

MAGSTADT. Hinter dem Filmtitel „Immer in Bewegung“ liegt wohl die Vermutung am nächsten, dass es um Sport geht. Das wäre in diesem Fall ein Irrtum. Der Renninger Filmemacher Ralf Beyerle hat seinen einstündigen Streifen, den er im Auftrag der Gemeinde über Handel und Gewerbe in Magstadt gedreht hat, so genannt. Aus zwei Gründen: Einerseits, weil in der Wirtschaft längst gilt: Stillstand ist Rückschritt. Und andererseits, weil ein Teil der Magstadter Betriebe viel mit Bewegung zu tun hat. Im Anschluss an die Amtseinsetzung von Bürgermeister Florian Glock wurde der Film am Freitag in der Festhalle gezeigt.
Das gilt vorneweg für eine der wichtigsten Magstadter Firmen, sowohl vor Ort, als auch im Film: MCG – Merida Centurion Germany. Sie vereinigt zwei Fahrradmarken: Merida aus Taiwan und Centurion. Wolfgang Renner, mit drei deutschen Meistertiteln und Platz drei bei der Querfeldeinweltmeisterschaft der Amateure (1972 in Prag) bis heute der erfolgreichste Magstadter Radrennfahrer, hat seine Marke Centurion 1976, also vor genau 50 Jahren, gegründet.
Merida, einer der weltweit größten Fahrradhersteller, steht in Magstadt nicht nur auf dem Firmenschild. Dort werden sämtliche Räder des Unternehmens, vom Kinderrad bis zur Profirennmaschine, entwickelt. Auch die sportlichen Aktivitäten des Konzerns, von der Unterstützung der Cross- und Straßenrennen vor Ort bis zur Ausstattung eines World-Tour-Teams, das bei allen großen Straßenrennen einschließlich der Tour de France am Start steht, werden in der Magstadter Blumenstraße koordiniert,
Lediglich produziert wird nicht mehr in Magstadt. Diese Aufgabe hat ein Werk in der thüringischen Kreisstadt Hildburghausen übernommen. Einschließlich der E-Bikes werden dort jährlich um die 60 000 Fahrräder hergestellt. Als es für MCG im Gewerbegebiet Ost zu eng wurde, dachte Wolfgang Renner schon mal darüber nach, die ganze Firma in eine Nachbargemeinde umzusiedeln. Durch Anmietungen und Zukäufe gab es am alten Standort inzwischen andere Lösungen. „Ein echter Magstadter verlässt Magstadt nicht“, sagt Wolfgang Renner.
Das ist auch der Tenor von Hans-Jürgen Böttcher, dem Vorsitzenden des Magstadter Ortsvereins im Bund der Selbständigen, denn viele der dort rund 500 ansässigen Betriebe leben von und mit der Kundschaft im Ort. Nicht nur, wenn es darum geht, Geschäfte zu machen, sondern auch in Sachen Mitarbeiter. Zwischen 100 und 110 Betriebe, so Hans-Jürgen Böttcher im Film, bilden aus und ziehen sich so ihren Nachwuchs selbst heran.
Zum beiderseitigen Vorteil, auch das wird im Film dargestellt, verbindet inzwischen ein enges Band die Ausbildungsbetriebe und die Johannes-Kepler-Gemeinschaftsschule. Da gibt es nicht nur einmal im Jahr eine Präsentation der Berufe in der Schule, ein Bewerbertraining und einmal in der Schulzeit ein einwöchiges Praktikum. Um die Höhen und Tiefen eines Berufes kennenzulernen, haben die Schüler die Möglichkeit ein ganzes Schuljahr lang immer am Donnerstagnachmittag – während der Unterrichtszeit – ein Praktikum in einem Betrieb zu absolvieren. Wer dabei erkennt, dass das nicht sein Traumjob wird, darf auch einmal in einen anderen Beruf wechseln. So sollen Schüler gut vorbereitet ins Arbeitsleben starten und daraus resultierend auch die Abbrecherquote sinken. Im Film weist Rektorin Heike Wizemann darauf hin, dass die Schule gerne mit weiteren Unternehmen Bildungspartnerschaften eingeht.
Ein Problem für Magstadter Betriebe sind fehlende Erweiterungsmöglichkeiten. Derzeit ist die Gemeinde dabei, eine relativ kleine Erweiterung des Gewerbegebiets Ost baureif zu machen. Damit sind die im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Möglichkeiten weitgehend erschöpft. Vorstellungen, die aber auch den Segen der Region Stuttgart bräuchten gibt es. Im Film zählt Bauamtsleiter Leonhard Weinmann auf: zwischen Bahnhof und Südumfahrung, zwischen Südumfahrung und dem Maichinger Gewerbegebiet, an der Schafhauser Straße oder als Erweiterung an der Felsenstraße, dem kleinsten der drei Magstadter Gewerbegebiete.
Ralf Beyerle hat aus der Idee von Magstadts Hauptamtsleiter Hans-Peter Burckhardt die Konzeption für den Film entwickelt und auch Regie geführt. Bei den historischen Aufnahmen griff er auf Bilder des verstorbenen Fleckenfotografen Peter Schöck sowie die Archive der Gemeinde, des BDS und von Wolfgang Renner zurück. Nach dem Heimatfilm über die Jahre 1999 bis 2014 mit der 900-Jahr-Feier als Höhepunkt ist „Immer in Bewegung“ der zweite Film, den Ralf Beyerle über Magstadt gedreht hat. „Da kenne ich mich inzwischen besser aus als in Renningen“, sagt deshalb der in Berlin lebende Renninger.




