

Mit großem Interesse habe ich den Artikel gelesen. Die Argumente überzeugen mich allerdings nicht.
Als wesentlicher Grund wird die bisherige Steigung von bis zu 17 Prozent genannt. Der bisherige Weg wurde über sehr viele Jahre von den allermeisten Radfahrern problemlos benutzt. Das steilere Stück war nur etwa 30 Meter lang. Wer es nicht fahren konnte oder wollte, musste sein Fahrrad eben diese kurze Strecke schieben. Gerade im Zeitalter der E-Bikes dürfte diese kurze Steigung für einen großen Teil der Radfahrer ohnehin kein ernsthaftes Hindernis darstellen. Als mein Enkelkind 5 Jahre alt war bin ich mit ihm diesen Radweg mehrmals problemlos gefahren.
Hinzu kommt: Der bisherige Radweg verlief abseits der stark befahrenen Kreisstraße und wurde jahrzehntelang genutzt. Der neue, rund 370 Meter lange und etwa eine Million Euro teure Radweg führt dagegen unmittelbar an einer abschüssigen, stark befahrenen Straße entlang. Eine geringere Steigung allein macht einen Radweg noch nicht automatisch sicherer.
Ebenso wenig überzeugt mich die Aussage, die neue Strecke mache die Verbindung für Familien attraktiver. Gerade bei Familien mit Kindern stellt sich doch die Frage, ob ein von der Straße weiter entfernt verlaufender Radweg weniger abschreckend empfunden wird.
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Besonders unverständlich ist für mich, dass der bisherige Radweg nicht einfach zusätzlich erhalten wurde. Nach Fertigstellung des neuen Weges wurde beim alten Weg der Asphalt abgefräst und entsorgt und die Fläche wieder mit Erdmaterial aufgefüllt. Im steileren Teilstück wurde das aufgebrachte Erdmaterial zusätzlich mit einem starken Gewebe gesichert und mit Holzankern am Boden befestigt. Auch diese Arbeiten kosten Geld. Warum konnte man den bestehenden Weg nicht so belassen, wie er war? Dann hätte jeder Radfahrer selbst entscheiden können.
Dazu kommt der erhebliche Eingriff in Natur und Landschaft für den Neubau. Böschung und Hang mussten bearbeitet und gesichert werden. Für eine Strecke von 370 Metern steht ein Gesamtvolumen von etwa einer Million Euro. Dass ein derartiger Betrag Fragen nach Kosten und Nutzen aufwirft, zeigt schließlich auch die im Artikel zitierte Kritik des Bundes der Steuerzahler und anderen kritischen Leserbriefschreibern.
Natürlich ist es richtig, in eine gute und sichere Radverkehrsinfrastruktur zu investieren. Aber die Frage muss erlaubt sein, ob Aufwand, Kosten, Eingriff in die Landschaft und Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis stehen.
Aus meiner Sicht wäre es wesentlich sinnvoller gewesen, den bestehenden Radweg zu erhalten und das Geld dort einzusetzen, wo tatsächlich eine gefährliche Lücke im Radwegenetz besteht.
Bernhard Hahn, Dachtel




