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Drastische Erhöhung der Kitagebühren

„Familien in Sindelfingen massiv belastet“

Der Gesamtelternbeirat der städtischen Kindertagesstätten (GEB KiTas) in Sindelfingen schlägt Alarm: Ab dem 1. August 2026 plant die Stadt eine deutliche Erhöhung der Kitagebühren. Je nach Betreuungsumfang steigen die Kosten für Familien um bis zu 88 Prozent.

Von Konrad Schneider
Ab dem 1. August plant die Stadt Sindelfingen eine deutliche Erhöhung der Kitagebühren. Je nach Betreuungsform steigen die Kosten für Familien um bis zu 88 Prozent. 	Bild: z

Ab dem 1. August plant die Stadt Sindelfingen eine deutliche Erhöhung der Kitagebühren. Je nach Betreuungsform steigen die Kosten für Familien um bis zu 88 Prozent. Bild: z

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Sindelfingen. "Die finanziellen Mehrbelastungen müssen von weniger als 2800 Familien getragen werden – einer vergleichsweise kleinen Gruppe, auf deren Schultern damit ein erheblicher Teil der Kosten verlagert wird“, kritisiert der Sindelfinger GEB KiTas in einem offenen Brief.

Die Gebührenerhöhungen würden Familien in einer Zeit treffen, in der steigende Lebenshaltungskosten bereits große Teile der Bevölkerung unter Druck setzten. „Mieten, Energie und Lebensmittelpreise belasten Haushalte zunehmend. Die geplanten Mehrkosten für die Kinderbetreuung verschärfen diese Situation massiv. Besonders problematisch ist, dass die Gebührenerhöhungen zeitgleich mit der Einführung eines neuen Betreuungsmodells erfolgen. Viele Eltern wissen derzeit nicht, ob sie ihren bisherigen Betreuungsumfang behalten können oder welche Betreuungszeiten ihnen künftig überhaupt zur Verfügung stehen. Diese Unsicherheit trifft Familien mitten in ihrer Lebens- und Arbeitsplanung“, so die Pressemitteilung.

„Indirekter Zwang zur Teilzeit“

Ein Blick auf die konkreten Zahlen zeige das Ausmaß der Belastung: „Für eine Betreuungszeit von sieben Stunden steigt die Gebühr im Vergleich zum bisherigen Modell mit 6,5 Stunden um 29 Prozent. Bei acht Stunden Betreuung sind es 34 Prozent. Familien, die auf neun Stunden Ganztagsbetreuung angewiesen sind, müssen sogar eine Erhöhung von 88 Prozent verkraften. Diese Sprünge sind weder sozial ausgewogen noch nachvollziehbar“, so der GEB KiTas.

Die Folgen seien absehbar: Eltern, die auf eine verlässliche Ganztagsbetreuung angewiesen seien, würden finanziell in die Enge getrieben. Für viele bleibe nur die Reduzierung der Arbeitszeit. „In der Praxis betrifft dies überwiegend Mütter. Die geplanten Gebührenerhöhungen wirken damit wie ein indirekter Zwang zur Teilzeit – mit erheblichen Folgen für Einkommen, Karrierechancen, Altersvorsorge und Gleichstellung“, lautet die Kritik.

Diese Entwicklung habe nicht nur individuelle, sondern auch gesamtgesellschaftliche Auswirkungen. „Familien mit Kindern leisten einen zentralen Beitrag zum Generationenvertrag: Sie sorgen dafür, dass unsere Gesellschaft, unser Sozialstaat und unsere Wirtschaft auch künftig funktionieren. Ohne Kinder gibt es keine zukünftigen Fachkräfte, keine Beitragszahler und keine stabile soziale Infrastruktur. Gleichzeitig führen sinkende Erwerbsquoten langfristig zu geringeren Steuereinnahmen und Sozialabgaben. Was kurzfristig als Haushaltsentlastung erscheint, kann sich für die Stadt Sindelfingen langfristig als wirtschaftlicher Nachteil erweisen“, teilt der Gesamtelternbeirat der städtischen Kindertagesstätten mit.

Zentrale Voraussetzung für Chancengleichheit

Hinzu komme, dass die Belastung nicht bei dieser Erhöhung ende. „Bereits heute sieht die Planung vor, die Gebühren im Jahr 2027 erneut um 20 Prozent anzuheben. In den Folgejahren bis 2029 sollen weitere jährliche Steigerungen von jeweils 10 Prozent folgen.“ Diese Kostenentwicklung stehe in keinem Verhältnis zur Einkommensentwicklung vieler Familien. Frühkindliche Bildung und Betreuung seien keine freiwillige Leistung, sondern eine zentrale Voraussetzung für Chancengleichheit, Integration und eine funktionierende Arbeitswelt. Der Gesamtelternbeirat fordert daher eine ernsthafte Prüfung alternativer Finanzierungsmöglichkeiten, um die Belastung für Familien abzufedern. Dazu gehörten sozial gerechtere Modelle, eine stärkere Entlastung bei langen Betreuungszeiten sowie eine faire Verteilung der Kosten zwischen öffentlicher Hand und Eltern.

„Sindelfingen war lange ein Vorbild für frühkindliche Bildung und ein attraktiver Standort für Familien und Unternehmen. Investitionen in Kinder und Familien sind Investitionen in die Zukunft dieser Stadt. Sie dürfen nicht zum Luxus werden.“ Der Gesamtelternbeirat der Kindertagesstätten in Sindelfingen appelliert an Gemeinderat und Verwaltung, die geplanten Gebührenerhöhungen grundlegend zu überdenken. „Kinder und Familien dürfen nicht die Verlierer dieser Krise werden.“