000 Euro liegen.
Bürgermeister Fauth will in Vereinshauptversammlungen, die derzeit verstärkt stattfinden, zusammen mit anderen Repräsentanten der Gemeinde, die dort ein Grußwort sprechen dürfen, auf den Gemeindeentwicklungsplan und den Fragebogen hinweisen. Bei der Zukunftswerkstatt im Herbst kann sich dann jeder einbringen, der möchte.
Ein Großteil der Ziele, die 2004 im Gemeinde–Entwicklungsplan 2020 festgelegt worden sind, wurden nach Ansicht von Bürgermeister Fauth verwirklicht. Wenn auch nicht vorhersehbare Veränderungen zu neuen Herausforderungen geführt haben. So kam die Flüchtlingswelle, der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz und die Erweiterung der Schullandschaft mit der Gemeinschaftsschule.
„Aidlingen wurde schon 2004 als Perle des Heckengäus bezeichnet, als intakte Wohngemeinde“, betont Bürgermeister Fauth. Mit den Hanglagen und bei 50 Prozent Landschaftsschutz- und Naturschutzgebieten könne man keine zusätzlichen Gewerbeflächen schaffen. Ekkehard Fauth: „Die Innenentwicklung wird in den nächsten Jahren eine große Rolle spielen.“
Bürgermeister Ekkehard Fauth (Mitte) und die Planer des Stuttgarter Stadtentwicklungsbüros Reschl bereiten den Gemeindeentwicklungsplan 2035 für Aidlingen vor: links Adrian Schwake und rechts Philipp König vom Planungsbüro. Bild: Richter


