

Ich will glauben, dass die Gemeinderäte und Gemeinderätinnen überzeugt waren, das Richtige zu tun, als sie faktisch für die Aufhebung des früheren Gemeinderatsbeschlusses zur Planung und Umsetzung des Radwegekonzepts gestimmt haben. Aber wie konnte es dazu kommen? Mir scheinen hier zwei Punkte wichtig:
Zum einen scheint leider bei einigen im Gemeinderat und in der Bevölkerung die Vision zu fehlen, wie sich die Stadt positiv verändern könnte. So hatte ich übrigens das Ziel der Besuche von Gemeinderäten und Gemeinderätinnen z.B. in Ravensburg vor einigen Jahren verstanden.
Aber warum freuen sich viele, wenn sie Innenstädte mit innovativen Konzepten sehen – in Offenburg und Nagold oder im Urlaub in Paris und Kopenhagen – und wollen es dann doch nicht so schön haben in Sindelfingen? Und nein: ich behaupte, es ist nicht die Größe, Bausubstanz und das Geld, die hier nicht vergleichbar sind – es geht um den Willen, etwas zu bewirken (schauen Sie sich den Film ‚cycling cities‘ auf youtube an – dort gibt es gute Beispiele und sogar noch Erfahrungen der Entscheidungsträger und -trägerinnen, wie man diese zusammen mit der Stadtgesellschaft umsetzt).
Zum anderen sind Entscheidungen und auch Planungen häufig Kompromisse. Da gibt es immer jemanden, der denkt, er hätte den einen oder anderen Punkt besser gemacht. Aber ganz ehrlich: wer hat alle Aspekte im Blick? Deshalb haben wir eine kompetente Verwaltung und leisten uns zusätzlich kostspielige Experten-Gutachten und -Planungen.
Ich bin im Übrigen der Meinung, dass Nichts-Tun (denn darauf wird es in absehbarer Zeit hinaus laufen) am Ende mehr kostet. Notwendige Maßnahmen, die mit geförderten Radwegen hätten kombiniert werden können und Ausbesserungsarbeiten, um wenigstens halbwegs ruhig schlafen zu können, was die Sicherheit von z.B. radfahrenden Schülern und Schülerinnen angeht, sind dafür nur 2 Beispiele. Ja, was nun?
Martin Schwab, Sindelfingen




