

An vielen Portalen im alten Rom stand ein Türsteher Wache. Ein aus Stein gehauener zwiespältiger Geselle: Janus, der Gott mit dem Doppelkopf. Ihm verdankt der Januar seinen Namen. Er verkörpert Anfang und Ende, Leben und Tod, die ganze Zwiespältigkeit unseres Daseins. Nichts Neues, das kennen wir schon.
Daher ist Janus mit seinen zwei Gesichtern gar nicht mein Fall. Statt seiner setze ich lieber auf einen Türsteher ganz anderen Formats, der mir freundlich lächelnd und einladend die Tür aufhält: Hier geht’s lang! Mehr noch, einer, der von sicher selber sagt: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden“. O-Ton des Jesus von Nazareth, meint Johannes in seinem Evangelium (10,9).
Aber was erwartet uns hinter dieser Tür? Das, wofür Jesus steht, wie er gelebt, was er verkündet hat und wofür er gestorben ist. Nämlich, dass wir von Gott angenommen und geliebt sind – bedingungslos. Dass wir unser Leben als Geschenk entgegennehmen dürfen. Auch dieses neue Jahr. Es bietet uns Raum und Zeit, von Jesu Liebe angesteckt, ein neues Miteinander unter uns Menschen zu gestalten.
Wer durch die Jesus-Türe geht, betritt einen lichten, hellen Raum, in dem man gerne lebt. Da braucht man sich nichts zu beweisen, sondern ist einfach willkommen. Auch Kranke, Verlassene, Fremde fühlen sich wie zu Hause und alle, die es schwer haben. Hinter dieser Tür lacht man mit den Lachenden, weint mit den Weinenden und spielt mit den Kindern. Auch das Andenken der Verstorbenen bleibt hier lebendig. So stelle ich mir das vor, würde man im Geist Jesu Christi miteinander leben.
Natürlich ist das keine heile Welt, auch da wird gelitten und gestritten. Aber niemand wird fertiggemacht und keiner rausgedrückt oder abgeschaltet. Man geht achtsam und liebevoll miteinander um.
„Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden“, sagt Jesus. Bitte treten Sie ein! Nein – noch nicht ins Paradies, sondern in ein neues Jahr, das wir wie diesen lichten, hellen Raum gestalten können.




