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Studie mit klarem Ergebnis

Kreis Böblingen: Zuviel Social-Media verzerrt Selbstbild von Jugendlichen

Laut einer Online-Befragung im Auftrag des AOK-Bundesverbandes hat die Nutzung von Social Media-Plattformen Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung und das Körperbild junger Heranwachsender.
Von Peter Maier
Die Zahl der Jugendlichen mit einer Essstörung niemmt im Kreis Böblingen zu. Bild: Goran/Adobe Stock

Die Zahl der Jugendlichen mit einer Essstörung niemmt im Kreis Böblingen zu. Bild: Goran/Adobe Stock 525677783

Kreis Böblingen. Befragt wurden rund 1500 Personen im Alter zwischen 14 und 30 Jahren, die Soziale Netzwerke nutzen. Demnach verbringen beinahe zwei Drittel der Jugendlichen durchschnittlich bis zu drei Stunden am Tag auf Social Media-Plattformen. 40 Prozent verspüren den Druck, schöner, erfolgreicher und besser werden zu müssen. Im Landkreis Böblingen schlägt sich das auch bei der steigenden Zahl der jungen betroffenen Menschen mit Essstörungen nieder.

521 Fälle im Jahr 2021

Im Landkreis Böblingen nimmt die Zahl der betroffenen Menschen mit einer diagnostizierten Essstörung immer weiter zu. So entwickelte sich die Fallzahl der AOK-Versicherten seit 2018 von 491 auf 521 Fälle im Jahr 2021. Gerade Frauen sind hier mit einem Anteil von über 85 Prozent der Fälle besonders betroffen. Die schleichende Gefahr der Essstörung beginnt bei jungen Menschen meist mit einem verzerrten Selbstbild durch die Sozialen Medien.

Eine Entwicklung, die sich aus den Ergebnissen der Umfrage ableiten lässt: Das eigene Selbstbild stellen viele Jugendliche in Frage, weil sie sich mit idealisierten Wunschbildern vergleichen. Laut Befragung zeigt sich dies insbesondere bei den 14- bis 15-Jährigen. Sie lassen sich stark von den in den sozialen Medien vorgelebten Idealen beeinflussen. Die Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und Realität macht sich auch in der Einschätzung des Körpergewichts bemerkbar. Laut Befragung schätzen Mädchen ihr Gewicht tendenziell öfter als zu hoch ein, als es tatsächlich ist. Diese Fehleinschätzung kann eine Essstörung begünstigen.

Essstörungen machen sich auf teils unterschiedliche Weise bemerkbar: „Menschen mit Magersucht sind meist untergewichtig und haben starke Angst zuzunehmen. Um dies zu verhindern, essen sie viel weniger, treiben exzessiv Sport oder greifen zum Beispiel zu Abführmitteln oder Entwässerungstabletten“, so die Ernährungsexpertin der AOK Stuttgart-Böblingen, Andrea Scholpp. „Auch eine starke, selbst herbeigeführte Gewichtsabnahme bei Normalgewichtigen kann ein Hinweis auf eine Magersucht sein.

Typisch für diese Essstörung ist zudem, dass sich die Betroffenen trotz Untergewichts weiterhin für zu dick halten“, beschreibt Andrea Scholpp weiter. Häufige körperliche Folgeerscheinungen bei der Anorexie seien Haarausfall, Ausbleiben der Menstruation mit beeinträchtigter Fruchtbarkeit, Blutarmut, Herzrhythmusstörungen und Osteoporose. „Bei häufigem Erbrechen wie bei Bulimie kommt es vermehrt zu Entzündungen der Rachenschleimhaut, Karies und Störungen des Elektrolythaushalts. Unbehandelt können die Gewichtsveränderungen ernsthafte körperliche Folgen nach sich ziehen“, mahnt die AOK-Expertin.

Betroffenen hilft eine ambulante Psychotherapie, welche mit einer Ernährungstherapie ergänzt wird. Eine stationäre Therapie kann notwendig werden, wenn zum Beispiel bei der Anorexie ein kritisches Untergewicht besteht oder auch wenn weitere psychische Störungen wie Depressionen und Angststörungen und starke Alltagseinschränkungen vorliegen. Erste Anlaufstelle kann hier der Haus- oder Kinderarzt, ein Facharzt für Psychosomatik oder auch eine psychosoziale Beratungsstelle sein. Über Essstörungen und deren Behandlungsmöglichkeiten informiert auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)unter www.bzga-essstoerungen.de im Internet. Sie bietet Betroffenen und ihren Angehörigen zudem eine anonyme telefonische Beratung über Essstörungen und deren Behandlungsmöglichkeiten unter 0221/ 89 20 31.