

Gechingen. Das Heimatmuseum Appeleshof in Gechingen hat für den Öffnungssonntag am 5. Juli eine Ausstellung zum Anfassen rund um die traditionelle Herstellung von Textilien geplant. Vom Spinnen, über Weben in verschiedensten Techniken, bis hin zum Klöppeln von Spitzen auf dem Klöppelkissen und Brettchenweben, können Sie die Handweberei live erleben und auch selbst ausprobieren. Wer die Textilien-Ausstellung oben im Heimatmuseum schon einmal besucht hat, dem bietet sich jetzt die Gelegenheit, einen Webstuhl in Aktion zu sehen.
In Gechingen ist die Weberei ein Gewerbe mit langer Tradition: die selbsterzeugte Wolle wurde im Heckengäu seit dem 16. Jahrhundert unter anderem zu einem glatten, langhaarigen Wollstoff („Engelsaith“ oder Satin) verarbeitet, der von Calw aus international exportiert wurde. Die Calwer Tuchherren ließen in allen Dörfern ringsum in Heimarbeit weben, auf Webstühlen, die in der Regel den Webern gehörten. Neben Wolle wurde auch der selbst angebaute Flachs zu Leinentuch für den Eigenbedarf verwoben. Die örtliche Tuchindustrie wurde dann im Verlauf des 18. Jahrhunderts durch die neuen Maschinen und Fabriken in England, die Baumwolle verarbeiteten, verdrängt, und die Calwer Compagnie wurde 1797 geschlossen. Das Nachfolgeunternehmen, die Calwer Decken- und Tuchfabrik, bestand bis 1997.
An unserem „Webereisonntag“ werden unter anderem auch Absolventen aus der Webschule in Sindelfingen verschiedene Techniken zeigen. Das Weben, auch von Mustern, wird an mehreren Webstühlen und -rahmen vorgeführt, ferner Brettchenweben und Bandweben mit dem Gatterkamm. Gesponnen wird mit der Handspindel sowie am Spinnrad. Die Klöppeltechnik zur Herstellung von Spitzen wird ebenfalls gezeigt. Große und kleine Besucherinnen und Besucher können Spinnen, Klöppeln und Weben selbst üben.
Für alle, die am Sprachlichen interessiert sind, gibt es außerdem eine Mini-Ausstellung von Redewendungen, die mit der Herstellung und Verarbeitung von Textilien zu tun haben. Auch daran, wie solche Ausdrücke zu einem Teil unserer Alltagssprache geworden sind, kann man erkennen, wie tief die Weberei in unserer Kultur verwurzelt ist. Als eine der ältesten Handwerkstechniken der Menschheit mit globaler Verbreitung wurde das Handweben im Jahr 2023 von der deutschen UNESCO-Kommission als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt.
Das Heimatmuseum Appeleshof in der Kirchstraße 2/1 in Gechingen ist am Öffnungssonntag, dem 5. Juli 2026, von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Auch die Dauerausstellung kann natürlich besichtigt werden, und nach Ihrem Rundgang durch das Museum und die Weberei-Vorführung können Sie sich mit selbst gebackenen Kuchen und Getränken stärken.




