

Leonberg. Die Bioabfallverwertung Leonberg, ein Gemeinschaftsunternehmen der Landkreise Böblingen und Esslingen, hat ihre neue Bioabfallverwertungsanlage auf der früheren Kreismülldeponie in Leonberg eingeweiht. Die mit einer Jahreskapazität von 72.000 Tonnen größte kommunale Anlage ihrer Art in Baden-Württemberg ist das Herzstück eines hochinnovativen Kreislaufnetzes.
An der feierlichen Eröffnung nahmen neben zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft auch die Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesumweltministeriums, Rita Schwarzelühr-Sutter, teil, sowie der baden-württembergische Staatssekretär im Umweltministerium Dr. Andre Baumann. Die Anlage, die nach einem verheerenden Brand im September 2019 komplett neu konzipiert und aufgebaut wurde, wandelt Bio- und Grünabfälle in Biomethangas und weitere wertvolle Endprodukte um.
Landrat Roland Bernhard ist hoch erfreut über die lange ersehnte Inbetriebnahme: „Die Anlage ist das Herzstück eines intelligenten Verwertungssystems, das Abfall in vier Wertstoffe umwandelt: Biomethan ersetzt fossiles Erdgas, verflüssigtes CO2 dient als Industrieprodukt, der Gärrest wird zu Kompost für Gärten und Flüssigdünger für Äcker weiterverarbeitet. Damit ist uns ein Meilenstein für den Klimaschutz und die regionale Energieversorgung geglückt. Die beiden Landkreise Böblingen und Esslingen haben eine komplexe Kreislauswirtschaft komponiert mit den Stadtwerken Sindelfingen als drittem Projektpartner: Grüne Power aus der Region für die Region.“
1. Biomethan: Aus den Abfällen entsteht Biogas. Ein Großteil davon wird über eine 3,3 Kilometer lange Pipeline zur Methanisierungsanlage in Sindelfingen geleitet, die kurz vor der Inbetriebnahme steht. Dort wird es zu hochreinem Biomethan veredelt und von den Stadtwerken Sindelfingen ins Gasnetz eingespeist. Das Biomethan ersetzt fossiles Erdgas und versorgt rund 2.000 Haushalte mit grüner Wärme.
2. Flüssiges CO2: Bei der Veredelung wird CO2 abgeschieden, verflüssigt und in der Größenordnung von rund 5000 Tonnen pro Jahr als Wertstoff an die Industrie verkauft – eine innovative Methode, um aus einem Klimagas ein Produkt zu machen.
3. Qualitätskompost: Die festen Gärreste werden im Kompostwerk Kirchheim unter Teck zu hochwertigem Kompost weiterverarbeitet.
4. Flüssigdünger: Das Presswasser aus der Entwässerung der Gärreste wird als Flüssigdünger für die Landwirtschaft abgegeben.
Die Gesamtkosten für das Projekt – Vergärungsanlage und Methanisierungsanlage – belaufen sich auf rund 54 Millionen Euro. Finanziert wurde es durch eine Versicherungssumme von 21 Millionen Euro, Fördermittel von Bund (4,7 Millionen Euro seitens BMUKN) und Land, einen KfW-Tilgungszuschuss sowie Kredite, die von der BVL getragen werden. Das Projekt festigt die seit 2005 bestehende Partnerschaft der Landkreise Böblingen und Esslingen und wird ab 2027 um den Landkreis Göppingen erweitert, was die Wirtschaftlichkeit weiter erhöht und die Müllgebühren stabilisiert.


