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Der Landschaftserhaltungsverband im Kreis Böblingen

Kreis Böblingen: Schafe sind die Retter der Streuobswiesen

Im letzten Jahr hat sich ein Schäfer mit seinen Tieren einer verbuschten Streuobstwiese angenommen.

Von Peter Maier
Die Schafherde auf einer Streuobstwiese. Bild:z

Die Schafherde auf einer Streuobstwiese. Bild:z

Bild: z

Kreis Böblingen. Die Mitglieder des Landschaftserhaltungsverbandes des Landkreises Böblingen (LEV) trafen sich zu ihrer Hauptversammlung. „Der LEV ist längst zu einer festen und wichtigen Institution im Landkreis Böblingen geworden“, betonte der stellvertretende Landrat und Dezernent für Umwelt und Klima, Martin Wuttke.  „Seit seiner Gründung 2013 kümmert sich der Verein um die Erhaltung und Entwicklung unserer wertvollen Kulturlandschaften. Das ist ein unverzichtbarer Beitrag für den Erhalt der biologischen Vielfalt und die Offenhaltung unserer Landschaftsräume.“

Dabei bleibe es nicht aus, dass man immer wieder in einem Spannungsfeld stehe zwischen verschiedenen Interessen, aber man bringe durch die Arbeit des LEV die Akteure zusammen, um die verschiedenen Anforderungen in Einklang zu bringen. Ein großer Bestandteil der Arbeit ist die intensive Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft, wie Geschäftsführerin Barbara Truckses ausführte. „Es geht um artenreiches Grünland mit bunten Blumenwiesen und Altgrasstreifen, aber auch um extensiven Ackerbau mit Blühbrachen und Feldvogelschutz, oder auch Flächenbeweidung mit Rindern, Schafen und Ziegen“, so Truckses. „Um diese zu schützen, braucht es die Arbeit

der Landwirte und Schäfer, die dafür Fördergelder aus dem Förderprogramm der Landschaftspflegerichtlinie beantragen können. Der LEV betreut die entsprechenden Verträge und berät die Vertragspartner. Diese Mittel tragen zur Einkommensbildung der Landwirte, Tierhalter und Kleinunternehmer bei.“ Ein Beispiel aus dem vergangenen Jahr ist die Freilegung einer stark verbuschten Streuobstwiese, die künftig ein Schäfer regelmäßig beweiden wird. „Der LEV baut die Brücken zwischen den Akteuren und kann als Verein Naturschutzprojekte organisieren, von denen alle Beteiligten profitieren“, erklärt Martin Wuttke.

Ein schönes und anschauliches Beispiel dafür ist das Rebhuhn-Schutzprojekt im Oberen Gäu, welches vom LEV seit 2016 koordiniert wird. Die unterschiedlichen Akteure – Kommunen, Landwirte, Jäger, Naturschützer – kommen bei diesem Projekt zusammen und ziehen an einem Strang, um den Charaktervogel des Heckengäus vor dem Aussterben zu bewahren. Das Projekt ist Teil des im Jahr 2023 gestarteten Bundesprojekts „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern“, in welchem bundesweit in zehn Projektgebieten großflächige Maßnahmen für den Rebhuhnschutz umgesetzt werden. Ein weiteres vorbildhaftes und von vielen verschiedenen Akteuren begleitetes Projekt ist die „Insektenfreundliche Kommune“.

Hier wirken Kommunen, ortsansässige Gewerbe, die Bürgerschaft und Kitagruppen mit, um auch innerhalb der Bebauung mit Grünflächen, Privatgärten und Balkonen nach wie vor Lebensraum und Nahrungsquelle für zahlreiche Insektenarten sicherzustellen. Ein neues Projekt ist „Gemeinsam für den Steinkauz“, wo sich Naturschutzgruppen und Ehrenamtliche gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde dafür einsetzen, die Bestände dieser kleinen Eule zu sichern und zu vergrößern. „Um dem Artensterben entgegenzuwirken und die Vielfalt zu wahren, braucht es das Miteinander vieler Menschen“, wirbt der Umweltdezernent. „Der LEV ist hier ein wichtiger Akteur und immer Ansprechpartner. Der Verein organisiert und koordiniert vielerlei Maßnahmen und Aktionen und wird sich auch weiter dafür einsetzen, gemeinsam mit allen Interessensvertretern tragfähige Lösungen für Natur und Landschaft zu entwickeln.“ Informationen zum LEV gibt es unter www.levbb.de oder telefonisch bei Barbara Truckses unter 07031/663-2385. Die Flächen, die durch den LEV betreut werden, sind von anfangs 350 Hektar geförderter Flächen auf rund 500 Hektar angewachsen. 2013 flossen rund 170.000 Euro an Fördergeldern für die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen im Landkreis Böblingen, 2023 waren es rund 630.000 Euro.